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Second Opinion, Zweite Meinung

In der Therapie von Krebspatienten ergeben sich zunehmend neue und damit aber auch kompliziertere Therapien. War früher allenfalls eine erste Operation oder Chemotherapie oder Bestrahlung denkbar, so werden diese Therapieverfahren bei vielen Patienten mittlerweile regelmäßig kombiniert. Hinzu kommen ständige Weiterentwicklungen von Operationstechniken und Bestrahlungsverfahren, sodass auch Patienten, die früher als inoperabel galten, heute behandelt werden können. Im Bereich der Chemotherapien werden laufend neue Medikamente und vor allen Dingen Medikamentenkombinationen entwickelt, hinzu kommen ganz neue Substanzen, die gezielt Funktionsabläufe in Tumorzellen angreifen oder wie z. B. Antikörper eine Immuntherapie darstellen.

Man schätzt, dass derzeit das Wissen in der Onkologie alle 2 Jahre komplett revolutioniert wird. Dies bedeutet eine hohe Herausforderung an alle auf diesem Fachgebiet Tätigen. Kaum ein Arzt ist noch in der Lage, alle Therapiemöglichkeiten für alle Formen von Krebserkrankungen sehr gut zu kennen.

In der Betreuung von Tumorpatienten finden sich deshalb in der Regel Spezialisten aus verschiedenen Bereichen an Tumorzentren und in Tumorkonferenzen zusammen, die gemeinsam jeden Fall besprechen und eine Therapieempfehlung abgeben. Aber auch innerhalb eines Tumorzentrums stehen oft nicht alle Verfahren zur Verfügung, es bilden sich regional bestimmte Behandlungsschwerpunkte aus.

Für Patienten wird es immer schwieriger, sich bei der Diagnose einer Krebserkrankunge zu informieren und für eine Behandlung zu entscheiden. Ein gut geführtes Aufklärungsgespräch und die Vermittlung der Entscheidung einer Tumorkonferenz können hilfreich sein. Auch für Patienten geeignete Literatur und gute Internetseiten helfen einen Schritt weiter. Es gibt deutschlandweit einige Patienteninformationstelefone, die Beratung geben können.

Zunehmend wird jedoch von Patienten der Wunsch nach einer sog. zweiten Meinung geäußert. Auch Fachleute und Kostenträger sehen den Vorteil einer solchen Maßnahme, da er den Patienten in seiner Entscheidung unterstützt und damit die konsequente Fortsetzung der Therapien erleichtert.

Grund, sich eine zweite Meinung einzuholen, kann einmal die Betrachtung der Krankheitssituation und der Therapiemöglichkeiten aus dem Blickwinkel eines anderen Fachmannes aus einem anderen Zentrum oder auch einer anderen Fachrichtung sein. Eine zweite Meinung kann man sich außerdem bei einem ausgewiesenen Spezialisten für die Erkrankung einholen. Für viele Patienten ist im Rahmen der zweiten Meinung die Frage nach komplementären Therapien oder einer psychoonkologischen Begleitung wichtig. Gerade in diesen Fällen ist es wichtig, dass die Beratung zu diesen Fragen abgestimmt wird auf die Therapieplanung der sog. Schulmedizin, da sowohl komplementär-naturheilkundliche Verfahren als auch psychoonkologische Interventionen Rückwirkungen auf den Behandlungsablauf haben. Auch diese Beratungen sollten deshalb von in der Onkologie erfahrenen Ärzten bzw. Psychotherapeuten durchgeführt werden.

Leider gibt es in Deutschland kein Verzeichnis von Stellen, an denen man sich eine gute zweite Meinung einholen kann. So ist es für viele Patienten eine eigene Entscheidung, basierend auf Empfehlungen von Verwandten und Bekannten oder auf einer Recherche im Internet. Hinzu kommt, dass die second opinion keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist, sodass sie in der Regel vom Patienten selbst bezahlt werden muss.

Bei Einholung einer zweiten Meinung sollte man sich deshalb als Betroffener sehr gut vorbereiten, alle Unterlagen, Untersuchungsbefunde und Arztbriefe zusammenstellen und auch die Fragen, die man in dem Gespräch klären möchte, notieren. Günstig ist es außerdem, einen Angehörigen oder Freund mitzubringen, da das Gespräch, durchgeführt unter der Belastung einer ersten Diagnose einer Krebserkrankung oder der Diagnose eines Rezidivs, in einer für den Betroffenen belasteten Situation stattfindet.

Kennzeichen für eine gute second opinion sind neben der fachlichen Qualifikation des Beratenden seine Bereitschaft, vorab die Unterlagen einzusehen, um im Beratungsgespräch schon die Grundlagen zu kennen, sich in komplexen Fragestellungen vielleicht auch schon entsprechend vorbereitet zu haben und dem Ratsuchenden eine schriftliche Zusammenfassung des Beratungsgespräches zur Verfügung zu stellen und diese auf Wunsch des Ratsuchenden an das behandelnde Zentrum weiterzuleiten. Die in Abstimmung auf die Therapievorplanung durchgeführte Beratung des Patienten wird so auch im erstbehandelnden Zentrum nicht auf Widerstand stoßen, sondern eher als positive Unterstützung gesehen werden.

Der die second opinion abgebende Arzt wird in der Regel im späteren Verlauf nicht als Behandler des Patienten tätig sein. Eine Beratung sollte deutlich wahrnehmbar nicht das Ziel haben, die eigene Leistung anzubieten, zu „verkaufen“. Sie dient nicht zur Profilierung eigener Kompetenzen oder eigener Therapierichtungen, sondern sollte dem Konzept einer wissenschaftlich fundierten Beratung verpflichtet sein. Dies bedeutet, dass sie sich an den Empfehlungen der Fachgesellschaften ausrichtet, neue Forschungsergebnisse berücksichtigt und den Patienten ggf. auch auf laufende Studien hinweist.

Im seltenen und schwierigen Fall, dass der Beratende aus seiner fachlichen Sicht zu einer grundsätzlich anderen Empfehlung kommt als der Primärbehandler, ist es wichtig, dem Patienten besonders klar und ohne Wertung die Argumente für die eigene Sichtweise zu nennen, diese schriftlich zusammenzufassen und den Dialog mit dem ärztlichen Kollegen am Wohnort anzubieten.

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Aktualisiert am 09.02.2009 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS