Mammakarzinom

Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche Rehabilitation
Druckversion vom 09.02.2009
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Mammakarzinom

Habichtswald-Klinik Kassel

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

Das Mammakarzinom (Brustkrebs) ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Die Erkrankung von Männern am Mammakarzinom ist dagegen mit 1 % aller Betroffenen sehr selten.

Aber nicht nur deshalb ist das Mammakarzinom für Frauen eine besonders bedrohliche Erkrankung. Durch die Häufigkeit dieser Erkrankung kennt fast jede Frau andere Frauen im Bekannten- oder Familienkreis, die an einem Mammakarzinom erkrankt sind. Dies führt zu Angst und Unsicherheit bezüglich des eigenen Risikos und bezüglich möglicher oder notwendiger Vorsorgemaßnahmen. Wir wissen, dass etwa 5-10% aller Mammakarzinome bei Frauen auftreten, die eine erbliche Belastung haben. Einige dafür verantwortliche Gene (BRCA1 und BRCA2) sind zwar bekannt, und wir wissen um das besonders hohe Risiko von Frauen, die mit einem solchen „Brustkrebsgen“ behaftet sind, für die übrigen 90-95% aller Betroffenen gibt es derzeit keine nachweisbaren einzelnen Ursachen.

Hinweise auf einen erblichen Brustkrebs sind (nach dem Schwerpunktprogramm der Deutschen Krebshilfe):

·         Familien mit mindestens zwei Erkrankten an Mammakarzinom (Brustkrebs) und/oder Ovarialkarzinom, davon mindestens eine unter 50 Jahren oder 3 Erkrankte an Mamma- oder Ovarialkarzinom über 50 Jahren.

·         Familien mit einer an einseitigem Mammakarzinom Erkrankten unter 31 Jahren oder beidseitigem Mammakarzinom unter 41 Jahren.

·         Familien mit einer an Ovarialkarzinom Erkrankten unter 41 Jahren

·         Familien mit einer an Mamma- und Ovarialkarzinom Erkrankten.

·         Familien mit einem an Mammakarzinom männlichen Erkrankten.

Eine Vielzahl von Risikofaktoren des Mammakarzinoms sind bekannt (frühe erste Menstruation, keine Kinder, keine Stillzeiten, später Eintritt des Klimakteriums, Alkohol, fettreiche Ernährung und Übergewicht), allerdings führen diese für sich allein genommen nicht zwangsläufig zum Mammakarzinom. Tatsächlich müssen weder Frauen, die sämtliche bekannten Risikofaktoren aufweisen, ein Mammakarzinom bekommen, noch sind Frauen, die keinen Risikofaktor aufweisen, sicher, dass sie von der Erkrankung verschont bleiben werden. Als Schutzfaktor ist regelmäßiger moderater Sport anerkannt.

Wie kaum ein anderer Tumor führt das Mammakarzinom zu starken Eingriffen in die körperliche, seelische, geistige Integrität der betroffenen Frauen. Das Gefühl der Unverwundbarkeit und unerschütterlichen Gesundheit wird durch die Diagnose Mammakarzinom aufs Tiefste erschüttert, ja manchmal nahezu vollständig zerstört. Die mit äußerlich sichtbaren Veränderungen einhergehende Operation erzeugt oft das Gefühl, nicht mehr attraktiv zu sein und sich nicht mehr als vollständige Frau fühlen zu können. Störungen der Sexualität und Partnerschaft sind eher die Regel als die Ausnahme. Die betroffene Frau, meist aus voller Vitalität zur Patientin geworden, bedarf der intensiven Unterstützung in der Verarbeitung der Diagnose.

Im Rahmen des Disease-Management-Programms „Brustkrebs“ ist ein Qualitätsmerkmal die zügige Leitung der Patientin von der Verdachtsdiagnose über die Diagnose zur Therapie. Dies wird aber nicht dem Bedürfnis der Frauen gerecht, die in Ruhe überlegen und mitentscheiden wollen. Hier ist wichtig zu wissen: die Diagnose Brustkrebs ist keine Notfallindikation. Jede Frau hat das Recht, sich verschiedene Meinungen einzuholen, sich in Ruhe zu überlegen, welche Therapie sie wählt, wenn verschiedene Behandlungswege vorgeschlagen werden. Nur zu einem sollte es nicht kommen: zu einer unnötig langen Therapieverzögerung. Denn: Brustkrebs im Frühstadium ist heilbar - diese Chance sollte genutzt werden.

Im Einzelnen sind folgende Entscheidungs- und Therapieschritte beim Mammakarzinom von Bedeutung:

Vom Verdacht zur Diagnose

Jede knotige Veränderung in der Brust einer Frau, die sich nicht innerhalb eines Menstruationszyklus zurück bildet, ist verdächtig. Jede Veränderung der Form und Größe einer Brust, jede Veränderung der Brusthaut und der Brustwarze bedarf der ärztlichen Untersuchung. Jede insbesondere einseitige Absonderung von Sekret aus der Brust muss Aufmerksamkeit erregen. Neben der Tastuntersuchung, der Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) und der Ultraschalluntersuchung kann in besonderen Fällen auch eine Kernspintomographie erforderlich sein. Zur Sicherung des Verdachts wird eine Gewebeprobe entnommen. Naturheilkundliche Diagnoseverfahren zum Ausschluss eines Mammakarzinoms haben sich als nicht aussagekräftig erwiesen.
Wenn die Untersuchungen nicht eindeutige Gutartigkeit ergeben, sollte die verdächtige Veränderung operativ entfernt werden.

Feingewebliche Untersuchung und Stadieneinteilung

In der feingeweblichen Untersuchung wird unterschieden zwischen einem Carcinoma in situ und einem invasiven Karzinom. 95 % aller In-Situ-Karzinome sind dem ductalen Typ zuzuordnen (DCIS), 5 % dem lobulären Typ (LCIS). Bei den invasiven Karzinomen werden verschiedene Unterformen differenziert, am häufigsten sind invasiv ductale Karzinome.

Die Stadieneinteilung des Mammakarzinoms erfolgt in der Regel nach dem TNM-Schema. Hierbei steht T für die Tumorgröße, N für den Lymphknotenbefall (Nodus), M für die Metastasierung.

TIS

In-Situ-Karzinom

T1

Tumor ≤ 2 cm

T1a

Tumor ≤ 0,5 cm

T1b

Tumor 0,5-1 cm

T1c

Tumor > 1-2 cm

T2

Tumor 2-5 cm

T3

Tumor > 5 cm

T4

Infiltration von Haut oder Brustwand (d. h. Rippen, Muskulatur zwischen den Rippen) oder inflammatorisches Karzinom

N0

Lymphknoten tumorfrei

N1

Verschiebliche gleichzeitige Lymphknoten in der Achselhöhle

N1a

Mikrometastasen < 0,2 cm

N1b

Jede Lymphknotenmetastase > 0,2 cm

N2

Untereinander oder mit anderen Strukturen fixierte Lymphknoten in der gleichseitigen Achselhöhle

N3

Lymphknotenbefall entlang einer hinter dem Brustbein verlaufenden, mittig gelegenen Arterie (Arteria mammaria interna)

 

Die Operation

Die moderne Brustoperation wird meist brusterhaltend durchgeführt. In wenigen Fällen (inflammatorisches Karzinom, d. h. die Brust sieht wie entzündet aus, multizentrisches Karzinom, d. h. mehrere Herde in einer Brust, sowie eine spezielle feingewebliche Untergruppe (ausgedehntes DCIS) muss die Brustdrüse komplett entfernt werden.

Da die Brustkrebszellen über die Lymphknoten in den Körper streuen können, werden die Lymphknoten der unteren und mittleren Ebene der Achselhöhle operativ entfernt. Die Diagnostik der Achsellymphknoten ist unverzichtbarer Bestandteil der Brustkrebsoperation, da das Ergebnis wesentliche Informationen für die weitere Therapie gibt. Umgekehrt entsteht aus dieser Operation das Risiko eines Lymphödem des Armes. Deshalb wurde die moderne Technik der Identifizierung und Operation des sog. Wächterlymphknotens (Sentinel-Node-Biopsy) entwickelt. Hierbei werden der erste oder die ersten ableitenden Lymphknoten über eine Markierungstechnik identifiziert und entfernt. Nur wenn er in der feingeweblichen Untersuchung befallen ist, erfolgt eine weitergehende operative Entfernung der anderen Lymphknoten der Achselhöhle.

War eine komplette Entfernung der Brust notwendig oder besteht eine deutliche Verkleinerung der Brust, so gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Frau, eine kosmetisch gute Lösung zu finden. Neben auf die Haut geklebten oder im BH getragenen äußeren Prothesen stehen verschiedene Verfahren des operativen Brustaufbaus zur Verfügung. Prinzipiell besteht die Auswahl zwischen körpereigenem Gewebe oder künstlichem Material. Der Brustaufbau kann direkt während der Brustkrebsoperation durchgeführt werden, aber auch später nach Bedenkzeit der Frau erfolgen.

 

Strahlentherapie

Die Bestrahlung der operierten Brust ist bei Frauen, die brusterhaltend operiert werden konnten, meistens notwendig, um das Risiko, dass in der gleichen Brust noch einmal ein Krebs entsteht, so weit wie möglich zu vermindern. Wir wissen, dass durch diese Nachbestrahlung das Risiko nicht mehr höher ist, als wenn die befallene Brust operativ entfernt worden wäre. Neue Studien zeigen auch nach einer kompletten Entfernung der Brustdrüse Überlebensvorteile für die Patientin, so dass in gemeinsamer Risikoabschätzung auch hier eine Empfehlung zur Bestrahlung erfolgen kann.

Durch die moderne computerunterstützte Strahlentherapieplanung hat die Nachbestrahlung des Mammakarzinoms kaum Nebenwirkungen. Meist sind eine vorübergehende Rötung des Bestrahlungsgebietes sowie eine Anschwellung und ein Wärmegefühl der Brust die einzige sichtbare Nachwirkung. Durch eine geschickte Anordnung der Strahlenfelder wird eine hohe Strahlendosis auf empfindliche Organe wie Lunge und Herz weitgehend vermieden, trotzdem kann es in seltenen Fällen im Anschluss an eine Bestrahlung zu einer strahlenbedingten Entzündung der Lunge kommen mit dem Symptom eines Reizhustens, sehr selten entwickelt sich hieraus eine anhaltende Gewebeveränderung in Form einer Strahlenfibrose.

Bei unklaren Beschwerden sollte eine Röntgenuntersuchung erfolgen und ggf. eine kurzzeitige Therapie mit einem Kortisonpräparat eingeleitet werden.

In bestimmten Fällen wird die Bestrahlung des Operationsgebietes ergänzt um eine Bestrahlung der Achselhöhle. Dies erniedrigt die Rezidivrate für die betroffene Patientin, erhöht aber das Risiko für die Ausbildung eines Armlymphödems.

Eine Strahlentherapie wird bei Mammakarzinom auch zur Behandlung von Metastasen im Knochen oder Gehirn eingesetzt. Hier kommen insbesondere Metastasen in den Knochen in Frage, wenn diese die Stabilität der Knochen gefährden oder Schmerzen verursachen.

 

Chemotherapie

Bei der Chemotherapie werden unterschieden die vor der Operation durchgeführte sog. neoadjuvante Chemotherapie, die nach einer Operation durchgeführte adjuvante Chemotherapie, die nach kompletter operativer Entfernung aller sichtbaren Tumorzellen die Rezidivhäufigkeit senken soll und einer palliativen Chemotherapie, die bei fortschreitender metastasierter Erkrankung eingesetzt wird.

Neoadjuvante Chemotherapie

Bei größeren Tumoren kann vor der Operation eine (neoadjuvante) Chemotherapie durchgeführt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, welche Mittel zum Einsatz kommen. Dadurch lässt sich der Tumor oft so verkleinern, dass anschließend eine brusterhaltende Operation möglich ist. Ein weiteres Ziel ist, ohne Zeitverlust auch Tumorzellen zu zerstören, die schon aus dem primären Knoten in den Körper gewandert sind, um die Bildung von Metastasen zu verhindern.   
Auch der Einsatz von antihormonellen Medikamenten bei älteren Patientinnen und von Herceptin® zusammen mit einer Chemotherapie ist neoadjuvant möglich.

 

Adjuvante Chemotherapie

Nach Abschluss der Operation wird an der feingeweblichen Untersuchung und den anderen Befunden das Erkrankungsstadium festgelegt. Darüber hinaus wird der Rezeptorstatus - die Ausbildung von Hormonrezeptoren auf der Tumoroberfläche - bestimmt.

Je nach Stadium wird man der Pat. eine Nachbehandlung empfehlen. Hierdurch wird das Risiko eines Rezidivs oder eines zweiten Tumors auf der anderen Seite gesenkt. Für Europa legt eine Expertenkommission in St. Gallen alle 2 Jahre fest, welche Therapiealternativen in den verschiedenen Krankheitsstadien aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll sind. Umgesetzt wird dies jeweils in den Nationalen Leitlinien. Aus diesen Alternativen die richtige auszuwählen, muss mit der Patientin ausführlich besprochen werden und stellt immer eine individuelle Entscheidung dar. Grundsätzlich besteht die Therapie in antihormonellen Medikamenten oder einer Chemotherapie. Auf jedem dieser Wege stehen unterschiedliche Arzneimittel zur Verfügung.

Zu den antihormonellen Medikamenten zählen

1.      GHRH-Analoga (Medikamente, die einem Steuerungshormon des Hormonkreislaufs ähnlich sind und bei Patientinnen vor der Menopause eingesetzt werden, um die körpereigene Aktivierung der Hormonbildung zu unterdrücken).

2.      Tamoxifen und Fulvestrant als Östrogenrezeptorblocker

3.      sog. Aromatasehemmer, die die Bildung von Östrogenen hemmen

In der Chemotherapie des Mammakarzinoms können mittlerweile eine Reihe von Substanzen eingesetzt werden. In der adjuvanten Therapie besonders verbreitet sind: Epirubicin bzw. Doxorubicin, Cyclophosphamid und Taxane.

Jungen Frauen mit hohem Rezidivrisiko wird oft eine Kombination aus Chemotherapie und Hormontherapie in der adjuvanten Situation empfohlen. Im Falle einer gleichzeitig notwendigen Strahlentherapie ist die Reihenfolge mit der Patientin zu besprechen, in der Regel erfolgt zunächst eine Chemotherapie, dann die komplette Strahlentherapie. Die antihormonelle Therapie kann mit der Strahlentherapie oder erst nach ihrem Abschluss begonnen werden.

 

Palliative Therapie

Bei fortschreitender metastasierter Tumorerkrankung eines Mammakarzinoms kommen neben symptomorientierten Therapien wie der Strahlentherapie der Einsatz einer antihormonellen Therapie oder einer Chemotherapie in Frage. Bei der Präferenz ist zu entscheiden, welche Metastasierung bei der Patientin vorliegt, und ob es sich um ein rasch fortschreitendes Geschehen oder ein langsames Tumorwachstum handelt. Im Falle eines langsamen Tumorwachstums und insbesondere bei der älteren Patientin wird man zunächst versuchen, mit einer antihormonellen Therapie aufgrund der besseren Verträglichkeit einen Tumorstillstand und eine Rückbildung der Symptome zu erreichen. Hierbei kann auch nacheinander eine Abfolge der verschiedenen antihormonellen Mittel gewählt werden.
Kommt es zu einem weiteren Fortschreiten nach Ausreizung aller Möglichkeiten der antihormonellen Therapie oder liegt ein primär rasches Tumorwachstum bei einer jüngeren Patientin vor, so wird man sich zunächst für eine Chemotherapie entscheiden. Auch die Abfolge eines Versuchs, das Tumorwachstum zu bremsen mittels einer Chemotherapie und anschließender antihormoneller Therapie zur Stabilisierung kann gewählt werden. 

Sowohl in der palliativen antihormonellen Therapie als auch in der palliativen Chemotherapie stehen die oben genannten Medikamente zur Verfügung. In der palliativen Chemotherapie kommen mittlerweile eine große Zahl von Einzelmedikamenten und Kombinationstherapien zum Einsatz, die auf die individuelle Situation der Patientin zugeschnitten werden können. Hierdurch ist es möglich, auch trotz eines fortschreitenden Tumorleidens über lange Zeit - und dies bedeutet auch über Jahre - ein Leben mit dem Tumor in guter Lebensqualität zu erreichen.

