
Die Kraft des Wandels
UND die Kraft der Ruhe.
Die Psychosomatische Abteilung der Habichtswald-Klinik ist seit
ihrem Beginn mit 25 Betten im Mai 1987 auf 148 Betten gewachsen(seit 1995).
Gegenüber dem bio-psychosozialen Krankheitsmodell der WHO, was durchaus ein
Fortschritt ist zu einer ausschließlich biologischen Betrachtung des Menschen,
gehen wir einen Schritt weiter und glauben, dass der Mensch nicht nur sein
Wissen, seinen Mind erweitern will (zur Zeit verdoppelt sich das Wissen der
Menschheit alle 5 Jahre!!), sondern dass der Mensch auch - um sich heil und ganz
zu fühlen - nach Weisheit, Sinn-Erfüllung, innerem Frieden, Glücklichsein und
Geborgenheit in einem größeren Ganzen strebt, also nach Spirit, nach
Spiritualität. Wir haben also ein bio-psycho-sozio-spirituelles
Gesundheits- und Krankheitsmodell und verstehen uns als "Spezialisten für
das Ganze".
Die Praxis zeigt,
dass über die Jahre hinweg und heute mehr denn je Patientinnen und Patienten von
uns Therapeuten die naturheilkundlichen, feinstofflichen und spirituellen
Ansätze nachfragen, mehr als wir Therapeuten oft Zeit haben dies im gewünschten
Umfang zu erfüllen. Trotzdem und gerade deswegen ist es für uns außerordentlich
wichtig, eine gute Organmedizin zu leisten, Psychotherapie nach dem Stand der
Wissenschaft durchzuführen, die Klinikorganisation zukunftsfähig zu machen in
Form von Computervernetzung, Zertifizierung (Mai 2000), Basisdokumentation und
externe Evaluation durch Prof. Koch Hamburg, Entwicklung von Kurzzeitherapien
usw. An spezialisierten Gruppen haben wir: Frauengruppen 30 Betten, Tinnitus 20
Betten, Psycho-Onkologie 10 Betten.
Nicht nur unsere Patientinnen und Patienten sehen sich heute
einer immer rascher sich verändernden Umwelt gegenüber. Wir alle müssen immer
komplexere Situationen bewältigen bei immer unsicherer werdender Datenbasis und
immer größerer Reichweite der Entscheidungen. Die bewährten Regeln des
linear-kausalen Weltbildes scheinen nicht mehr zu greifen, was ein
"Strudelgefühl" hervorrufen kann. So wäre erklärlich, warum die Symptome
Schwindel und Ängste allgemein so zugenommen haben; auch Tinnitus kann auf
Komplexitäts-Stress zurückgeführt werden. Nach Nefiodow belaufen sich die
geschätzten Kosten der Stressfolgekrankheiten in der BRD auf jährlich 200
Milliarden DM. Eigentlich ist es ein explosiver Zuwachs an Kreativität, dies
löst aber oft Ängste vor dem Neuen aus.
Zur Bewältigung unserer Aufgaben
benötigen wir alle immer mehr:
- Flexibilität
- Komplexitäts-Kompetenz
- sozio-emotionale Intelligenz (immer mehr Vernetzung ist
angesagt)
- Zukunftsoptimismus
- Meisterung von nicht-linearen, vernetzten und komplexen Systemen
1) bis 5) ist die Kraft des Wandels. Immer wichtiger
wird auch der Gegenpol, nämlich die Kraft der Ruhe und der
Zentrierung. Ziel ist Meisterschaft = in der höchsten äußeren
Dynamik leben können und trotzdem frei sein von den inneren Kosten dieser
Dynamik (Stressfolgen, Raubbau, Burn out). Ghandi sagte: "Man muss lernen,
inmitten aller Aktivitäten ruhig zu sein, und in der Ruhe total lebendig".
Oder der Unternehmensberater Whitehead: "Die Kunst des Fortschritts besteht
darin, inmitten des Wechsels Ordnung bewahren und inmitten der Ordnung
den Wechsel zu bewirken". Beides balancieren zu können heißt,
Paradoxe lieben zu lernen, was der Mind und Linkshirnigkeit allein nicht
schaffen.
Im Idealfall leben wir
Therapeuten unseren Patienten vor, dass wir selbst mit dem eigenen Stress
kreativ umgehen. Im Folgenden beschränke ich mich auf das Präventive (beschreibe
also nicht, was wir kurativ mit den Patienten machen).
