Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Die chronomodulierte Therapie senkt die Nebenwirkungsrate bestimmter
Chemotherapien und erhöht deren Wirksamkeit
Verbesserung der Verträglichkeit einer Chemotherapie durch die sog.
Chronomodulation
Viele Prozesse im Körper wie z. B. Stoffwechselaktivitäten unterliegen einem
Tagesrhythmus, der dem Schlaf-Wach-Rhythmus angepasst ist. Dies ist eine
sinnvolle Steuerung der körpereigenen Funktionen in Anpassung an notwendige
Aktivitäten und Erholungsphasen.
Tumorzellen, insbesondere stark entdifferenzierte Tumorzellen, entziehen sich
diesem Rhythmus bzw. entwickeln eigene Rhythmen. Dies kann im Rahmen einer
Tumortherapie, insbesondere einer Chemotherapie, ausgenutzt werden. Durch
geschickte Auswahl des Zeitpunktes, an dem die Chemotherapie verabreicht wird
bzw. durch Auf- und Abregulierung der Dosis bei Dauerinfusionen, können einige
Chemotherapiemittel so gesteuert werden, dass sie an der Tumorzelle maximale
Wirkung erzielen, das gesunde Gewebe jedoch in einer relativ unempfindlichen
Phase treffen, so dass Nebenwirkungen vermindert werden können.
Diese sog. chronomodulierte Therapie hat in Studien teilweise erhebliche
Vorteile für die Patienten durch bessere Wirkungen und niedrigere Nebenwirkungen
gezeigt. Sie wird bisher in Deutschland kaum angewandt, da sie den Arbeitszeiten
in ambulanten Praxen, Tageskliniken und Krankenhäusern kaum entspricht. Die für
die Dauerinfusion im Rahmen einer chronomodulierten Therapie erforderlichen
programmierbaren Spezialpumpen sind teuer, ihre Kosten werden von den
Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.
Da eine aktuelle Studie gezeigt hat, dass die positiven Effekte einer
chronomodulierten Therapie auf männliche Patienten beschränkt waren, Frauen
sogar ein etwas schlechteres Ergebnis hatten, verzichten wir in der
Habichtswald-Klinik derzeit auf diese Therapie bei Frauen bis eine weitere
Klärung erfolgt ist.
Stand 22.06.07