Her-2-neu, Herceptin und Lapatinib

Ca. 10% aller Brustkrebspatientinnen weisen einen Tumor auf, auf dessen Oberfläche Wachstumsrezeptoren ausgebildet sind (sog. Her-2-neu-Rezeptoren). Gegen diese Rezeptoren wurde ein Antikörper mit dem Handelsnamen Herceptin® entwickelt.        
Eine weitere Möglichkeit ist ein Medikament, das in Deutschland in Kürze zugelassen wird: Lapatinib® hemmt die Stoffwechselwege in der Tumorzelle, die über den Her-2-neu-Rezeptor aktiviert werden.          
Herceptin® wird adjuvant nach Abschluss der Chemotherapie für ein Jahr gegeben. Bei Patientinnen mit Metastasen wird Herceptin® zusammen mit der Chemotherapie kombiniert, da sich beide in ihrer Wirkung ergänzen.      
Herceptin® kann den Herzmuskel schädigen und sollte deshalb nicht mit den Anthracyclinen (Chemotherapiemittel, die dies ebenfalls tun) gleichzeitig gegeben werden. Unter Herceptin® sollte alle drei Monate mit Ultraschall die Pumpkraft des Herzens überprüft werden. Stellt sich eine beginnende Schwäche dar, so muss das Medikament abgesetzt werden, dann kommt es zu einer vollständigen Erholung.        
Ob Lapatinib® die gleichen Probleme hervorruft, ist noch nicht genau bekannt. Auf jeden Fall ist auch hier Vorsicht geboten. Lapatinib® kommt zunächst bei Patientinnen mit Metastasen zum Einsatz, die unter Herceptin® weiter wachsen, also resistent werden.     
Lapatinib® eignet sich auch für die Therapie von Hirnmetastasen, da das Molekül so klein ist, dass es durch die sog. Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn gelangt. Auch Lapatinib® wird mit einem Chemotherapiemittel kombiniert.

Nachsorge

Früher wurden Patientinnen mit Mammakarzinom aufwendige Nachsorgeprogramme mit genau festgelegten Untersuchungsprogrammen empfohlen. Die momentane Darstellung in den Leitlinien ist, dass die regelmäßige Selbstuntersuchung und die klinische Untersuchung durch den betreuenden Arzt anfangs in dreimonatigen, dann in sechsmonatigen, später in einjährigen Abständen ausreichend sind. Labor und apparative Diagnostik werden nur symptomabhängig eingesetzt. Dieser Standpunkt ist jedoch umstritten, da mittlerweile effektive Therapien zur Verfügung stehen, die bei frühzeitiger Erkennung von Metastasierung wesentliche Vorteile im frühen Einsatz bringen könnten.

Angebot für Patientinnen mit Brustkrebs in der Abteilung Onkologie der Habichtswald-Klinik Kassel

Patientinnen mit Mammakarzinom können vor der Operation zur Einholung einer zweiten Meinung (second opinion) zu uns kommen, sie können nach der Operation zu einer Anschlussheilbehandlung, aber auch zu einer notwendigen Chemotherapie aufgenommen werden.

In ausgewählten Fällen ist es auch möglich, in Kooperation während eines stationären Aufenthaltes bei uns eine Strahlentherapie durchzuführen.

Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation

Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.

Patientinnen, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.

Im Rahmen der Behandlung einer Patientin mit einem Mammakarzinom gibt es keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.

Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.

Ganzheitliche Medizin bedeutet für die Krebspatientin die Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und seelischen Aspekte.

Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die die Förderung der Gesundung (Salutogenese).

Wenn einer Patientin mit einem Mammakarzinom nun nach einer Operation zu einer Hormon- oder gar Chemotherapie geraten wird, so stellt sich - was gut zu verstehen ist - als erstes die Frage: Muss das sein, oder gibt es Alternativen? Wir erläutern unseren Patienten (falls dies nicht bereits durch die Sie bisher behandelnden Ärzte geschehen ist), auf welchen Überlegungen die Empfehlung zur adjuvanten, also ergänzenden Therapie beruht, welchen Nutzen Sie daraus ziehen können und welche Probleme damit verbunden sind.

Wir haben es uns zum Prinzip gemacht, die Situationen mit unseren Patientinnen sehr ausführlich zu erörtern und dabei zu erfragen, welche Ziele die betroffene Frau mit einer Therapie selbst verbinden würde, welche Nebenwirkungen sie keineswegs in Kauf zu nehmen bereit wäre, wie sie sich und ihre Situation selbst einschätzt und unter welchen Bedingungen eine z. B. hier begonnene Therapie zu Hause weitergeführt werden könnte.

Falls die Patienten sich nach ausführlicher Beratung gegen eine Chemo- oder auch Hormontherapie entscheiden sollten, werden wir Sie auch auf diesem Wege begleiten.

Trotz der wesentlich besseren Operationstechniken sind Störungen des Körpergefühls, der Sexualität und des Frau-Seins immer noch sehr häufig und werden bei uns in einem ganzheitlichen Konzept behandelt, das die Patientin in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstverständnis als Frau ernst nimmt. Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Die gezielte psychoonkologische Betreuung der Patientinnen besteht neben einer Gruppentherapie in Einzeltherapien, dies ermöglicht ein gezieltes Eingehen auf die persönliche familiäre Situation der Patientinnen. Soweit möglich und von der Patientin gewünscht, beziehen wir auch Partner und weitere Familienangehörige in die aufklärenden Gespräche und die psychoonkologische Betreuung ein.

Es gelingt so sogar für Patientinnen in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.

Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden

wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.

Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass frühzeitige gute Krankengymnastik, Lymphdrainage und Narbenbehandlung, wie wir sie in der Habichtswald-Klinik Kassel anbieten, die Operationsfolgen weiter deutlich mindern kann.

Früher wurden Patientinnen mit Brustkrebs mit sehr weitgehenden Einschränkungen ihres persönlichen Lebens konfrontiert. Moderne Operationstechniken führen zu einer deutlich geringeren Häufigkeit und Ausmaß der Ausbildung eines Lymphödems, so dass die Belastbarkeit des Armes bei körperlichen Betätigungen, aber auch gegenüber moderater Wärme besser ist. Liegt kein Lymphödem vor, so nehmen unsere Patientinnen am normalen Sportprogramm teil, probieren Nordic Walking oder Saunagänge aus. Wir beraten Patientinnen umfassend zu allen Fragen in diesem Zusammenhang und geben Empfehlungen für zuhause.

Ist es trotz allem zu einem Lymphödem gekommen, so werden gezielt Lymphdrainagen und Bandagierungen durchgeführt und wo erforderlich erfolgt die Anpassung eines Kompressionsstrumpfes.

In der Krankengymnastik stehen spezielle Übungen zur Förderung der Beweglichkeit im Schulter-Arm-Bereich im Vordergrund. Außerdem erlernen die Patientinnen in unserem Haus, wie sie in der Eigengymnastik entstauende Übungen durchführen können, um Lymphstauungen im betroffenen Arm zu vermeiden. In einem Schulungsprogramm erlernen die Patientinnen ein situationsgerechtes Verhalten und das Vermeiden von Risikosituationen, die zur Ausbildung oder Förderung eines Lymphödems führen können.

Neben der Krankengymnastik fördert auch die Ergotherapie die Beweglichkeit im Armbereich. Ergotherapeutische Verfahren kommen auch zum Einsatz, wenn im Rahmen der Chemotherapie Empfindungsstörungen im Bereich der Hände (Polyneuropathie) entstanden sind.

Ist nach der Operation die Statik im Wirbelsäulenbereich gestört durch die veränderten Gewichtsverhältnisse, aber auch durch die immer wieder notwendigen Lagerungen z. B. während der Strahlentherapie, so erlernen die Patientinnen in gezielter Wirbelsäulengymnastik wieder rückengerechte Bewegungen. Zur Lockerung verspannter Muskelgruppen wird eine gezielte Massagetechnik (Marnitzmassage) eingesetzt.

Sollte es in Einzelfällen zu stärkeren Hautreaktionen unter der Bestrahlung gekommen sein, sind unsere Patienten in den Händen versierter Pflegekräfte, die gezielte Hauptflegemittel mit Unterstützung durch naturheilkundliche Maßnahmen einsetzen und auch eine gezielte Narbenbehandlung einleiten.

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden, Dabei muss die Krankheitsgeschichte der Patientin berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.

 

Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patientinnen die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.

Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.

Patientinnen, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Sichtweise

von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen.

 

Stand 26.08.08

 





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