Ursachen der Hormonentzugssymptome bei Krebserkrankungen können
vielfältiger Natur sein. Es kann sich auch um das zeitgleiche Auftreten dieser
Symptome im Rahmen des normalen Lebensprozesses handeln.
Häufiger ist jedoch die durch die Therapie herbeigeführte
Symptomatik, sei es im Rahmen der operativen Entfernung der Gonaden (Eierstöcke
bzw. Hoden) zur Entfernung der Krebsgeschwulst, sei es im Rahmen der gezielten
antihormonellen Therapie, um evtl. noch vorhandene oder sicher nachgewiesene
Tumorzellen, die auf Hormone mit einem Wachstumsschub reagieren könnten, zu
behandeln.
Eine weitere Möglichkeit für das Auftreten von
Hormonentzugssymptomen im Rahmen einer Krebserkrankung ist eine Chemotherapie,
die zur Zerstörung der hormonproduzierenden Zellen führen kann. Hierbei ist es
von den ausgewählten Chemotherapiemitteln und ihren Dosierungen abhängig, ob es
sich um eine vorübergehende oder anhaltende partielle oder komplette
Ausfallssymptomatik handelt.
Heutzutage kommt es im Rahmen einer Bestrahlungstherapie selten
zu einem Ausfall der Gonaden, da es vielfach gelingt, durch entsprechende
Abschirmungen oder Verlagerungen der empfindlichen Organe diese bei der Therapie
zu schonen.
Ein Sonderfall ist die gezielt eingesetzte Bestrahlung der
Eierstöcke zur definitiven Ausschaltung, wenn eine medikamentöse antihormonelle
Therapie nicht gewünscht ist.
Die Folgen des Hormonentzugs sind von PatientIn zu PatientIn
unterschiedlich ausgeprägt, bei einigen Betroffenen kommt es zu ausgeprägten
Symptomen, bei anderen zeigt sich ein eher milder Verlauf und eine rasche
Rückbildung der Symptomatik.
Zu den von den meisten PatientInnen als besonders unangenehm
empfundenen Symptomen gehören Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die häufiger
bei Frauen als bei Männern auftreten können.
Durch den Ausfall der Hormone kann es außerdem zu psychischen
Veränderungen kommen, die sich bis zu einer Depression entwickeln können.
Hierbei sind die Abgrenzungen zu der Reaktion auf die bösartige Grunderkrankung
nicht immer eindeutig möglich.
Eine weitere Folgeerscheinung des Hormonausfalles sind bei
Frauen wie bei Männern Umbauvorgänge im Knochenbereich im Sinne einer
Osteoporose. Außerdem berichten relativ viele Patienten über Gelenk- und
Muskelschmerzen. Als lokale Folgeerscheinungen kommt es insbesondere bei der
Frau zu einer Trockenheit der Schleimhäute im Bereich der Scheide und zu einer
Blasenschwäche.
Die Therapie der Hormonentzugssymptomatik muss immer im
Hinblick auf die Grunder-krankung und die Ursache der Symptome durchgeführt
werden.
Handelt es sich um junge Patienten mit nicht hormonabhängigen
Tumoren, bei denen es im Rahmen einer Bestrahlung oder Chemotherapie zu
Ausfallssymptomen gekommen ist, so ist ein kompletter Hormonersatz mit
Simulation der natürlichen Zyklen indiziert.
Bei Patienten mit hormonabhängigen Tumoren ist diese
Möglichkeit ausgeschlossen, im Rahmen einer antihormonellen Therapie wäre sie
als sinnlos und kontraproduktiv einzustufen. In dieser Situation können dem
Patienten verschiedene alternative Vorgehensweisen angeboten werden. Hierbei
gibt es sowohl Möglichkeiten aus der Schulmedizin als auch Ansätze im Rahmen der
Ordnungstherapie und Naturheilkunde.
Schlafstörungen
Im Rahmen von Hormonentzugssymptomen kann es zu zum Teil
ausgeprägten Schlaf-störungen kommen. Diese sind nur teilweise durch die auch
nächtlich auftretenden Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu erklären.
Ganzheitsmedizinisch werden Schlafstörungen auf
unterschiedlichem Wege behandelt. Hierzu gehören allgemeine Maßnahmen wie
Schlafhygiene, regelmäßige Schlafzeiten, relativ frühes Abendessen etc. Außerdem
sollten koffeinhaltige Getränke, aber auch größere Mengen Alkohol vor dem
Schlafengehen vermieden werden.
Auch das Erlernen eines Entspannungsverfahrens kann in diesem
Zusammenhang schlaffördernd wirken. Regelrechte Schlafmittel sollten nur
kurzfristig und in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
Aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde sind die schlaffördernde
Wirkung von Baldrian, Hopfen und Lavendel nachgewiesen. Baldrian und Hopfen
können in Tabletten- oder Tropfenform eingenommen werden, wobei beim Kauf der
Präparate auf eine ausreichend hohe Dosierung zu achten ist. Lavendel kann auch
in Form von Lavendelfußbädern und Lavendelkissen hilfreich sein.
Therapie der depressiven Verstimmung und Depression
Die Therapie einer voll ausgeprägten Depression gehört in die
Hand des Facharztes und muss entsprechend medikamentös erfolgen. Bei leicht und
mittelgradig ausgeprägten depressiven Verstimmungen ist eine naturheilkundliche
Behandlung mit einem Johanniskrautpräparat sinnvoll und in Studien gut belegt.
Darüber hinaus gehört hierzu eine ausführliche psychologische bzw.
psychoonkologische Begleitung, die bei der Krankheits-verarbeitung unterstützt.
Auch die regelmäßige Ausübung von Sport kann hilfreich
sein.
Prophylaxe und Therapie der Osteoporose, Gelenk- und
Muskelschmerz
Grundsätzlich kann allen Patienten mit
Hormonausfallserscheinungen eine Osteoporose-prophylaxe empfohlen werden. Hierzu
gehört eine gesunde Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Kalzium, ggf. auch
eine Kalziumsubstitution, der Zielwert liegt bei 1000 bis 1500 mg täglich.
Außerdem sollte auf eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr mit der Nahrung geachtet
werden und an die zur Aktivierung des Vitamin D notwendige UV-Einstrahlung.
Insbesondere in den Wintermonaten ist dies in Europa zum Teil nicht sicher
gewährleistet, so dass rechtzeitig über eine Vitamin D-Einnahme gesprochen
werden sollte.
Besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose
(z. B. entsprechende Familienanamnese, niedrige Knochendichtemessung im
Ausgangsbefund), so ist zu diskutieren, ob eine prophylaktische Therapie mit
sog. Bisphosphonaten sinnvoll ist. Diese wird leider von der gesetzlichen
Krankenversicherung derzeit nicht übernommen. Es stehen verschiedene Präparate
zur Injektion, Infusion, aber auch zur oralen Einnahme zur Verfügung.
Im naturheilkundlichen Bereich gibt es Hinweise darauf, dass
Pflanzen, die Phytoöstrogene enthalten, auch knochenstabilisierend wirken
können. Es sollte jedoch beachtet werden, dass der dann üblicherweise empfohlene
hohe Verzehr von Sojaprodukten, falls er ersatzweise zu Milchprodukten gesehen
wird, zu einer in der Regel verminderten Kalziumaufnahme führt. In diesen Fällen
sollte auf mit Kalzium angereicherte Sojapräparate zurückgegriffen werden oder
eigenständig substituiert werden. Außerdem sind Phytoöstrogene bei
hormonabhängigen Tumorerkrankungen nicht unumstritten (siehe unten).
Ein weiterer wesentlicher Baustein zur Prophylaxe einer
Osteoporose ist die regelmäßige Belastung der Knochen in Form eines moderaten
Ausdauertrainings, z. B. Walken. Schwimmen ist hierzu weniger geeignet, da durch
den Auftrieb im Wasser keine Gewichtsbelastung der Knochen eintritt.
Ist eine Osteoporose eingetreten, so sind Mittel der ersten
Wahl die oben bereits beschriebenen Bisphosphonate, auch hier in der Kombination
gezielt mit Kalzium und Vitamin D. Weitere Medikamente sind Calcitonin und
Fluoride.
Das Auftreten von Knochen- und Gelenkschmerzen im Rahmen einer
antihormonellen Therapie wird mit einer noch klinisch und in der Bildgebung
nicht nachzuweisenden beginnenden Osteoporose in Verbindung gebracht, dies kann
jedoch nicht als eine gesicherte Ursache angenommen werden.
Einige PatientInnen erfahren eine Linderung der Symptomatik bei
einem Wechsel der antihormonell wirksamen Substanz.
Unter guter Beobachtung des Patienten/der Patientin und
Kontrolle, ob sich eine Osteoporose entwickelt, kann Behandlungsversuch mit
phytotherapeutischen (pflanzlichen) Schmerzmitteln gemacht werden. Zum Einsatz
können Extrakte aus der Weidenrinde, Brennessel oder Teufelskralle gelangen.
Auch Kombinationspräparate wurden bereits erfolgreich eingesetzt.
Die
ausführliche Information zu diesem Krankheitsbild stellen wir Ihnen hier
gern als PDF-Dokument zur Verfügu

Therapie der Hormonentzugssymptome bei Frauen und Männern pdf