Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Die Hochdosis-Chemotherapie basiert auf der Überlegung, dass es durch einen
besonders hoch dosierten Einsatz von bestimmten Chemotherapeutika oder ihrer
Kombinationen oft parallel mit einer Bestrahlung des gesamten Körpers gelingen
kann, Tumorzellen im Körper vollständig abzutöten. Diese Therapie wird
überwiegend bei bestimmten Formen von Leukämien und Lymphomen eingesetzt. Sie
wurde in den letzten Jahren entwickelt, zunehmend verbessert und somit für viele
Patienten zugänglich, deren bösartige Erkrankung sonst als unheilbar eingestuft
werden muss.
Vorbereitung zur Transplantation
Wegen der Belastungen für den gesamten Organismus sollten möglichst keine
anderen schwerwiegenden Erkrankungen bestehen. Herz-Kreislauf-System,
Magen-Darm-System und Nierenfunktion werden überprüft. Eine latente Infektion z.
B. im Bereich der Zähne, des Kiefers und der Nasennebenhöhlen muss
ausgeschlossen werden. Kurz vor der Transplantation bzw. Hochdosis-Chemotherapie
werden Bakterien auf den Schleimhäuten durch Antibiotika eliminiert.
Hochdosis-Chemotherapie
Die Hochdosis-Chemotherapie wird in Form der sog. Konditionierung
durchgeführt. Dies bedeutet, dass ein oder mehrere Chemotherapiemittel in einer
deutlich das übliche Maß übersteigenden Dosis gegeben werden, die zu einem
Funktionsausfall des Knochenmarks führt. Diese Folgeerscheinung kann durch die
sich anschließende Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation abgefangen
werden. Die Nebenwirkungen an den anderen Organen sind zum Teil erheblich,
können mit entsprechender Unterstützung aber beherrscht werden.
Die nach der Konditionierung in Form einer Bluttransfusion verabreichten
Knochenmarks- oder Stammzellen stammen entweder vom Patienten selbst (autologe
Transplantation) oder von einem fremden Spender (allogene Transplantation). Als
Fremdspender kommen Familienangehörige, aber auch fremde Personen in Frage. Es
besteht ein erheblicher Unterschied zwischen der autologen und allogenen
Transplantation.
Frühe Folgen der Konditionierungstherapie
Durch die Hochdosis-Chemotherapie kommt es zu einem Absterben aller
blutbildenden Zellen im Knochenmark, der sog. Knochenmarksaplasie. Dies führt
dazu, dass rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen nicht mehr gebildet
werden können. Da die roten Blutkörperchen relativ lange überleben, kommt es zu
einem langsamen Abfall des roten Blutfarbstoffes. Die weißen Blutkörperchen
(Leukozyten) und die Blutplättchen nehmen jedoch sehr schnell ab.
In der Phase der Knochenmarksaplasie ist der Patient ausgesprochen gefährdet,
da sich keine blutbildenden Zellen mehr im Knochenmark befinden. Diese werden
mit der Transplantation wieder zugeführt. Die Infektionsgefahr ist sehr hoch.
Die Phase der Aplasie kann durch Wachstumsfaktoren für die roten und weißen
Blutkörperchen verkürzt werden. Die Betreuung und Behandlung in dieser Phase
erfolgt auf einer besonderen Station in Einzelzimmern mit kompletter Abschottung
gegen Krankheitskeime.
Es kommt zu schweren Entzündungen im Bereich der Schleimhäute des Mundes und
des gesamten Magen-Darm-Systems. Die Entzündungen können zu Geschwüren führen
und die Nahrungsaufnahme erheblich erschweren. Hinzu kommen Durchfälle. Die
Ernährung kann über Infusionen erfolgen. Gegen die Schmerzen durch die
Entzündungen können Schmerzmittel gegeben werden. Eine gute Pflege der
Schleimhäute mit Spülungen hilft, die Abheilung zu beschleunigen.
Durch einige Chemotherapiemittel kommt es auch zu einer Schädigung der
Harnblasen-schleimhaut bis hin zu einer Harnblasenentzündung. Hohe Trink- bzw.
Infusionsmengen sind hier hilfreich.
Neben Infektionen und Schädigungen des Knochenmarks, der Schleimhäute und
Harnblase kann es in den Tagen nach der Konditionierung und Stammzellgabe zu
weiteren Störungen von Organen, z. B. Lunge und Leber, kommen. Auf jede
Veränderung von Funktions- und Laborwerten muss deshalb sofort reagiert werden.