Stressbewältigung = "Coping" setzt an:
- in der Außenwelt
Für den beschränkten Raum hier kann ich nur ein paar Stichworte liefern:
Prioritätensetzung, Zielvereinbarung (auch mit sich selbst: Self-Committment
=> Selbstorganisation), Pareto-Prinzip (= 20 % der Zeit bringen i.d.R. 80 %
der Ergebnisse), Pausentechnik, Zeitmanagement usw. Für Leitende: Organisation
von Selbstorganisation; Attraktoren statt Faktoren.
Vertiefende Literatur:
und
- in uns selbst:
- Übungen für sich allein:
- Der erster Gedanke gleich nach dem Aufwachen sollte ein positiver sein
(z.B. Dank dafür, dass wir leben, atmen, uns bewegen und denken können -
nichts davon ist selbstverständlich!). Wir können uns doch ganz
selbstverständlich (wie es das Zähneputzen ist) morgens im Spiegel erst
einmal anlächeln !
- "Manage erst Deine Energie, ehe Du managst" - denn über die
Brücke der morgens hergestellten Energie kommt der Tag! Ich empfehle eine
Kombination von meditativer Bewegung und Meditation . Lieber
10 Minuten als gar
nicht, eine gute Zeit sind 20 Minuten.
- Ankern: Eine schöne, friedvolle Stimmung (z. B. am Strand von
Hawaii) wird in meditativer Stille sich vorgestellt und an einen
motorischen Auslöser wie Fingerschnippen "geankert". In der turbulenten
Situation kann durch Fingerschnippen dann diese Stimmung hergeholt werden,
sofern sie lang genug eingeübt ("geankert") wurde = im limbischen System
verankert ist.
- Techniken "in der Situation":
Tagsüber immer wieder
innehalten und "die Säge schärfen" und nicht glauben: "Ich habe keine Zeit
die Säge zu schärfen, ich muss sägen!"
- Atmen: Immer wenn man daran denkt, mit dem Ausatmen alles
Negative abgeben. Eine sehr effektive Technik ist die PC-Atmung, die man
immer wieder unauffällig machen kann (siehe ). Oder modifiziert aus: "Ich
pflanze ein Lächeln" von Thich Nath Hanh :
| Einatmen: |
Beim Einatmen Ruhe und frische Kraft |
| Aus: |
Beim Ausatmen lächle ich |
| Ein: |
Es ist genau dieser Moment |
| Aus: |
Ein wunderbarer Moment |
- Schauen: Das fixierende Sehen bewirkt eine starke
Identifikation mit dem Gesehenen, d. h. die Ereignisse draußen wirken sich
in uns emotional stark aus. Desidentifikation über die Augen bedeutet, den
Blick "weich" werden zu lassen und "auf das Ganze zu richten", also durch
die Objekte gewissermaßen hindurchzuschauen und den Raum oder die Energie
des Raumes zu "schauen". Dies bewirkt eine Desidentifikation und eine
tiefe Entspannung, wie hirnphysiologische Forschungen gezeigt haben.
Kinder geraten bei Ermüdung in diesen Zustand, sie scheinen in die Ferne
oder nirgendwo hin zu schauen und können sich so in kurzer Zeit
regenerieren. Durch dieses Schauen kommen wir auch in die Mitte zwischen
linkem und rechtem Gehirn. Eine genaue Anleitung dazu ist niedergelegt in
dem Buch: "Die Tafeln von Chartres" von Pennington , es ist ein altes spirituelles
Wissen!
- Bewegen: In "Brain-Gym" sind kurze Übungen für zwischendurch
aufgeführt, die die Rechts-Links-Balance des Gehirns wiederherstellen
.
- im Flow sein = so im Tun aufgehen, dass man den Prozess des
Tuns und nicht nur das Ergebnis genießt . Übrigens sind Flow-Erlebnisse
an der Arbeit viermal so häufig wie beim Fernsehen!
- die Haltung, die hinter allem steht:
Wohl am wichtigsten ist die Haltung, denn Stress entsteht nicht nur durch
die Fakten, sondern vor allem durch unsere Bewertung. Diese findet
(sicher unbewusst) in uns statt, darauf haben wir aber durchaus einen
Einfluss ("Reframing"). Die Hirnforschung zeigt, dass das Gefühl der
Kontrollierbarkeit darüber entscheidet, wie viel Stress ich empfinde. Dabei
wirken sich, wie im PET nachweisbar, nicht nur das Vertrauen auf mich und
andere, sondern auch das Vertrauen auf vorgestellte Kräfte
neurochemisch konkret aus. Ob es den "Sicheren Ort" (mit dem in der
Traumatherapie viel gearbeitet wird - sog. ressourcenaktivierende
Imaginationen) oder einen Schutzengel oder Gott gibt, weiß man objektiv
nicht; neurochemisch hat der Glaube daran nachweislich konkrete Auswirkungen
wie größere innere Ruhe, Sinnerfüllung, Vertrauen, größere
Angstfreiheit.
Wenn ich Probleme als Herausforderung und als Einladung zu
Entwicklung (P=EzE) lesen kann, wird die Angst vor dem Unbekannten
und Neuen weniger und es wächst die Liebe zu Kreativität und Evolution.
Das Gegenteil von Erschöpfung ist Erfüllung - Erfüllung spüren
wir, wenn wir mit unserer Evolution zum einem Größeren beitragen können und
so mit der Großen Evolution kooperieren, dass sie unsere persönliche
Evolution fördert ("Evolution belohnt Evolution").
Dargestellt habe
ich nur Methoden, die sich bei mir als wirksam erwiesen haben, die Freude
bereiten - und: die kostenlos sind, was den Schwaben in mir besonders freut! Sie
können aber nicht rein kognitiv weitergegeben werden, sie müssen erlebt und
erfahren werden! Vielleicht stimmt es aber hoffnungsvoll, dass es durchaus
Regeln zur Bewältigung von hochkomplexen Situationen gibt!
"Work smarter not harder" - der Lebensgenus soll nicht zu kurz kommen, daher
zum Schluss ein Hinweis zum Genussmittelmanagement:
"Erlaubte",
da (maßvoll genossen!) der Gesundheit förderliche Genussmittel sind:
- Bitterschokolade (über 70% Kakao)
- Grüner Tee
- Rotwein (1 maximal 2 Glas)
Das Leben ist zu kurz, um einen schlechten
Wein zu trinken!
Literaturempfehlung:
Die sieben Wege zur Effektivität
Ein Konzept zur
Meisterung Ihres beruflichen und privaten Lebens
Stephen R. Covey, Campus
1998, 277 Seiten, DM 39,80
Der Weg zum
Wesentlichen
Zeitmanagement der vierten Generation
Stephen R. Covey,
Campus 1997, 303 Seiten, DM 49,80
Meditation
Begegnung mit der eigenen Mitte. Einführung
und Anleitung.
Dr. med. Almuth Huth, Dr. med. Werner Huth
Gräfe und Unzer
1996, 80 Seiten, DM 24,90
Ich pflanze ein
Lächeln
Der Weg der Achtsamkeit
Mit einem Vorwort des Dalai
Lama
Thich Nhat Hanh, Goldmann 1992, 157 Seiten, DM 29,80
ganz einfache
lebenspraktische Übungen für den Alltag
Die Tafeln
von Chartres
Die gnostische Schau des Westens
Pennington, George;
Walter Verlag; 1996; 144 Seiten; DM 34,80
relativ einfache, tiefgehende
Mediationsmethode, die auch im Alltag mit offenen Augen durchgeführt werden
kann, über das "Schauen"
Geheime
Lebensenergien
Eggetsberger, Gerhard H.; Orac, 1996, 150 Seiten, DM
29,80
einfach Übungen, die das Gehirn sehr mit Energie aufladen
Brain-Gym ® fürs Büro
Dennison, Dennison, Teplitz;
Verlag für angewandte Kinesiologie Freiburg 1997,83 Seiten, DM
19,80
Übungen, die dem Gehirn guttun hauptsächlich für den
Rechts-/Linkshirn-Ausgleich
Flow
Das Geheimnis
des Glücks
Mihaly Csikszentmihalyi, Klett-Cotta1998, 425 Seiten, DM
44.-
grundlegendes Werk zum Glück
Handbuch für
den gewitzten Stadtkrieger
Ein spiritueller Überlebensführer
Der
Barfussdoktor; rororo Sachbuch 60812, 252 Seiten, DM 16,90
vielleicht etwas
flapsige Sprache, aber recht witzig, voller praktischer Übungen für den Alltag
und im Gehalt tief
Dr. med. Christoph Kurtz - von Aschoff
.