Prostasol

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Druckversion vom 09.02.2009
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Prostasol®: Natürliche Therapie bei Prostata-Karzinom?

Habichtswald-Klinik Kassel

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

In den vergangenen Jahren wurde vor allen Dingen von den USA ausgehend das pflanzliche Heilmittel PC-SPES für Patienten mit Prostata-Karzinom vermarktet.

PC-SPES ist ein Gemisch aus 8 Pflanzen (7 sind traditionelle chinesische Heilmittel, der Sägepalmenextrakt entstammt der europäischen traditionellen Heilkunde).

Da in verschiedenen Lieferungen von PC-SPES andere Medikamentenbeimengungen nachgewiesen wurden, ist PC-SPES vom Markt genommen worden. In den letzten Jahren ist Prostasol® - eine ähnliche Pflanzenmischung- über das Internet erhältlich.

Die enthaltenen Wirkstoffe sind teilweise aufgeschlüsselt worden und es konnten unterschiedliche Wirkmechanismen nachgewiesen werden. Hierzu gehört unter anderem eine starke phytoöstrogene Wirkung (ein das menschliche Östrogen nachahmender Effekt).

In klinischen Untersuchungen wurde gezeigt, dass sowohl hormonabhängige als auch hormonunabhängige Tumore ansprechen können. Leider genügt der Wirksamkeitsnachweis bisher nicht den wissenschaftlichen Anforderungen.

Sowohl im Experiment im Reagenzglas als auch im Tierexperiment mit Prostata-Karzinom-tragenden Mäusen wurde diese Wirkung bei hormonempfindlichen wie -unempfindlichen Tumoren bestätigt.

Die bisher vorliegenden Veröffentlichungen über die Anwendung am Menschen sind schwierig zu beurteilen, da eine Vergleichsgruppe ohne Therapie fehlt. Außerdem wurde bei den publizierten Untersuchungen nur der Verlauf des PSA-Wertes beschrieben, es fehlen Verlaufswerte, die direkt das Tumorwachstum messen.

Der PSA-Wert als Verlaufswert kann als wissenschaftlich akzeptiert angesehen werden, so dass die zum Teil beschriebenen deutlichen Abnahmen des PSA-Wertes als Indikator zu bewerten sind, dass auch gewünschte positive Effekte auf den Tumor erreicht worden sind. Eindeutig ist auch die von den Patienten angegebene Verbesserung der Lebensqualität.

Patienten beschreiben zudem eine schmerzstillende Wirkung, die möglicherweise auf die antientzündlichen Inhaltsstoffe zurückzuführen ist.

Die Nebenwirkungen von Prostasol® ähneln einer antiandrogenen Therapie durch die östrogenartige Wirkung: Vergrößerung der männlichen Brustdrüse mit Berührungs-empfindlichkeit, verminderte Libido, Hitzewallungen und erektile Dysfunktion. Auch Waden-krämpfe, Übelkeit und Diarrhö werden beschrieben. Sie sind oft aber geringer ausgeprägt.

Problematisch ist, dass über seit 1996 das Medikament unterschiedliche Beimischungen von chemisch wirksamen Substanzen enthielt. Hierzu gehören das Östrogenderivat Diethylstilbestrol, das Schmerzmittel Indomethazin sowie der Gerinnungshemmer Warfarin. Aus diesem Grund ist PC-SPES zuletzt vom Markt genommen worden. Mittlerweile ist ein vergleichbares Präparat wieder über das Internet erhältlich.

Interessant sind jedoch die Forschungen zu einzelnen Pflanzen in der Mischung, insbesondere der Inhaltsstoffe der Sägezahnpalme, der Pflanze Scutellaria baicalensis sowie des chinesischen Pilzes Ganuderma luzidum.

Für diese Substanzen wurden neben dem phytoöstrogenen Wirkmechanismus, der am ehesten auf den ebenfalls enthaltenen Süßholzwurzelextrakt zurückzuführen ist, auch das Zellwachstum hemmende Mechanismen nachgewiesen, die in der Lage sind zumindest im Reagenzglas bzw. im Tierexperiment das Wachstum von Tumorzellen zu inhibieren.

Prostasol® ist keine Alternative zu einer antiandrogenen Therapie oder evtl. sinnvollen Chemotherapie. Die Einnahme sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

 

Stand 26.08.08

 




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