Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 09.02.2009
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Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Chemotherapien werden eingesetzt, um bösartige Krebszellen abzutöten. In den letzten Jahren hat die Forschung zahlreiche Substanzen entdeckt, die auf unterschiedlichen Wegen zum Absterben von Tumorzellen führen können.
Alle Chemotherapiemittel greifen nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Körperzellen an und führen auf diesem Weg zu Nebenwirkungen. Verschiedene Chemotherapiemittel haben unterschiedliche Nebenwirkungsprofile. Durch eine geschickte Zusammensetzung verschiedener Medikamente kann die Wirkung auf den Tumor verstärkt werden, ohne dass die Nebenwirkung in einem bestimmten Bereich unerträglich oder lebensgefährlich wird.
Gegen viele Nebenwirkungen von Chemotherapien gibt es gute Hilfsmittel, diese reichen von Medikamenten zur Stimulierung der Bildung von roten und weißen Blutkörperchen über Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hin zu Schmerzmitteln. Auch die Naturheilkunde kann in einigen Bereichen Erleichterung bringen.
Ein nicht unwesentlicher Faktor in der Verträglichkeit von Chemotherapien ist die positive Einstellung der Patienten zur Therapie und die psychoonkologische Begleitung der Patienten.
Die Gabe der Chemotherapie
Chemotherapien werden meistens über eine Vene als Infusion, seltener als Injektion gegeben. Hierbei wird entweder eine kleine Verweilkanüle in eine Vene gelegt, bei einigen Chemotherapien ist es jedoch von Vorteil, wenn der Katheter in einer großen Vene liegt, also als zentral-venöser Katheter verwendet wird. Ein für die Patienten sehr komfortables Verfahren ist in diesen Fällen ein sog. Port, der mit einem kleinen, in örtlicher Betäubung durchführbaren Eingriff unterhalb des Schlüsselbeines eingesetzt wird und bei Bedarf mit speziellen Nadeln fast schmerzlos punktiert werden kann.
Paravasat: Eine Gefahr besteht darin, dass die Flüssigkeit nicht das Blutgefäß läuft, sondern in das Gewebe. Es entsteht ein sog. Paravasat. Dies kann passieren, wenn der kleine Katheter z. B. bei einer unglücklichen Bewegung verrutscht oder das Blutgefäß platzt, was z. B. bei sehr empfindlichen Venen passieren kann.
Einige Chemotherapiemittel können in diesen Fällen das Gewebe reizen oder sogar zum Untergang von Zellen und Gewebe führen. Dann entwickelt sich eine sog. Nekrose, die später die Funktion des Armes erheblich einschränken kann. Deshalb ist ein sofortiger Stopp der Infusionen ganz wichtig. Anschließend gibt es unterschiedliche Empfehlungen für das weitere Vorgehen je nachdem, welches Medikament in der Infusion war, die streng eingehalten werden sollten.
Einige Chemotherapiemittel stehen in Tablettenform zur Verfügung.
Die häufigsten Nebenwirkungen und Hilfestellungen, die Sie selber anwenden können Veränderungen des Blutbildes
Unter der Chemotherapie kommt es meistens zu einem Abfall der weißen Blutkörperchen, oft auch der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen. Dies können Sie selber praktisch nicht beeinflussen, wichtig ist die regelmäßige Blutbildkontrolle, Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wenn die Injektion von entsprechenden Wachstumsfaktoren erforderlich ist.
Es gibt Hinweise, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung die Blutbildung unterstützen kann.
Aus naturheilkundlicher Sicht wird oftmals die Anwendung von Mistel- oder Thymuspräparaten empfohlen. Diese haben bei den meisten Tumorerkrankungen keine negativen Auswirkungen auf die Chemotherapie. Vorsicht ist jedoch geboten bei Lymphomen und Leukämien, für die durch die Immunstimulation ein Wachstumsreiz entstehen könnte. Mistel und Thymus können häufig einen stärkeren Abfall der weißen Blutkörperchen nicht verhindern, dann müssen pharmazeutisch hergestellte Wachstumsfaktoren angewandt werden.
