Zervixkarzinom

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Zervixkarzinom

Habichtswald-Klinik Kassel

 

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

Das Zervixkarzinom ist der zweithäufigste Tumor der Geschlechtsorgane der Frau. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 35 und 50, ein Viertel der erkrankten Frauen sind jedoch jünger als 25. Die Vorstufen dieses Tumors sind etwa 100 x häufiger, was die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchung beim Zervixkarzinom betont.

Ursachen

Heute weiß man, dass Virusinfektionen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des Zervixkarzinoms spielen. Untersuchungen haben gezeigt, dass in über 90 % aller Zervixkarzinome sog. HPV-Viren (humane Papilloma-Viren) gefunden werden, die als ursächlich für das Zervixkarzinom angesehen werden. Da eine Infektion mit HPV-Viren über Sexualkontakte erfolgt, erklärt sich, dass Frauen mit frühem erstem Geschlechtsverkehr (besondere Empfindlichkeit des Gebärmutterhalses bei Infektionen) und wechselnden Sexualpartnern ein erhöhtes Risiko tragen, sich mit HPV zu infizieren. Die Infektion bleibt meist unbemerkt und heilt in den allermeisten Fällen innerhalb eines halben Jahres aus. Bei anhaltender Infektion kann es zu Veränderungen der Oberfläche der Gebärmutterhalsschleimhaut kommen, die in den Frühphasen als sog. cervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN) bezeichnet werden. Aus diesen kann sich ein Oberflächenkarzinom der Zervix und dann ein invasiv wachsendes Karzinom entwickeln.

Auch Zigarettenrauchen wurde als Risikofaktor identifiziert und führt vermutlich durch die Ausscheidung von krebserzeugenden Substanzen im Schleim des Gebärmutterhalses zu einem erhöhten Risiko, an einem Zervixkarzinom zu erkranken.

Vorbeugung und Früherkennung

Bei keiner anderen Krebsart haben Vorsorgemaßnahmen einen so hohen Stellenwert wie beim Zervixkarzinom. Da wir um die enorme Bedeutung der Infektion mit HPV bei der Entstehung des Zervixkarzinom wissen, kommt der Vermeidung einer wiederholten oder besonders gefährlichen Infektion eine große Bedeutung zu. Aus oben Angesprochenem kann man für die Vorbeugung ableiten:

·       Da die Infektion über Sexualkontakte erfolgt, ist ungeschützter Geschlechtsverkehr risikoreich. Die Benutzung von Kondomen kann der Infektion mit HPV vorbeugen.

·       In den letzten Jahren wurde ein Impfstoff entwickelt, der vor den häufigsten für eine Krebsauslösung verantwortlichen Viren schützt. Derzeit wird diese Impfung jungen Mädchen und Frauen vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen. Da der Impfstoff erst seit wenigen Jahren erprobt wird, ist noch nicht klar, ob der Schutz lebenslang anhält. Unbekannt ist auch, ob eine Impfung nach Erkrankung und erfolgreicher Behandlung oder nach der erfolgreichen Therapie von Krebsvorstufen sinnvoll ist.

·       Die Erreger der HPV-Infektion finden sich vermehrt im Vorhauttalg beim Mann. Beschnittene Männer stellen ein wesentlich kleineres Infektionsrisiko für die Frau dar. Unbeschnittene Männer sollten deshalb besondere Sorgfalt bei der Genitalhygiene walten lassen.

·       Sehr junge Frauen haben ein besonderes Risiko, eine lang dauernde und damit gefährliche HPV-Infektion zu erwerben, besonders, wenn der Partner schon mehrere Sexualkontakte hatte. Schutz können auch hier Kondome bieten.

·       Häufig wechselnde Sexualpartner bergen das Risiko, wiederholte HPV-Infektionen oder Infektionen mit mehreren Virusarten gleichzeitig zu erwerben, was als besonders gefährlich gilt. Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern sollten auch bei Empfängnisverhütung mit der Pille auf den Infektionsschutz eines Kondoms nicht verzichten.   

·       Frauen, die Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinträchtigen, haben ein erhöhtes Risiko, eine dauerhafte HPV-Infektion zu erwerben.   
Mittlerweile wurde zur Prävention ein Impfstoff zugelassen. Er schützt junge Frauen vor der Infektion mit den am häufigsten für die Entstehung eines Karzinoms verantwortlichen HPV-Viren. Ist eine Krebserkrankung aufgetreten, so hilft die Impfung nicht mehr.

Zur Früherkennung des Zervixkarzinoms dient in Deutschland derzeit die für alle Frauen ab 20 Jahren empfohlene gynäkologische Untersuchung mit Entnahme eines Abstrichs aus dem Gebärmutterhalskanal sowie die Betrachtung des unteren Abschnittes des Gebärmutterhalses, der Portio, mit Lupenvergrößerung. Durch die Betrachtung mit Lupenvergrößerung können Unregelmäßigkeiten der Oberfläche erkannt werden, der Abstrich wird gefärbt unter dem Mikroskop betrachtet und auf Veränderungen hin untersucht. Die Zellen werden dabei in einer Klassifikation erfasst, die nach dem Gynäkologen Papanicolaou in Pap I bis Pap V einteilt, wobei Pap I völlig normale Zellen beschreibt und man unter Pap V bereits ein Karzinom versteht. Abstriche der Klassifikation Pap III sind kontrollbedürftig, bilden sich aber meist spontan zurück. Erst bei länger bestehendem Pap IIId und dann ab Pap IVa wird eine Gewebeprobe zur weiteren Abklärung erforderlich.

Eine deutlich höhere Diagnosesicherheit bietet die Untersuchung des Abstriches auf HPV-Infektion, die aber noch nicht routinemäßig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung von den Kostenträgern übernommen wird.

Frühsymptome, die auf ein Zervixkarzinom hinweisen, gibt es nicht. Manchmal treten Blutungen auf, meist aber erst in fortgeschrittenen Stadien. Schmerzen zeigen in der Regel ein Übergreifen des Zervixkarzinoms auf andere Organe an, manchmal sind Nierenprobleme durch die Beeinträchtigung des Harnabflusses durch ein fortgeschrittenes Zervixkarzinom die ersten Beschwerden.

Feingewebliche Untersuchung und Stadieneinteilung

In der feingeweblichen Untersuchung stellen sich die meisten Zervixkarzinome als sog. Plattenepithelkarzinome dar, selten sind Adenokarzinome oder andere Tumorformen.

Die Stadieneinteilung, die entscheidend für die Therapieplanung ist, erfolgt nach zwei Systemen. Im TNM-System steht T für Tumorausdehnung, N für Lymphknotenbefall (Nodus) und M für Metastasierung. Sehr gebräuchlich ist die FIGO-Einteilung:

 

Stadium 0

Carcinoma in situ (intraepitheliales Karzinom)

Stadium I

Zervixkarzinom, auf die Zervix begrenzt (mehrere Unterstadien)

Stadium II

Zervixkarzinom mit lokaler Infiltration des Uterus

Stadium IIa

Tumorausdehnung auf die oberen zwei Drittel der Vagina beschränkt

Stadium IIb

Infiltration in das den Uterus umgebende Bindegewebe, jedoch nicht bis zur Beckenwand reichend

Stadium III

Zervixkarzinom mit Ausbreitung zur unteren Vagina oder Beckenwand oder Harnleiter

Stadium IV

Infiltration von Harnblase oder Rektum bzw. Fernmetastasierung

 

Im Falle einer fortschreitenden Erkrankung oder wenn Metastasen auftreten, muss die Therapie individuell geplant werden. In Frage kommen bei lokalem Rezidiv eine erneute Radio-Chemotherapie, deren Wirkung durch eine Hyperthermie gesteigert werden kann. Ist eine allein lokale Behandlung nicht sinnvoll, so stehen verschiedene Möglichkeiten der Chemotherapie offen.

 

Die Behandlung des Zervixkarzinoms

Bei den Vor- und Frühstadien des Zervixkarzinoms ist die diagnostische Maßnahme gleichzeitig die Therapie: Bei der Konisation wird ein Gewebezylinder aus dem Gebärmutterhals ausgeschnitten und mikroskopisch untersucht. Dieses Ausschneiden kann mit einem Messer oder mit dem Laser erfolgen; beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Andere Verfahren wie die Kryotherapie, Elektrokoagulation oder Laservaporisation zerstören das entfernte Gewebe, so dass im Nachhinein keine mikroskopische Untersuchung mehr stattfinden kann und sind deshalb nur in Ausnahmefällen geeignet. Nach einer Konisation kann die betroffene Frau noch Kinder bekommen.

In weiter fortgeschrittenen Stadien und wenn Veränderungen der Gebärmutter hinzukommen, wird man die Gebärmutter entfernen. In den Stadien Ia-IIb ist eine Bestrahlung einer Operation gleichwertig, sie besteht aus einer externen Bestrahlung und einer internen sog. intracavitären Kontaktbestrahlung. Bei jungen Frauen, die noch Kinder bekommen wollen, wird man diesen Schritt sehr genau überlegen. In solchen Situationen ist eine einfühlsame Beratung notwendig, psychotherapeutische Unterstützung kann erforderlich sein.

In einigen Fällen wird der Patientin auch erst die ganze Tragweite ihrer Entscheidung nach der Operation deutlich, so dass dann eine intensive Begleitung z. B. im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung sinnvoll ist.

Wenn sich das Zervixkarzinom auf angrenzende Organe ausgedehnt hat oder Lymphknoten befallen sind, kommt mehr und mehr statt der Operation eine Bestrahlung in Kombination mit Chemotherapie in Frage. Diese Behandlung kann dann genauso wie eine Operation heilend sein. Man bestrahlt dabei kombiniert, d.h. sowohl von außen durch die Bauchdecke als auch von innen mit über einen Katheter in die Scheide eingebrachte radioaktive Substanzen.

Das gleichzeitig gegebene Chemotherapiemittel Cisplatin erhöht die Empfindlichkeit des Tumorgewebes für die Bestrahlung („Radiosensitizer“) und verbessert so nachweislich den Behandlungserfolg. Da diese Therapie wegen der notwendigen Begleitinfusionen aufwändig und die Bestrahlung psychisch belastend ist, kann es sinnvoll sein, diese Behandlung unter stationären Bedingungen und psychotherapeutischer Begleitung durchzuführen.

 

Nachsorge

Die regelmäßige Nachsorge erfolgt in der Regel beim Frauenarzt. Sie besteht aus der Anamnese und der gynäkologischen Untersuchung.

Angebot der Habichtswald-Klinik Kassel für Patientinnen nach Operation eines Zervixkarzinoms

Patientinnen mit Zervixkarzinom können in jedem Stadium der Diagnose oder Therapie zur Einholung einer zweiten Meinung (second opinion) zu einem kurzen Aufenthalt zu uns kommen, sie können nach der Operation zu einer Anschlussheilbehandlung, aber auch zu einer notwendigen Chemotherapie aufgenommen werden.

In ausgewählten Fällen ist es auch möglich, in Kooperation während eines stationären Aufenthaltes bei uns eine Strahlentherapie durchzuführen.

 

Rehabilitation in der Habichtswald-Klinik Kassel

Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von Körper, Geist und Seele bei.

Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie, die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.

Im Rahmen der Behandlung einer Patientin mit einer Krebserkrankung gibt es keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.

Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.

Ganzheitliche Medizin bedeutet für die Krebspatientin die Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und seelischen Aspekte.

Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die die Förderung der Gesundung (Salutogenese).

Nach einer Operation können Patientinnen in unseren Abteilungen früh aufgenommen werden. Wenn noch erforderlich, so erfolgt die pflegerische Betreuung und Wundversorgung.

Eine alleinige Konisation führt in der Regel zu keinen anhaltenden körperlichen Beschwerden.

Trotzdem sollte das Trauma einer Unterleibsoperation und die Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs auch bei Patientinnen mit exzellenter Prognose nicht unterschätzt werden. Neben der direkten ärztlichen und pflegerischen Betreuung legen alle unsere Mitarbeiter deshalb besonderen Wert auf die psychologische, wertschätzende Begleitung der Patientin.

Eine ausgedehntere Operation oder Bestrahlung kann zu erheblichen Einschränkungen führen. Bei einigen Frauen besteht das Trauma des Verlustes der Fruchtbarkeit, hormonelle Umstellungen führen zu Folgeerscheinungen und der Geschlechtsverkehr kann Schmerz bereiten.

Wir betreuen die Patientinnen intensiv ärztlich und psychologisch, gehen einfühlsam auf Symptom und Ängste ein.

Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene Psychotherapeuten begleiten unsere Patientinnen in Gruppentherapien und Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu bearbeiten.

Es gelingt so sogar für Patientinnen in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt werden.

Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden

wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu erreichen.

Einige Patientinnen klagen nach der Operation über eine Blasenschwäche, diese ist durch eine Schwächung des Beckenbodens, aber auch durch Hormonmangelerscheinungen zu erklären. Neben lokalen die Schleimhaut pflegenden Maßnahmen, ggf. Behandlung von Blasen- und Schleimhautentzündungen, steht im Vordergrund die gezielte Beckenbodengymnastik, evtl. unterstützt durch Elektrostimulationstechniken.

Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden, Dabei muss die Krankheitsgeschichte der Patientin berücksichtigt werden. Deshalb bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost (ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische Ernährung kennen lernen.

Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patientinnen die Frage nach dem Sinn auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.

Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.

Patientinnen, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient aufgeklärt.

Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen.

 

 

Stand 26.08.08





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