Interferontherapie

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Druckversion vom 09.02.2009
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Interferontherapie bei Krebserkrankungen

Habichtswald-Klinik Kassel

 

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

Interferone gehören zu den sog. Zytokinen, dies sind Botenstoffe im Entzündungsstoffwechsel. Zytokine werden hauptsächlich von den Immunzellen des Blutes gebildet. Es sind hoch wirksame Substanzen, die bereits in geringsten Konzentrationen wirken. Wir unterscheiden Interferon-alpha, -beta und -gamma.

Interferon-alpha wird in den Blutlymphozyten gebildet. Interferon-alpha wird bei der Therapie verschiedener Krebserkrankungen eingesetzt. Hierzu gehören die Haarzellleukämie, das multiple Myelom (Plasmozytom), das kutane T-Zelllymphom, die chronische myeloische Leukämie, follikuläre Lymphome, Karzinoide, Karposi-Sarkome, Nierenzellkarzinome und maligne Melanome (schwarzer Hautkrebs). Bei einigen dieser Erkrankungen liegen mittlerweile neu entwickelte, z. T. wesentlich wirksamere Medikamente vor, sodass Interferon nicht mehr so häufig zum Einsatz kommt wie noch vor wenigen Jahren.

Eine Therapie mit Interferon-alpha sollte nur unter enger Kontrolle durch einen hiermit erfahrenen Arzt erfolgen.

Unter Interferon kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen. Relativ häufig sind grippeartige Symptome mit Schwäche, leichtem Temperaturanstieg, Muskel- und Gliederschmerzen. Die Ausprägung der Nebenwirkungen ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

Nebenwirkungen und ihre Therapie

1. Grippeähnliche Symptome

Bei den meisten Patienten nehmen die grippeähnlichen Symptome innerhalb von 1-2 Wochen ab. Bei niedriger Dosis (z. B. 3 x wöchentlich 2-3 Mio. Einheiten) sind sie langfristig nur bei weniger als 10 % der Patienten vorhanden. Wir empfehlen den Patienten, Interferon abends vor dem Schlafengehen zu spritzen und evtl. bei Beschwerden das Grippemittel Paracetamol einzunehmen.

 

2. Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich

Zu den Nebenwirkungen gehören Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Oberbauchbeschwerden. Übelkeit kann mit Metoclopramid behandelt werden, bei Verdauungsstörungen kann ein pflanzliches Mischpräparat zur Verdauungsförderung wie z. B. Iberogast® eingesetzt werden. Bei Magenbeschwerden sollte eine Magenspiegelung durchgeführt werden und ggf. ein Mittel zur Säurehemmung eingenommen werden.

Bei allgemeinen Bauchbeschwerden hat sich auch das Trinken von Ingwerwasser bewährt.

Bei Durchfällen kann ein Versuch mit geriebenem Apfel oder Heilerde unternommen werden. In ausgeprägteren Fällen ist das Medikament Loperamid hilfreich.

Bei einigen Patienten kommt es zu einem Anstieg der Leberwerte. Dann muss mit dem Arzt abgesprochen werden, ob eine Therapieunterbrechung erforderlich ist.

 

3. Nebenwirkungen an der Haut

An der Haut kann es zu Juckreiz, trockener Haut und Schleimhaut, zu lokalen Nebenwirkungen an der Injektionsstelle mit Rötung und Verhärtung kommen. Einige Patienten klagen über vermehrten Haarausfall.

Trockene Haut wird mit rückfettenden Salben behandelt. Bei trockenen Schleimhäuten empfiehlt sich für den Mund der Einsatz von künstlichem Speichel, für die Augen entsprechende Augentropfen und für die Scheide Vitamin-E-Öl oder in Ausnahmefällen eine östrogenhaltige Salbe.

Der Juckreiz der Haut wird zunächst auch mit rückfettenden Salben, ggf. aber auch mit speziellen Hautmitteln wie Unguentum emulsificans aquosum, Polidocanol Gel oder Salbe behandelt. Kurzfristig können auch cortisonhaltige Salben eingesetzt werden.

 

4. Stoffwechselveränderungen

Die Interferontherapie kann zu einer Veränderung des Schilddrüsenstoffwechsels führen. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenwerte während einer Interferontherapie erforderlich. Gegebenenfalls ist eine entsprechende Therapie mit Medikamenten notwendig.

Unter Interferontherapie kann es zu einem Anstieg der Triglyceridwerte kommen. Bei Diabetikern können sich Veränderungen in der Stoffwechseleinstellung ergeben. Auch hier muss die Therapie mit dem Arzt besprochen werden.

 

5. Psychische Veränderungen

Einige Patienten klagen über zunehmende Müdigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zu  einer Depression oder auch Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Auch Schlafstörungen werden angegeben.

Bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen ist ein Johanniskrautpräparat hilfreich (Johanniskraut hat zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, seine Einnahme sollte immer mit dem Arzt abgestimmt werden). Gegebenenfalls ist der Einsatz von Psychopharmaka sinnvoll.

Bei leichten Schlafstörungen empfiehlt sich zunächst der Versuch mit einem ausreichend hoch dosierten Baldrianpräparat, auch Lavendelfußbäder abends oder heiße Milch mit Honig sind bewährte Hausmittel. Die regelmäßige Einnahme von stärkeren Schlafmitteln sollte vermieden werden. Weniger Abhängigkeit entsteht möglicherweise bei den Substanzen Zolpidem und Zopiclon.

 

6. Weitere Nebenwirkungen

Bei einem Anstieg der Nierenwerte ist unbedingt die Rücksprache und Abklärung mit dem Arzt erforderlich.

Einige Patienten klagen über niedrigen Blutdruck, sehr selten sind Angina pectoris-Anfälle und Herzrhythmusstörungen. Auch hier erfolgt die Therapie in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Gleiches gilt für die ebenfalls sehr seltenen Nebenwirkungen an der Lunge, die sich oft durch Husten zu erkennen geben. Sie machen in der Regel einen Abbruch der Interferon-Therapie erforderlich.

Zur Überwachung während einer Interferontherapie gehört die regelmäßige Kontrolle des Blutbildes. Bei einem stärkeren Abfall der weißen und roten Blutkörperchen oder der Blutplättchen muss überlegt werden, ob die Interferondosis verändert wird.

Bei Kontrollen durch den Augenarzt werden relativ häufig Veränderungen im Augenhintergrund gesehen, meistens sind sie gering ausgeprägt. Wenn es zu einer Veränderung der Sehfähigkeit kommt, kann es erforderlich werden, die Interferontherapie abzusetzen.

 

7. Durchführung der Therapie

Interferon liegt in verschiedenen Zubereitungen vor. Es muss gespritzt werden und wird meist als sog. subkutane Injektion ähnlich z. B. der Insulinspritze bei Diabetikern oder Thrombosespritzen gegeben. Die meisten Patienten lernen es, sich die Spritzen selbst zu geben. Interferon wird meistens 2 oder 3 x wöchentlich gespritzt. Wir unterscheiden bei den Dosierungen eine niedrige bis mittlere Dosierung (bis zu 3 x 3-5 Mio. Einheiten wöchentlich) von einer hochdosierten Form.

Die niedrig bis mittel dosierte Form ist für viele Patienten eine gut verträgliche Therapieform trotz der oben dargestellten möglichen Nebenwirkungen.

Eine neuere Form des Interferons stellt das sog. pegylierte Interferon dar. Hierbei handelt es sich um eine besonders chemisch gebundene Form, die zu einer verzögerten Freisetzung führt. Dies bedeutet, dass seltener gespritzt werden muss und gleichzeitig die Verträglichkeit in vielen Fällen besser ist.

 

Stand 22.06.07




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