Da bei einer starken Verringerung der weißen Blutkörperchen ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, sollten Sie verstärkt auf Sauberkeit und Körperhygiene achten. Außerdem sollten Sie den Kontakt mit Personen, die einen Infekt haben, meiden, dies gilt auch für größere Menschenansammlungen und fremde Haustiere.
Kommt es zu einer Verminderung der roten Blutkörperchen, einer sog. Anämie, so kann dies in ausgeprägteren Fällen zu einer Minderversorgung von Organen mit Sauerstoff führen. Dies äußert sich in Kurzatmigkeit, Schwächegefühl, Müdigkeit, evtl. auch Schwindelattacken.
In diesen Fällen sollten Sie sich ausreichend Ruhephasen gönnen, evtl. müssen Sie körperliche Aktivitäten einschränken. Sie sollten mit Ihrem Arzt darüber sprechen, welche Therapie geeignet ist und ob ggf. eine Blutübertragung hilfreich sein kann.
Auch für die roten Blutkörperchen gibt es spezielle Wachstumsfaktoren (Erythropoeitin). Nachdem vor einigen Jahren schon Beobachtungen veröffentlicht wurden, die einen schlechten Verlauf der Tumorerkrankung unter Erythropoeitin vermuten ließen, nahm man lange an, dass dies nur bei zu hohem Anstieg des roten Blutfarbstoffes der Fall ist. Neueste Untersuchungen zeigen, dass bei einigen Tumorerkrankungen Tumorzellen Rezeptoren für Erythropoeitin auf ihrer Oberfläche haben und vermutlich im Wachstum angeregt werden können. Hier sind dringend weitere Forschungen nötig und der Einsatz von Erythropoeitin sollte sehr sorgfältig erwogen werden.
Kommt es zu einer Verminderung der Blutplättchen, die für die Blutgerinnung verantwortlich sind, so sollten Sie darauf achten, Verletzungsgefahren zu vermeiden, bei Zahnfleischbluten sollten Sie eine weiche Zahnbürste oder ggf. eine Munddusche verwenden.
Fatigue
Fatigue heißt Erschöpfung und Müdigkeit. Sie tritt zusammen mit einer Anämie (Blutarmut) auf, kann aber auch durch die Krebserkrankung oder die Therapie direkt verursacht sein. Ggf. muss die Anämie mit einer Blutübertragung behandelt werden (siehe oben).
Die Einnahme von Eisen sollte nur erfolgen, wenn ein Eisenmangel nachgewiesen ist. Die meisten Tumorpatienten haben eher zu hohe Eisenspeicherwerte (Ferritin), da der Körper das Eisen nicht verwertet, so dass die zusätzliche Einnahme von Eisenpräparaten eher kontraproduktiv ist.
Fatigue kann auch längere Zeit nach der Therapie anhalten, bei einigen Patienten bleibt sie über Monate und Jahre bestehen.
Fatigue äußert sich in Müdigkeit, körperlicher Schwäche und Konzentrationsstörungen, evtl. auch in Appetitlosigkeit und allgemeiner Unlust.
Ist eine Anämie als Ursache der Fatigue ausgeschlossen, so sollten Sie versuchen, Ihren eigenen Körperrhythmus zu finden und Ihre Energie für die Tätigkeiten aufzusparen, die Ihnen wichtig sind. Teilen Sie Ihren Tag so ein, dass Sie mehrere Pausen einlegen können.
Grundsätzlich gilt, dass für Fatigue-Patienten leichte körperliche Aktivitäten in Form eines leichten Ausdauertrainings wie z. B. Spazierengehen und Radfahren hilfreich sind.
Viele Patienten schöpfen Kraft aus Entspannungsverfahren wie Autogenem Training oder Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga und Meditationen.
Eine gesunde ausgewogene Ernährung, verteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten am Tag, kann ebenfalls hilfreich sein.
Bei Fatigue ist es wichtig zu wissen, dass es sich um eine bei Krebspatienten häufige Folgeerscheinung handelt. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe und der Gedankenaustausch mit gleichermaßen Betroffenen kann hilfreich sein.