Aus verschiedenen Gründen kommt es zu einem ausgeprägten Verlust der
körpereigenen Kräfte und zu einer Muskelschwäche, hierzu trägt neben der
Chemotherapie und der langen Bettruhe auch die Einnahme von Kortison bei, die
auch die Entstehung einer Osteoporose begünstigt.
Viele Patienten leiden unter Ödembildung im Bereich der Beine und
Kreislaufschwäche mit niedrigem Blutdruck.
Auf den Transplantationsstationen wird versucht, dem mit einem möglichst früh
beginnenden leichten Übungsprogramm (Krankengymnastik und Ergometertraining) zu
begegnen.
Autologe Transplantation
Die autologe Transplantation hat den Vorteil, dass es sich um körpereigene
Stammzellen handelt, die sich ohne Schwierigkeiten wieder in das Knochenmark
eingliedern lassen.
Autologe Stammzellen werden gewonnen, indem vor der eigentlichen
Konditionierung eine Chemotherapie durchgeführt wird, in deren anschließender
Erholungsphase es zu einer vermehrten Blutbildung kommt. Diese wird in der Regel
durch die Gabe von speziellen Wachstumsfaktoren unterstützt. Bei dieser
Stimulation des Knochenmarkes können Stammzellen entweder aus dem Knochenmark
selbst (in der Regel aus dem Beckenkamm) oder aus dem Blut gewonnen werden.
Das Problem dieser Behandlungsweise besteht darin, dass durch die Gewinnung
der Stammzellen auch Tumorzellen mit in das Präparat gelangen können, so dass
bei der anschließenden Rückgabe der Stammzellen auch Tumorzellen zurückgegeben
werden können, die zu einem Rezidiv der Tumorerkrankung führen können. Versuche,
das Stammzellpräparat durch Reinigungsschritte von Tumorzellen zu befreien,
haben bisher nicht den erwünschten Erfolg gezeigt.
Allogene Transplantation
Bei der allogenen Transplantation werden Stammzellen von einem Spender
gewonnen. Diese stammen entweder aus dem Knochenmark
(Knochenmarkstransplantation) und werden über eine Punktion des Beckenkamms in
Vollnarkose entnommen, oder es werden dem Spender Wachstumsfaktoren gespritzt
und anschließend Stammzellen wie bei der autologen Transplantation über eine
spezielle Blutwäsche gewonnen. Mittlerweile gibt es weltweit Datenbanken von
Personen, die sich freiwillig als Stammzellspender gemeldet haben, so dass ein
entsprechender Spender gesucht werden kann.
Bei der allogenen Transplantation kommt es darauf an, einen sog.
„gewebeverträglichen“ Spender zu finden. D. h. die Gewebemerkmale des Patienten
und des Spenders sollten in möglichst vielen Punkten übereinstimmen.
Durch die Hochdosis-Chemotherapie kommt es beim Patienten zu einem kompletten
Ausfall der körpereigenen Blutbildung und des körpereigenen Immunsystems. Mit
der allogenen Transplantation werden ein fremdes Blutsystem und ein fremdes
Immunsystem eingeführt.
Sobald die Stammzellen des Spenders ihre Funktion im Körper aufnehmen, kommt
es zu einer neuen Blutbildung. Die nun nachweisbaren Blutzellen tragen die
Blutgruppe des Spenders und nicht mehr die des Empfängers (wenn diese
unterschiedlich waren). Mit der Stammzellübertragung wird auch das Immunsystem
des Spenders übertragen, welches langsam seine Funktion aufnimmt und nach
einiger Zeit in der Lage ist, den Empfänger vor Infektionen zu schützen.
Aufgrund der nie kompletten Übereinstimmung von Gewebe-merkmalen (der englische
Begriff hierfür ist mismatch) kommt es jedoch in unterschiedlich ausgeprägtem
Maße zu einer Reaktion des Spenderimmunsystems auf die Empfänger-organe. Dies
bezeichnen wir als graft versus host desease (GVHD).
Wurden nicht alle empfängereigenen Abwehrzellen mit der Hochdosistherapie
abgetötet, so kann umgekehrt der Empfänger das Transplantat abstoßen. Aus beiden
Gründen muss eine lang dauernde Immunsuppression erfolgen.
