Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 09.02.2009
URL: http://www.habichtswaldklinik.de/Onkologie/Leberzellkarzinom.html
Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Das Leberzellkarzinom galt lange Zeit in Deutschland als sehr seltener Tumor. In einigen Ländern Asiens und Afrikas gehört er zu den häufigsten Tumoren, da Leberzellkarzinome insbesondere bei chronischer Hepatitis B oder C auftreten. Ein weiterer Risikofaktor ist die Aufnahme von Aflatoxinen aus verschimmelten Nahrungsmitteln.
In Deutschland entwickelt sich ein Leberzellkarzinom meist bei Patienten, die aufgrund einer chronischen Lebererkrankung oder eines langjährigen Alkoholkonsums eine Leberzirrhose haben. Bei Patienten mit einer bekannten chronischen Hepatitis B oder C sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit Ultraschall sowie eine Bestimmung des Tumormarkers AFP erfolgen.
Wird der Verdacht auf ein Leberzellkarzinom geäußert, so kommen als ergänzende Untersuchungen die Computertomographie oder Kernspintomographie des Bauchraumes infrage. Die genaue Diagnose, insbesondere auch im Zweifelsfall die Abgrenzung von Lebermetastasen eines anderen Tumors oder eines Karzinoms der Gallenwege, erfolgt mittels feingeweblicher Untersuchung aus einer Biopsie.
Die Therapieentscheidung beim Leberzellkarzinom richtet sich neben der bösartigen Erkrankung auch nach dem allgemeinen Zustand des Patienten. Dieser ist oft bei einer bestehenden Leberzirrhose erheblich eingeschränkt, sodass aggressives Therapievorgehen häufig nicht möglich ist.
Ein weiteres Problem der Behandlung von Leberzellkarzinomen ist, dass aufgrund der Vorschädigung der Leber in vielen Fällen nicht nur ein Karzinom, sondern mehrere Herde vorliegen.
Bei einer lokalisierten Erkrankung muss mit dem Chirurgen eine operative Entfernung des Tumors durch Leberteilresektion diskutiert werden. Bei etwas größeren Befunden ist auch eine Lebertransplantation zu diskutieren.
Weitere Therapieverfahren bestehen darin, den Herd lokal zu zerstören. Dies kann erfolgen, indem ein Katheter von außen in örtlicher Betäubung unter sonographischer oder CT-Kontrolle bis in den Tumorbereich vorgeschoben wird und dann entweder mit einer sog. Radiofrequenzablation (RFA) oder einer Lasertherapie (LiTT) der Tumorknoten zerstört wird. Auch die Injektion von hochprozentigem Alkohol in den Tumor kann bei Tumoren bis zu einer gewissen Größe erfolgreich sein. Nach den vorliegenden Untersuchungen sind die drei genannten Verfahren bei erfahrenen Behandlern gleichwertig.
Auch bei fortgeschrittenen oder multiplen Herden kann mit diesen lokalen Verfahren eine Rückbildung der Tumoren, jedoch nicht eine komplette Heilung erreicht werden.
Ein weiteres Verfahren ist deshalb die sog. transarterielle Chemoembolisation (TACE). Während normales Lebergewebe sowohl aus dem arteriellen als auch aus dem portal-venösen Blutkreislauf versorgt wird, ernähren sich Tumorknoten hauptsächlich aus den Arterien. Durch Vorschieben eines Katheters über die Leistenschlagader zur Hauptschlagader (Aorta) und weiter in die Arterien, die den Tumorknoten versorgen, gelingt es in einigen Fällen, ein Chemotherapiemittel in hoher Konzentration an den Tumor zu bringen und gleichzeitig beim Rückzug des Katheters die Arterien durch Einbringen von kleinsten Kügelchen (Gelfoam, Lipiodol) zu verschließen und damit die Durchblutung der Tumorzellen zu verringern.
Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren, insbesondere bei Vorliegen einer Metastasierung, müssen mit dem Patienten darüber hinaus gehende Therapien diskutiert werden.
In einer relativ neuen Studie konnte gezeigt werden, dass die Gabe des Cholesterin-senkenden Mittels Pravastatin zu einer Lebensverlängerung führt. Die Verträglichkeit dieses Medikamentes ist in der Regel ausgezeichnet.
Auch Chemotherapien werden beim Leberzellkarzinom eingesetzt. Der Gebrauch ist jedoch meist limitiert, da bei schlechter Leberfunktion aufgrund einer Leberzirrhose oder anderer Ursachen für die Leberzellschädigung die Nebenwirkungen häufig sehr ausgeprägt sind, sodass wirksame Chemotherapien nur bei wenigen Patienten durchgeführt werden können.
Immer wieder ist diskutiert worden, ob das bei Brustkrebs eingesetzte antihormonelle Medikament Tamoxifen auch bei Leberzellkrebs wirksam ist. Aktuelle Untersuchungen sprechen dagegen. Möglicherweise kann jedoch das Gestagen Megestrolacetat hilfreich sein.
Erst bei relativ wenigen Patienten wurde die Substanz Octreotid eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine einem körpereigenen wachstumshemmenden Signalstoff ähnliche Substanz, die bei einigen Patienten zu einem Ansprechen führt.
In der Entwicklung sind Therapieverfahren, die einerseits durch Aktivierung des Immunsystems positiv wirken, andererseits direkt an der Durchblutung der Tumoren oder an den Signalwegen von Wachstumsfaktoren angreifen.
Eine neue medikamentöse Therapie wurde in den letzten Jahren entwickelt und steht jetzt für Patienten zur Verfügung: das Medikament Sorafenib (Nexavar®) ist ein sogenanntes „kleines Molekül“ (small molecule), das in die Tumorzelle gelangt und dort bestimmte Signalwege, die das Wachstum der Zellen fördern, unterbricht. Sorafenib wird als tägliche Tablette eingenommen. Es ist grundsätzlich gut verträglich, führt aber bei einigen Patienten zu ausgeprägter Erschöpfung.
Angebot für Patienten mit Leberzellkarzinom in der Habichtswald-Klinik
Patienten mit der Erstdiagnose bzw. nach Abschluss der Therapie oder bei Rezidiv haben die Möglichkeit, im Rahmen der second opinion bei uns eine zweite Meinung einholen.
Patienten können in unserem Haus zur gezielten Durchführung einer Chemotherapie aufgenommen werden, es ist jedoch auch möglich, im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung oder Rehabilitation einzelne Kurse einer Chemotherapie zu machen. In ausgewählten Fällen können durch eine Kooperation während eines stationären Aufenthaltes auch lokale Behandlungen durchgeführt werden.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.
Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation werden Patienten nach frühzeitiger Übernahme nach einer Operation oder Lokaltherapie kompetent ärztliche und pflegerisch betreut. Dies umfasst auch eine Wundversorgung.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für den Krebspatienten eine Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Im Rahmen der Behandlung eines Patienten mit einem Leberzellkarzinom gibt es keine komplementäre Therapie, die die Operation, Lokaltherapie oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel und die Pflanzenheilkunde.
Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden, Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.
Bei vielen Patienten ist es schon vor der Diagnosestellung, dann aber auch in der Phase der Operation und der eventuellen Chemotherapie zu einer deutlichen Gewichtsabnahme gekommen. Hier setzt eine gezielte Ernährungstherapie unter Berücksichtigung der verschiedenen Diätformen ein. Wo erforderlich, kann eine unterstützende, über die Vene gegebene Ernährung erfolgen.
Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene Psychotherapeuten begleiten unsere Patienten in Gruppentherapien und Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu bearbeiten.
Es gelingt so sogar für Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.
Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden
wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen.
Stand 26.08.08