Übelkeit und Erbrechen
Viele Chemotherapiemittel können zu Übelkeit und Erbrechen führen. In der Regel bekommen Sie als Patient von Ihrem Arzt bereits zur Chemotherapie Medikamente, die Sie auch an den folgenden Tagen einnehmen können. Bei einigen Chemotherapien kommt es wenige Tage nach der Gabe der Medikamente zu einer zweiten Welle von Übelkeit und Erbrechen, dann müssen in der Regel andere Medikamente als in der ersten Phase eingesetzt werden.
Sollte es nach dem ersten Zyklus der Chemotherapie zu Übelkeit gekommen sein, sollten Sie Ihren Arzt darüber informieren, damit er zum zweiten Zyklus die Medikamente noch einmal auf Ihre Bedürfnisse abstimmen kann.
Einige Patienten entwickeln schon vor Gabe der Chemotherapie Übelkeit, dies ist ein reflexartiger Mechanismus in Erwartung der einsetzenden Übelkeit.
Hiergegen kann es hilfreich sein, während Chemotherapie z. B. entspannende Musik zu hören oder ein schönes Buch zu lesen.
Nach der Chemotherapie ist es sinnvoll, mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen und reichlich in kleinen Portionen zu trinken.
Essen Sie das, worauf Sie Lust oder Appetit haben, vermeiden Sie stark riechende oder stark gewürzte Speisen. Nach den Mahlzeiten sollten Sie versuchen, etwas Ruhe einzuhalten.
Gegen morgendliche Übelkeit kann etwas Zwieback oder Toast vor dem Aufstehen helfen.
Bei Geschmacksstörungen kann das Lutschen von Pfefferminzbonbons hilfreich sein.
Auch angenehme Düfte in Ihrer Umgebung können Linderung verschaffen.
Appetitlosigkeit
Appetitlosigkeit ist ein Problem vieler Patienten während der Chemotherapie, auch wenn keine Übelkeit oder Erbrechen bestehen. Länger anhaltende Appetitlosigkeit führt zu Gewichtsverlust und Schwäche. Deshalb sollten Sie versuchen, über einen individuellen Ernährungsplan genügend Nährstoffe zu sich zu nehmen. Eine spezielle Krebsdiät gibt es nicht.
Versuchen Sie, Speisen appetitanregend zuzubereiten, möglichst vielfältig zu essen und achten Sie auf eine ausreichende Vitaminzufuhr. Denken Sie jedoch daran, dass es bei ausgeprägter Appetitlosigkeit sinnvoller sein kann, sich mit leichten Speisen wie Pudding, Milchspeisen, Milchshakes und Eiscreme zu ernähren als ganz auf das Essen zu verzichten.
Es gibt Medikamente, die die Beweglichkeit der Muskeln im Magen-Darm-Trakt verbessern und auch gegen Appetitlosigkeit helfen können. Auch einige pflanzliche Medikamente helfen, z. B. die sog. Bittermittel.
Durchfall
Einige Medikamente, die in der Chemotherapie eingesetzt werden, können Durchfälle verursachen. In diesen Fällen wird Ihr Arzt Sie mit entsprechenden Medikamenten und einer Einnahmevorschrift versorgen.
Lang anhaltender Durchfall führt zu Flüssigkeits- und Salzverlust. Deshalb sollten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge achten.
Die Ernährung sollte aus leicht verdaulichen Speisen mit hohem Eiweiß- und Kohlenhydratgehalt, die jedoch nicht zu viele Ballaststoffe enthalten sollten, bestehen. Süße und fetthaltige Speisen werden in der Regel nicht gut vertragen. Bei Durchfällen sollten sie koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Nikotin vermeiden.
Hilfreich sind fein geriebene Äpfel über den Tag verteilt.
Nach jedem Stuhlgang sollte die Haut im Analbereich gut gesäubert und eingecremt werden. Wenn die Haut wund wird, können neben einer Wundcreme lauwarme Sitzbäder mit Kamillentee hilfreich sein.
Verstopfung (Obstipation)
Einige wenige Chemotherapiemittel führen nicht zu Durchfällen, sondern zur Verstopfung. Auch manche Begleitmedikamente, insbesondere gegen Übelkeit oder gegen Schmerzen, können Verstopfung hervorrufen.
In diesen Fällen sollten Sie mit Ihrem Arzt über geeignete Medikamente sprechen.
Durch die Auswahl geeigneter Nahrungsmittel (ballaststoffreich) können Sie selber bei der Therapie mithelfen. Auch sollten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Bewegung regt die Darmtätigkeit an, so dass Se versuchen sollten, täglich ein oder zwei Spaziergänge u machen.
Entzündungen im Mund- und Rachenbereich
Bei einigen Chemotherapien kann es zu Entzündungen der Mundschleimhaut kommen. Sind gleichzeitig die weißen Blutkörperchen vermindert, so besteht eine erhöhte Infektionsgefahr.
Diese Gefahr ist besonders groß, wenn Entzündungs- oder Infektionsherde im Bereich der Zähne vorhanden sind. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Zahnarzt darüber. Außerdem sollten sie darauf achten, dass eine eventuell vorhandene Prothese gut sitzt und nicht zu wunden Stellen führt.
Während der Chemotherapie ist eine gute Mundhygiene eine wesentliche Voraussetzung. Sie sollten den Mund nach jedem Essen reinigen und hierbei eine weiche Zahnbürste oder Munddusche verwenden. Die Zahnbürste sollte häufig gewechselt werden. Auch Wattestäbchen können bei der Reinigung hilfreich sein.
Bei Entzündungen im Mundbereich sollten Sie harte Lebensmittel sowie saure und scharf gewürzte Speisen vermeiden.
Zum Mundspülen eignen sich Mundwässer, wobei Sie jedoch keine alkoholhaltigen verwenden sollten. Eine gute Möglichkeit zum Mundspülen bieten Kamillen- oder Salbeitee.
Mundtrockenheit
Mundtrockenheit kann während der Chemotherapie, häufiger jedoch während einer Bestrahlung auftreten. Hilfreich ist es hierbei, reichlich Flüssigkeiten zu trinken und immer ein Glas Wasser neben sich stehen zu haben.
Ob Ihnen das regelmäßige Lutschen von zuckerfreien Frucht- oder Pfefferminzbonbons hilft oder das Kauen von Kaugummis, müssen Sie selber ausprobieren.
In der Apotheke gibt es feuchte, wattestäbchenähnliche Träger mit Zitronengeschmack zum Anfeuchten der Mundschleimhaut.
Verschiedene Firmen bieten Produkte wie Mundwasser, Kaugummis und künstlichen Speichel an. Die Akzeptanz ist bei den Patienten sehr unterschiedlich und muss individuell ausgetestet werden.
Haarausfall (Alopezie)
Viele, aber keineswegs alle Chemotherapiemittel verursachen vorübergehenden Haarausfall. Davon sind in erster Linie die Kopfhaare betroffen, aber manchmal auch Augenbrauen, Wimpern oder Schamhaare. Meist beginnt der Haarausfall 2-3 Wochen nach Therapiebeginn. Fast immer wachsen die Haare nach Ende der Chemotherapie wieder nach. Häufig ist das Haar dann sogar kräftiger, dunkler oder lockig.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob ein Haarausfall bei Ihrer Therapie wahrscheinlich ist. In diesem Fall sollten Sie sich bereits zuvor eine Perücke, die Ihrem Haar genau angeglichen ist, in einem entsprechenden Fachgeschäft aussuchen. Die Perücke kann vom Arzt verordnet werden, die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Während der Chemotherapie sollten Sie mit Ihren Haaren vorsichtig umgehen, also keine scharfen Shampoos verwenden, möglichst nicht fönen, keine Lockenwickler anwenden und nur vorsichtig kämmen, auch das Färben sollten Sie vermeiden.
Haut- und Nagelveränderungen
Einige Chemotherapien führen zu Veränderungen insbesondere im Bereich der Hand- und Fußflächen, dem sog. Hand-Fuß-Syndrom. Tritt dies ein, so sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, damit er die Chemotherapie anpassen kann. Handelt es sich nur um leichte Veränderungen, so können diese über die Chemotherapiezeit hin toleriert werden. Sie bilden sich nach Ende der Chemotherapie komplett zurück.
Haben Sie eine Chemotherapie bekommen und wird danach eine Bestrahlung durchgeführt, so kann es zu einer entzündlichen Hautveränderung kommen, die ausgeprägter ist als bei alleiniger Strahlentherapie. Auch dies sollten Sie mit den behandelnden Ärzten besprechen, die Ihnen entsprechende Hautschutzpräparate verordnen können.
Wird Ihre Haut trocken und entwickelt sich Juckreiz, so sollten Sie langes, heißes Baden vermeiden und eine rückfettende Salbe anwenden. Auch regelmäßige Anwendung von Creme und Lotion kann hilfreich sein. Parfüm, Au de Cologne und Aftershave mit Alkohol sollten Sie nicht benutzen.
Sonnenlichtempfindlichkeit
Während der Chemotherapie sollten Sie die direkte Einwirkung von Sonnenlicht in der Mittagszeit vermeiden. Tragen Sie entsprechende Kleidung, halten Sie sich hauptsächlich im Schatten auf oder verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor.
Allgemein sollten Sie keine enge, einschnürende Kleidung tragen.
Bei einigen Chemotherapien kommt es zu Veränderungen der Nägel. In diesen Fällen sollten Sie besonders sorgfältige Nagelpflege betreiben oder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Vermeiden Sie vor allen Dingen Entzündungen im Bereich des Nagelbettes.
Nerven- und Empfindungsstörungen und Muskelprobleme
Einige Chemotherapiemittel führen zu Schädigungen der Nerven, insbesondere der langen Nervenfasern, die Hände und Füße versorgen. Am häufigsten sind die sensiblen Nervenfasern betroffen, so dass es zu Taubheitsgefühl, aber auch brennenden Schmerzen in Händen oder Füßen kommen kann. Bei einigen Patienten führt dies zu Schwierigkeiten beim Gehen, da das Tastempfinden der Füße beim Aufsetzen gestört ist oder zu Schwierigkeiten beim Arbeiten mit den Händen, insbesondere bei feinmotorischen Arbeiten.
Beobachten Sie solche Störungen, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber reden, der ggf. die Chemotherapie anpassen muss.
Wichtig ist zu wissen, dass sich die Störungen in den meisten Fällen nach einiger Zeit, in der Regel innerhalb eines Jahres zurückbilden.
Bei Sensibilitätsstörungen sollten Sie darauf achten, Verletzungsgefahren an den Händen zu vermeiden und nicht mit scharfen oder heißen Sachen zu hantieren, Sie sollten auf Treppen und Leitern vorsichtig sein und sich sicherheitshalber festhalten, außerdem sind feste bequeme Schuhe zu empfehlen.
Sind die Nervenschäden mit Schmerzen verbunden, so sollten Sie mit Ihrem Arzt über eine geeignete Schmerztherapie reden.
Umstritten ist, ob die Gabe von hoch dosierten B-Vitaminen gegen Sensibilitätsstörungen helfen kann, auch über die Infusion und anschließende Gabe in Tablettenform der Substanz Alphaliponsäure wird unterschiedlich berichtet.
Ist eine Sensibilitätsstörung eingetreten, so können Se versuchen, über gezieltes Tasttraining mit im Haus vorhandenen alltäglichen Gegenständen das Tastempfinden wieder anzuregen. Hierzu eignen sich weiche Bürsten, ein Sisalschwamm, Igelbälle, verschieden beschaffene Stoffe, aber auch das Spiel mit den Händen in einer Plastikwanne mit getrockneten Erbsen oder Linsen.
Harnblasenentzündung
Einige Chemotherapiemittel können zur Entzündung der Harnblase führen. Haben Sie beim Wasser lassen Beschwerden wie z. B. brennende Schmerzen, so sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Es muss ausgeschlossen werden, dass gleichzeitig eine Infektion besteht.