Hochdosistherapie mit reduzierter Intensität
Für ältere, kränkere Patienten ist die hochdosierte Chemotherapie nicht
möglich. Deshalb wurden in den letzten Jahren Therapien entwickelt, bei denen
eine etwas geringere Dosis eingesetzt wird, die wenige Nebenwirkungen haben.
Dabei bleiben nach der Transplantation noch Zellen des Patienten im
Knochenmark und es entwickelt sich eine Mischung aus körpereigenen und
Spenderzellen.
GVHD
Man unterscheidet eine akute und eine chronische Form.
Die akute Form kann unterschiedlich schwer verlaufen. Die Symptome reichen
von einer Rötung von Häuten und Schleimhäuten (leichte Form), Schädigung des
gesamten Magen-Darm-Traktes (mittelschwere Form), daraus können sich massive
Durchfälle sowie eine schwere Leber- und Lungenerkrankung entwickeln bis hin zur
lebensbedrohlichen Situation (schwere Form).
Bei der chronischen GVHD gibt es die sog. limitierte Form, die im Bereich der
Haut und Schleimhäute abläuft und zum Teil auch zu erhöhten Leberwerten führt.
Organfunktionen sind jedoch nicht beeinträchtigt. Bei der intensiven Form sind
die gesamte Haut und die Leber oder andere Organe betroffen.
An der Haut kommt es zu Rötungen, Pigmentstörungen, Atrophie oder
Vernarbungen, Störungen des Wachstums von Haaren und Nägeln. An der
Mundschleimhaut kann sich eine Trockenheit entwickeln, Entzündungen und
Geschwüre können entstehen. Auch die Schleimhäute der Augen sind betroffen, es
kann entweder zu vermehrtem Tränenfluss oder zu einer vermehrten Trockenheit
kommen.
Wenn es in der Leber durch Veränderungen der Lebergefäße zu einer
Fehlfunktion kommt, so zeigt sich dies oftmals als erstes in Form von
Appetitverlust. In der Folge entwickeln sich die Zeichen einer Gelbsucht.
Bei Darmbefall kommt es zu Durchfall, Nahrungsmittel werden nicht mehr
richtig aufge-nommen, es kommt zu einer Gewichtsabnahme.
An der Lunge entwickelt sich eventuell als Spätfolge durch einen Verschluss
der Bronchiolen eine Funktionsstörung.
Im Bereich des Knochenmarkes kann auch im Rahmen der GVHD eine mangelnde
Blutbildung auftreten. Sie kann schwer zu differenzieren sein von einer
Fehlfunktion des Transplantates.
Des Weiteren können sich Schilddrüsenfunktionsstörungen in Form einer
Unterfunktion entwickeln.
Behandlung der GVHD
Da es sich bei der GVHD um eine Reaktion des Immunsystems des Spenders auf
den Empfänger handelt, werden das Immunsystem unterdrückende Medikamente
eingesetzt. Hier stehen mittlerweile verschiedene Substanzen zur Verfügung. Am
längsten bekannt ist Kortison, das allerdings bei längerer Gabe aufgrund der
Nebenwirkungen möglichst nur niedrig dosiert eingesetzt werden sollte. Zu den
Nebenwirkungen von Kortison gehören Stoffwechselstörungen, insbesondere im
Bereich des Blutzuckers, die Ausbildung einer Osteoporose sowie eine Schwäche
der Muskulatur.
Weitere zur Unterdrückung des Immunsystems geeignete Medikamente: Ciclosporin
A (SandimmunA) Mycophenolat mofitil (Cell Cept®), Tacrolimus (Prograf®),
Sirolimus (Rapamune®).
Durch die das Immunsystem unterdrückende Therapie wird auch die Immunabwehr
gegen Krankheitserreger wieder gesenkt. Hier handelt es sich um eine
Gradwanderung zwischen gewünschten und unerwünschten Effekten. Es besteht daher
nach einer allogenen Knochenmarks- oder Stammzellentransplantation auf lange
Zeit eine Infektgefährdung. Daher gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen im
täglichen Leben. Eine prophylaktische Therapie mit gegen Bakterien, Viren und
Pilze wirkenden Medikamenten und die Gabe von Immunglobulinen sind
notwendig.
Vorsichtsmaßnahmen für Patienten nach einer Transplantation
Vermeidung von Menschenansammlungen, vor allen Dingen zu Grippezeiten, ggf.
Tragen eines Mundschutzes.
Der Kontakt zu kranken Personen, insbesondere Kindern, sowie zu gerade aktiv
mit Lebenderregern geimpften Personen (z. B. Polio, Cholera) ist zu
vermeiden.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus gelten zunächst besondere
Hygienemaß-nahmen. Die Empfehlungen des Transplantationszentrums richten sich
nach der Situation des Immunsystems und sind daher nicht einheitlich.
Allgemeine Regeln nach allogener Transplantation:
Körperpflege:
· täglich Duschen
· keine Vollbäder
· Haut gut fetten
· Hände nach jedem
Toilettengang gründlich waschen
· Mundhygiene nach jeder
Mahlzeit (sanft! - Zahnfleischverletzungen vermeiden)
· Prothesen nur zum Essen
tragen, gründlich reinigen und in der Desinfektionslösung belassen
Zimmerpflege
· Bettwäschewechsel 2x pro
Woche
· Handtücherwechsel
täglich
· Badetücherwechsel alle 2
Tage
· keine Haustiere
· keine Topfpflanzen
· Matratzenüberzug oder neue
Matratzen
Ernährungsregeln
Ganz wichtig ist die Einhaltung bestimmter Regeln, da Speisen und Getränke
zum Teil hohe Keimzahlen enthalten können. Auch hierbei geben
Transplantationszentren unterschiedliche Empfehlungen. Die folgenden allgemeinen
Punkte stellen keine komplette Übersicht dar. Grundsätzlich gilt, dass alle
Speisen so zubereitet sein sollen, dass sie keine oder nur wenige Keime
enthalten.
· Hände und Instrumente vor der Nahrungszubereitung
bzw. dem Verzehr gründlich waschen.
· Kühlketten einhalten.
· Speisen bei der Zubereitung gründlich durchgaren,
beim Wiedererwärmen erneut durchgaren. Auch Tiefkühlkost nicht nur erwärmen,
sondern richtig durchgaren. Vorsicht bei der Mikrowelle, die Zeiten sollten eher
länger gewählt werden.
· Reste nur 6 Stunden und im Kühlschrank aufbewahren.
· Vorsicht mit Gehacktem (nicht roh!) und Steaks.
· Gemüse grundsätzlich nur gegart. Keine Rohkost.
· Gewürze nur mitgekocht.
· Nur schälbares Obst oder Kompott.
· Nur pasteurisierte oder ultrahocherhitzte
Milchprodukte.
· Brotbelag, Aufstrich, Senf und Ketchup nur aus
kleinen Packungen.
· Kein Schimmelkäse.
· Keine Mayonnaise.
· Keine Zubereitungen mit rohen Eiern, nur fest
gekochte Eier.
· Kein roher Fisch. Keine Krabben.
· Keine Nüsse (auch nicht selbstgeschälte).
· Leitungswasser und Mineralwasser nur abgekocht oder
nach entsprechender Überprüfung bei der Abfüllung.
Minitransplantation
Da eine Hochdosis-Chemotherapie eine erhebliche Belastung darstellt und sie
für viele Patienten nicht in Frage kommt, wurde versucht, eine allogene
Transplantation nach einer Hochdosis-Chemotherapie mit geringerer
Medikamentendosis (sog. reduzierte Konditionierung) durchzuführen. Die
Nebenwirkungen dieser Therapie sind erheblich geringer. Das Problem, dass durch
die niedrigere Chemotherapiedosis die Tumorzellen nicht komplett abgetötet
werden, kann durch eine sehr elegante Therapieergänzung beeinflusst werden:
Bei der allogenen Transplantation können Immunzellen des Spenders gegen
verbliebene Tumorzellen aktiv werden. Ähnlich wie sich die GVHD entwickelt,
kommt es offensichtlich auch zu einer GVL, also einer „graft versus
leucemia-Reaktion“, d. h. Immunzellen des Spenders greifen die bösartigen Zellen
an und drängen sie zurück.
Dies kann heute als therapeutisches Prinzip ausgenutzt werden. Bei der
Minitransplantation überleben vermehrt Tumorzellen, die dann durch die GVL
kontrolliert werden. Kommt es trotzdem zu einem Rezidiv, so können durch
Verminderung der Immunsuppression gezielt GVHD und GVL angehoben und somit ein
Rezidiv im Frühstadium unterdrückt werden. Auch können dem Patienten
Lymphozyten, also Abwehrzellen, des Spenders infundiert werden, die die GVHD und
GVL verstärken und somit zu einer erneuten Unterdrückung des Tumorwachstums
beitragen können.
Spätfolgen der Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation
In der sich an die Transplantation anschließenden Phase der Rehabilitation,
die zu Hause oder in spezialisierten Kliniken stattfinden kann, werden die
körpereigenen Kräfte wieder aufgebaut. Dies geschieht in einer
Rehabilitationsklinik in einer kombinierten Behandlung mit Krankengymnastik,
Bädern, Massagen, Ergotherapie und gezielter psychoonkologischer
Unterstützung.
Nach entsprechender körperlicher und seelischer Erholung, die unterschiedlich
langer Zeit bedarf, ist mit zunehmender Belastbarkeit auch eine Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit möglich. Dies sollte mit dem Transplantationszentrum
und einem sozialmedizinisch erfahrenen Arzt abgestimmt werden.
Zu den Spätfolgen der Hochdosis-Chemotherapie zählen die oben schon erwähnte
chronische GVHD und das Fatigue-Syndrom.
Fatigue bedeutet Erschöpfung und stellt eine auch nach „normaler“
Chemotherapie auftretende zum Teil länger anhaltende Einschränkung der
Leistungsfähigkeit dar.
Es können sich Störungen des Konzentrationsvermögens und der
Gedächtnisleistung ausbilden. In unterschiedlichem Ausmaß kann es zu einer
Schädigung von sensiblen Nerven kommen, so dass das Tastempfinden der Hände und
Füße vermindert ist (Polyneuropathie).
Bei jungen Patienten kommt es zu einer Schädigung der Funktion der Eierstöcke
bzw. Hoden, so dass keine Samen mehr gebildet werden bzw. Eizellen heranreifen.
Meist ist eine Kinderzeugung nach der Therapie nicht mehr möglich.
Bei jungen Männern wird deshalb vor der Therapie Samen gewonnen und gelagert,
wenn dies gewünscht ist. Bei jungen Frauen gibt es erste Erfahrungen mit
Gewinnung von Eierstockgewebe und der späteren Rücktransplantation.
In der Phase nach Abheilung der ersten Folgeerscheinungen sollte eine
Betreuung durch einen erfahrenen Gynäkologen bzw. Andrologen erfolgen zur
hormonell Einstellung.
Gleichermaßen kann es über eine Schädigung der Schilddrüse zu einer
Schilddrüsen-unterfunktion kommen, die durch Laborwerte nachgewiesen und dann
durch die Gabe von natürlichem Schilddrüsenhormon behandelt wird.
Nach einer Ganzkörperbestrahlung kann es zu einer Trübung der Linse, dem sog.
grauen Star kommen. Ggf. wird eine Katarakt-Operation erforderlich.
Eine weitere Folgeerscheinung der Kortisontherapie ist eine sich nach Wochen
oder Monaten entwickelnde Hüftkopfnekrose, also ein Absterben von Knochengewebe
im Bereich des Oberschenkelkopfes. In diesen Fällen muss evtl. sogar ein Ersatz
des Hüftgelenkes durchgeführt werden.
Zunehmend zeigen Daten aus der Langzeitbeobachtung, dass es nach autologer
oder allogener Stammzelltransplantation häufiger als in der gesunden Bevölkerung
zum Auftreten eines zweiten Tumors kommt. Insbesondere die Kombination aus
Chemotherapie und Bestrahlung erhöht das Risiko. Aus diesem Grunde wird momentan
versucht, Konditionierungsregime zu entwickeln, die auf die Bestrahlung
verzichten und/oder günstigere Chemotherapieprotokolle einsetzen.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass nach 10 Jahren bei bis zu 20% aller
transplantierten Patienten, nach 15 Jahren bei 29% weitere Tumoren auftraten,
davon sind ca. die Hälfte erneute Leukämien und Lymphome, ein Viertel Tumoren
anderer Organe und ein Viertel Hauttumoren, die allerdings, wenn sie rechtzeitig
erkannt werden, gut behandelt werden können.
Nach der Transplantation sollten sich deshalb die Patienten auch nach
Stabilisierung regelmäßig in ihrem Transplantationszentrum zur Nachsorge
vorstellen. Vor allen Dingen in der langfristigen Betreuung richtet sich die
Nachsorge auch darauf, evtl. entstehende Tumor-erkrankungen frühzeitig zu
erkennen und somit gezielt behandeln zu können.
Stand 26.08.08