Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Der Begriff „biologische Therapien“ wird in der Krebstherapie sehr
unterschiedlich verwendet. Grundsätzlich bedeutet er die gezielte Beeinflussung
von biologischen Stoffwechselvorgängen in der Tumorzelle oder beim Wachstum von
Tumorzellen.
Insbesondere im englischen Sprachraum wird unter biologischen Therapien auch
die Behandlung mit Hilfe des Immunsystems verstanden.
In diesem Zusammenhang stellen biological response modifiers (= Substanzen,
die die biologische Antwort beeinflussen) natürlich im Körper vorkommende
Substanzen dar, die die Immunantworten regulieren.
Biologische Therapien umfassen in diesem Zusammenhang den Einsatz von
Botenstoffen des Immunsystems wie Interleukinen und Interferonen (siehe dort),
Wachstumsfaktoren (siehe dort), Antikörpern (siehe dort), Tumorimpfungen (siehe
dort) und Gentherapien sowie weitere das Immunsystem modulierende
Substanzen.
Zu den unspezifischen immunmodulierenden Stoffen gehören der in der
Behandlung des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms eingesetzte Bakterienstamm
BCG (eine abgewandelte Form der Tuberkulosebakterien) sowie die Substanz
Levamisol, die früher als Partner des Chemotherapiemittels 5-FU bei Darmkrebs
eingesetzt wurde, jetzt aber durch die Substanz Leukovorin ersetzt wurde.
Während BCG bei der Therapie des oberflächlichen Harnblasenkrebses eine
etablierte Methode darstellt, wird Levamisol heutzutage in der Therapie
praktisch nicht mehr eingesetzt.
Die Natur liefert zahlreiche weitere das Immunsystem stimulierende
Substanzen, nicht zuletzt in der Naturheilkunde Mistel und die Thymustherapie.
Bisher gelingt mit diesen Therapien nur eine unspezifische Stimulation des
Immunsystems, so dass die Effektivität gegen die Tumorzellen gering ist.
Patienten verstehen unter dem Begriff biologische Therapien häufig
naturheilkundliche Methoden.
Obwohl es sich bei der biologischen Therapie um natürliche Substanzen oder
die Beeinflussung von natürlichen Stoffwechselvorgängen handelt und versucht
wird, gezielt Tumorzellen zu behandeln, haben die meisten dieser Therapieansätze
Nebenwirkungen.
Die Hoffnungen, die mit der biologischen Therapie verbunden werden, sind, das
Wachstum des Tumors zu stoppen oder zu kontrollieren, die Tumoren in der Größe
zur Rückbildung zu bringen, das Immunsystem gegen Tumorzellen zu aktivieren und
diese für das Immunsystem besser erkennbar zu machen, das Wachstumsmuster von
Tumorzellen zu verändern und die Streuung von Tumorzellen und Bildung von
Metastasen an anderen Orten zu unterdrücken. Die bisher erzielten Erfolge mit
biologischen Therapien sind unterschiedlich. In den seltensten Fällen kann durch
sie auf eine Operation, Strahlen- oder Chemotherapie verzichtet werden.
Eine besondere Form der biologischen Therapie ist die Gentherapie. Hier wird
versucht, krankhafte Gene, die zum Wachstum von Tumorzellen führen, durch
gesunde Gene zu ersetzen. Erste Studien zeigen, dass es gelingen kann, über
Viren die gesunden Gene in die Tumorzellen einzuschleusen. Als problematisch hat
sich herausgestellt, dass die Viren sich nur schlecht steuern lassen und nicht
genau vorauszubestimmen ist, ob die Gene an korrekter Stelle innerhalb der
Kernsubstanz eingebaut werden. Hierdurch ist es bei einigen Patienten zu
gefährlichen Komplikationen gekommen.
Stand 22.06.07