In der Regel wird der Arzt bei Chemotherapiemitteln, die die Harnblase beeinträchtigen können, entsprechende Gegenmittel vor der Infusion und nachher geben. Sie selber können durch eine hohe Trinkmenge die Blase vermehrt durchspülen und somit einen Reiz durch konzentrierten Urin vermeiden.
Übersicht über die Nebenwirkungen der wichtigsten Chemotherapiemedikamente
Bendamustin:
Häufig: Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Obstipation, Durchfall
Sehr selten: Hautveränderungen, Haarausfall, Hautausschlag, Nervenschädigung
Bleomycin:
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Haarausfall, Schleimhautentzündungen, leichte Blutbildveränderungen, Lungenentzündungen und Lungenfibrose
Selten: grippeartige Symptomatik, Juckreiz, Ödeme, allergieartige Reaktion bis zum allergischen Schock (Vormedikation mit Testdosis)
Busulfan:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Hautveränderungen, Haarausfall
Selten: Lungenfibrose, Gynäkomastie, Fibrose der Herzinnenhaut (Endokard), Fibrose des Bindegewebes retroperitoneal, blutende Blasenentzündung, Blutdruckabfall, Lebererkrankungen
Capecitabin:
Häufig: Hautreaktionen (Hand-Fuß-Syndrom)
Selten: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Störungen der Herzfunktion
Sehr selten: Haarausfall
Carboplatin:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Hau- und Nagelreaktionen, Fieber, allergische Reaktionen
Selten: Appetitlosigkeit, Nervenschädigungen, lokale Reaktionen an der Einstichstelle, Mundschleimhaut- und Zahnfleischentzündung, in sehr hoher Dosis: Nieren- und Gehörschäden
Sehr selten: Leberfunktionsstörungen, Störungen der Herzfunktion
Chlorambucil:
Häufig: Blutbildveränderungen, geringgradiges Erbrechen und Übelkeit
Selten: Lungenfibrose, Haarausfall, Nervenschädigung, Harnblasenentzündung, Fieber, Lebererkrankung
Cisplatin:
Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen
Häufig: Blutbildveränderungen, Appetitlosigkeit, Nierenschädigung, Nervenschädigungen, allergische Reaktionen
Selten: Haarausfall, Mundschleimhautentzündung, Nierenschädigung, Fieber, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Haut- und Nagelreaktionen, Leberfunktionsstörung
Cyclophosphamid:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Haarausfall
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Blasenschädigung
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Haut- und Nagelreaktionen, Leberfunktionsstörung, allergische Reaktionen
Sehr selten: Fieber, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Cytarabin:
Häufig: Blutbildveränderungen, bei hoch dosierter Gabe schwere Lungenschädigung, Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Hautveränderungen, Haarausfall, Nervenschädigungen, Schädigungen der Gehirnfunktion
Selten: Fieber, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Knochenschmerzen, grippeartige Symptomatik, Bauchspeicheldrüsenentzündung
Dacarbacin:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, leichte Leberfunktionsstörungen, Haarausfall, Hautveränderungen, allergische Reaktionen
Selten: grippeartige Beschwerden, Schleimhautentzündungen, Lebervenenverschlusssyndrom, Nierenfunktionsstörungen, zentralnervöse Störungen
Docetaxel:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen
Häufig: Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Fieber, allergische Reaktionen, Wassereinlagerung (Ödembildung)
Selten: Mundschleimhautentzündung, Haut- und Nagelreaktionen, Nervenschädigungen, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Leberfunktionsstörung
Doxorubicin, liposomales:
Sehr häufig: Haarausfall, Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündungen, Lungentoxizität
Sehr selten: Haut- und Nagelreaktionen, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Doxorubicin, pegyliertes liposomales:
Häufig: Hautreaktionen (Hand-Fuß-Syndrom) Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündungen, Lungentoxizität
Sehr selten: Beeinträchtigung der Herzfunktion, Haarausfall
Epirubicin:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Haarausfall
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen ander Einstichstelle
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit
Sehr selten: Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, allergische Reaktionen
Etoposid:
Sehr häufig: Haarausfall
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Haut- und Nagelreaktionen, allergische Reaktionen
Selten: Fieber, Leberfunktionsstörung, Nervenschädigungen
Sehr selten: Durchfall, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen an der Einstichstelle
5-Fluorouracil:
Häufig: Blutbildveränderungen, Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Haut- und Nagelreaktionen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Fieber, Herzmuskelschäden, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Leberfunktionsstörung, Nervenschädigungen, allergische Reaktionen
Die Verträglichkeit von 5-Fluorouracil ist genetisch bedingt unterschiedlich. Es ist möglich, vor Beginn der Therapie aus einer Blutprobe einen Test zu machen, ob die Verträglichkeit zu erheblichen Problemen führen wird. Dieser Test wird leider derzeit von Krankenkassen nicht bezahlt.
Gemcitabin:
Häufig: Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Fieber und Grippegefühl, Hautausschlag, allergische Reaktionen
Sehr selten: Haarausfall, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Hydroxyharnstoff:
Häufig: Blutbildveränderungen, mäßiggradige Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, leichte Leberfunktionsstörungen
Selten: akute Lungenschädigung, Schleimhautentzündungen, Durchfall, Obstipation, Nierenfunktionsstörung, Pigmentstörungen der Haut, Haarausfall, Nervenschädigung, grippeartige Symptomatik
Ifosfamid:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, leichte Leberfunktionsstörungen, Harnblasenentzündungen, häufig, weitere Hautveränderungen
Selten: Nierenfunktionsstörungen, Schädigung des Gehirns, Nierenfunktionsstörungen
Zum Schutz der Harnblase vor einer blutigen Entzündung wird zur Therapie die Substanz Mesna gegeben.
Irinotecan (CPT11):
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, verzögert einsetzende Durchfälle, Schleimhautentzündungen, Haarausfall
Selten: sog. cholinerges Frühsyndrom mit akutem Durchfall, Fieber, Leistungsminderung
Melphalan:
Häufig: Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündungen, Appetitlosigkeit
Selten: Haarausfall, Hautveränderungen, Juckreiz, Lungenfibrose
Methotrexat:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörung
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, Nierenschädigung, allergische Reaktionen
Selten: Haarausfall, Lungentoxizität
Sehr selten: Herzmuskelschäden, Nervenschädigungen
Mitoxantron:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Haarausfall, Herzmuskelschäden
Selten: Appetitlosigkeit, Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, allergische Reaktionen, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Sehr selten: Leberfunktionsstörung
Oxaliplatin:
Häufig: Leichte Blutbildveränderungen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, in der Regel vorübergehende Nervenschädigung
Selten: allergische Reaktionen
Paclitaxel:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen, Haarausfall
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Haut- und Nagelreaktionen, Nervenschädigungen, allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Leberfunktionsstörung, Herzfunktionsstörungen
Sehr selten: Lokale Reizungen an der Einstichstelle, Fieber
Topotecan:
Sehr häufig: Blutbildveränderungen
Häufig: Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall
Selten: Mundschleimhautentzündung, Appetitlosigkeit, Fieber
Sehr selten: Nervenschädigungen, allergische Reaktionen, Haut- und Nagelreaktionen
Treosulfan:
Häufig: Blutbildveränderungen
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Leberfunktionsstörung, allergische Reaktionen
Sehr selten: Haarausfall, Herzmuskelschäden, Nervenschädigungen
Vincristin:
Häufig: leichte Blutbildveränderungen, Obstipation, Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündungen, mäßiggradiger Haarausfall, dosisabhängige periphere Nervenschädigung
Selten: kardiovaskuläre Störungen, Bluthochdruck, Hypotonie, akute interstitielle Lungenentzündungen, Nierenfunktionsstörungen, Harnverhalt, paralytischer Ileus
Vinorelbin:
Häufig: Blutbildveränderungen, Nervenschädigungen, Obstipation, lokale Reizungen an der Einstichstelle
Selten: Übelkeit und Erbrechen, Mundschleimhautentzündung, Haut- und Nagelreaktionen, Fieber, Leberfunktionsstörung, allergische Reaktionen
Sehr selten: Haarausfall, Herzmuskelschäden
Stand 22.06.07