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Ernährung während der Chemotherapie

Habichtswald-Klinik Kassel

 

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

 

Die Chemotherapie stellt eine starke Belastung für den Körper dar mit ihren giftigen Substanzen bzw. den Abbauprodukten der Zellen, die durch die Therapie zerstört werden.

Durch Entzündungen im Mund- und Schleimhautbereich, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle ist es oft nur schwer möglich, die Regeln einer gesunden Ernährung einzuhalten.

Hierzu gehören Obst- und Gemüsezubereitungen, aber auch ausreichend Eiweißstoffe und die richtigen Fette.

Häufig können keine großen Nahrungsmengen aufgenommen werden, auch der Verzehr mehrerer kleiner Mahlzeiten kann einen Gewichtsverlust nicht immer vermeiden helfen. Für viele Patienten ist die Empfehlung richtig, sich nach dem eigenen Appetit zu richten.

Wichtig ist, eine leichte verträgliche Kost mit Betonung auf gut resorbierbare Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.

Nährstoffreiche Trinknahrungen, die es mittlerweile in sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen gibt, können eingesetzt werden. Das Untermischen eines geschmacklich kaum wahrzunehmenden Kohlenhydrates (Maltodextrin) ist unter fast alle Speisen möglich, auch das Einrühren von Sahne in vorbereitete Getränke und Nahrungsmittel kann zusätzliche Kalorien zuführen. Insgesamt sollte die Ernährung nach der individuellen Verträglichkeit zusammengestellt werden.

Selten sind Ernährungsstörungen so ausgeprägt, das eine Ernährung über die Vene notwendig wird.

Ganz wesentlich ist jedoch, dass trotz des Wunsches nach einer optimalen Ernährung gerade in Zeiten der Erkrankung und erforderlichen Therapie die Nahrungsaufnahme auch unter dem Gesichtspunkt des Genusses betrachtet werden sollte. Bei Verträglichkeit sind deshalb auch Süßigkeiten in Maßen genossen erlaubt und zu empfehlen.

Nach Abschluss der Therapie kann die Nahrung langsam wieder aufgebaut werden. Evtl. können sich jedoch länger anhaltende Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel oder –zubereitungen entwickeln.

Was kann mit Nahrungsergänzungsmitteln während einer Chemotherapie erreicht werden?

Viele Patienten wünschen während der Therapie eine begleitende Behandlung mit Vitaminen und Spurenelementen, um die körpereigenen Kräfte und das Immunsystem zu unterstützen und die negativen Auswirkungen der Chemotherapie oder Bestrahlung zu vermeiden.

Geschickt während einer Chemotherapie eingesetzt kann Nahrung zu einer Verbesserung der Verträglichkeit, einem Schutz der gesunden Zellen und einer Unterstützung des Immunsystems führen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass bestimmte Bestandteile einer gesunden Ernährung sogar zu einer besseren Wirkung der Chemotherapie führen können.

Die Auswahl der Nahrungsergänzungsmittel gehört in die Hand eines erfahrenen Arztes, der diese Therapie in einem ganzheitlichen Ansatz mit der Chemotherapie und Bestrahlung abstimmt. Leider gibt es bislang nur wenige Untersuchungen über die Auswirkungen von Vitaminen und Spurenelementen auf eine laufende Chemotherapie.

Am sinnvollsten ist eine ausreichende Nährstoffzufuhr über eine ausgewogene Ernährung. Ist dies nicht möglich oder besteht eine Mangelernährung nach langem Krankheitsverlauf oder Operation, so können gezielte und abgestimmte Vitamingaben eine wichtige Funktion haben.

Neben dem Schutz gesunder Zellen ist auch ein Schutz der Krebszellen und damit eine verminderte Wirkung der Chemotherapie bzw. Bestrahlung möglich. Diese Wechselwirkungen sind nur eingeschränkt erforscht, so dass Vitamin- und Spurenelementgaben während der Chemotherapie individuell mit dem Arzt abgestimmt werden sollten.

Ist eine Wirkungsabschwächung der laufenden Therapie nicht ausgeschlossen, können die Nahrungsergänzungsmittel in Absprache mit dem behandelnden Arzt nach Abschluss oder in den therapiefreien Intervallen eingesetzt werden.

Weitere Substanzen, die die Toxizität von Chemotherapeutika herabsenken können sind Coenzym Q 10, Glutathion, Acetylcystein, Glutamin, Carnitin (hier gelten die gleichen Überlegungen und Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Vitaminen).

 

Ernährungstipps während der Chemotherapie

·     Einnahme von kleinen Mahlzeiten auf bis zu 8 Portionen täglich verteilt

·     Langsam essen und gut kauen.

·     Obst und Gemüse wird evtl. in Form von Kompott bzw. Saft besser vertragen, das Obst sollte auf jeden Fall reif sein. Insbesondere in der Anfangsphase nach einer Operation sollte keine Rohkost gegessen werden. Zitrusfrüchte werden oft nicht gut vertragen. Günstig sind Äpfel, Birnen und Bananen. Sehr gut können geriebene Äpfel sein, vor allem bei Durchfällen.

·     Gerichte aus Vollkornprodukten sind grundsätzlich zu bevorzugen, jedoch ist die Verträglichkeit der darin enthaltenen Ballaststoffe oft herabgesetzt, so dass auf Zwieback, helles Brot oder Reis zurückgegriffen werden kann. Oft wird ein leichter Haferschleim vertragen.

·     An Milchprodukten werden oft Käse und Quark besser vertragen als Frischmilchprodukte. Joghurt kann den Wiederaufbau der körpereigenen Darmflora unterstützten.

·     Die Fettverträglichkeit sollte individuell ausprobiert werden, manchmal werden spezielle Streichfettzubereitungen mit sog. mittelkettigen Triglyceriden (freien Fettsäuren) besser vertragen.

·     Nicht empfehlenswert sind sehr fette und/oder süße Speisen wie Paniertes, fetter Braten, fette Fleisch- und Wurstwaren, Schokolade, Marzipan, Nougat, Pralinen, fettes Gebäck, blähende Gemüse wie Erbsen, Bohnen, Linsen, grober Kohl, Hülsenfrüchte, säurereiches Obst wie Stachelbeeren, Johannisbeeren, Rhabarber, Zitronen, Grapefruit. Außerdem kann es bei scharfen Gewürzen und geräucherten gesalzenen Speisen zu Beschwerden kommen.

·     Frisches Brot sollte evtl. einen Tag liegen gelassen werden.

·     Die Verträglichkeit von Kaffee muss individuell erprobt werden, oft ist Tee besser geeignet.

·     Bei Abneigung gegen Fleisch- und Wurstwaren sollten Eier und Milchprodukte bevorzugt werden.

·     Bei Entzündungen der Mundschleimhaut sollten die Speisen nicht zu heiß verzehrt werden, auch salzige, stark gewürzte und saure Speisen sind nicht geeignet.

·     Bei Erbrechen und Durchfällen sollte an reichliche Flüssigkeitszufuhr gedacht werden.

 

 

Stand 22.06.07

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Aktualisiert am 09.02.2009 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS