Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Endometrium- und Corpuskarzinom sind Begriffe für die bösartige
Tumorerkrankung der Gebärmutterschleimhaut. Diese Tumore kommen vorwiegend bei
Frauen im Alter von 65-70 Jahren vor. Wegen des führenden Symptoms der Blutung
nach der Menopause wird der Tumor meist früh entdeckt und hat dann eine gute
Prognose. Deshalb sollte jede Blutung aus der Scheide nach den Wechseljahren zum
Arztbesuch führen und abgeklärt werden.
Risikofaktoren
Als Risikofaktoren gelten Hormoneinwirkungen auf die Gebärmutterschleimhaut,
insbesondere die Einnahme von Östrogenen ohne Progesteron sowie Übergewicht. Ein
weiterer Risikofaktor ist die bei Brustkrebs eingesetzte Therapie mit Tamoxifen.
Feingewebliche Untersuchung und Stadieneinteilung
Die meisten Endometriumkarzinome sind sog. Adenokarzinome, also von
Schleimhautzellen ausgehende Krebsformen, die unterteilt werden in serös und
serös-papillär (jeweils mit schlechterer Prognose) sowie klarzellig und muzinös.
Selten treten Plattenepithelkarzinome, gemischte Formen oder undifferenzierte
Karzinome auf.
Zur Planung der Therapie werden die Endometriumkarzinome in Stadien
eingeteilt. Die Stadiumbestimmung ist wichtig zur Festlegung einer individuell
passenden Therapie mit der Patientin gemeinsam.
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Stadium Ia |
Tumor begrenzt auf Endometrium |
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Stadium Ib |
Tumor infiltriert bis zur Hälfte der Muskelschicht der
Gebärmutter |
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Stadium Ic |
Tumor infiltriert über die Hälfte der Muskelschicht der
Gebärmutter |
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Stadium IIa |
Tumor infiltriert die sog. endozervikalen Drüsen |
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Stadium IIb |
Tumor infiltriert den Gebärmutterhals |
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Stadium IIIa |
Die Tumorzellen sind auf die Oberfläche der Gebärmutter nach außen
durchgebrochen, infiltrieren den Eileiter oder die Eierstöcke oder
Tumorzellen sind in der Bauchflüssigkeit nachweisbar |
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Stadium IIIb |
Befall der Vagina |
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Stadium IIIc |
Metastasen in den Lymphknoten im Becken oder entlang der
Hauptschlagader |
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Stadium IVa |
Infiltration von Tumorzellen in die Schleimhaut der Harnblase oder des
Enddarmes |
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Stadium IVb |
Fernmetastasen oder Lymphknoten im Bereich der
Leisten |
Häufige Metastasenabsiedlungen befinden sich in den Leistenlymphknoten des
Beckens und entlang der Hauptschlagader, auf dem Bauchfell, in Lunge und
Leber.
Therapie
Operation
Wird der Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt (Stadium Ia, Tumor
kleiner als 2 cm, gut differenziert, G1), so erfolgt in der Operation nach
Inspektion der Bauchhöhle die Entfernung der Gebärmutter, beider Eileiter und
beider Eierstöcke.
Ist auch der Gebärmutterhals betroffen, erfolgt eine ausgedehntere Operation
(sog. Wertheim-Meigs-Operation).
In allen anderen Fällen wird die Entfernung der Lymphknoten entlang der
Blutgefäße des kleinen Beckens und der Hauptschlagader im Bauchraum empfohlen.
Da hiermit mögliche Metastasen entfernt werden, ist der weitere Verlauf
wesentlich günstiger als ohne diese erweiterte Operation. Die Nachteile sind die
größere und längere Operation und die mögliche Entwicklung eines Lymphödems
eines oder beider Beine.
In den Stadien I-III wird die Operation mit dem Ziel einer kompletten Heilung
durchgeführt. Die Heilungsaussichten sind insbesondere in den frühen Stadien
ausgezeichnet. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien kann durch eine
ausgedehnte Tumoroperation, die auch die Operation der Harnblase oder des
Enddarmes einschließen kann, eine Heilung oder ein langfristiger Verlauf
erreicht werden.
Adjuvante Strahlen- und Chemotherapie
Die Strahlentherapie wird durchgeführt, um einen lokalen Rückfall zu
verhindern. Häufig von einem Rückfall betroffen ist das operativ verschlossene
obere Ende der Scheide, daher wird in vielen Fällen eine intravaginale
Bestrahlung (Brachytherapie) empfohlen. Diese Therapie ist sehr effektiv, kann
jedoch zu unterschiedlich ausgeprägten, meist vorübergehenden Entzündungen der
Scheidenschleimhaut führen. Bei Beschwerden, auch nach Abschluss der Therapie,
sollten Patientinnen den Strahlentherapeuten oder Frauenarzt konsultierten.
Die Strahlentherapie des gesamten Beckenbereiches von außen wird bei
Lymphknotenmetastasen oder ausgedehntem Tumor empfohlen.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass auch eine Chemotherapie vor dem
Wiederauftreten der Erkrankung schützt. Derzeit wird diskutiert, wann welche die
Heilung unterstützende sog. adjuvante Therapie durchgeführt werden sollte.
Therapie bei Fernmetastasen
Je nach Lokalisation der Fernmetastasen wird mit der Patientin gemeinsam
entschieden, welches Vorgehen individuell zu wählen ist. In Einzelfällen kann
auch eine Metastase operativ entfernt werden, alternativ kommt insbesondere bei
Knochenmetastasen oder Schmerzen eine palliative Bestrahlung in Frage.
Darüber hinaus kann versucht werden, das weitere Fortschreiten der Erkrankung
durch eine Hormon- oder Chemotherapie zu verhindern bzw. Symptome zu
lindern.
Als Hormontherapeutikum (endokrine Therapie) hat sich
Medroxyprogesteronacetat (MPA) bewährt.
In der Chemotherapie werden verschiedene Substanzen eingesetzt, als
Einzelsubstanzen kommen Doxorubicin, Epirubicin, Platinabkömmlinge und Taxane
sowie Kombinationen in Frage.
Nachsorge
Die regelmäßige Nachsorge erfolgt in der Regel beim Frauenarzt. Sie besteht
aus Anamnese und gynäkologischer Untersuchung.
Angebot der Habichtswald-Klinik Kassel für Patientinnen mit
Endometrium-Karzinom
- Einholung einer
zweiten Meinung (second opinion) vor der Operation
-
Anschlussheilbehandlung nach der Operation
- Durchführung einer
notwendigen stationären Chemotherapie
- In ausgewählten
Fällen ist auch die Durchführung einer Strahlentherapie während eines
stationären Aufenthaltes in Kooperation möglich
Rehabilitation in der Habichtswald-Klinik Kassel
Unsere therapeutischen Angebote tragen zur Wiedererlangung der Einheit von
Körper, Geist und Seele bei.
Während einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer Rehabilitation erfahren
die Patientinnen eine intensive Begleitung der Therapie, die zur Steigerung der
Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll. Sie werden umfassend und
vertrauensvoll über das für und wider jedes Behandlungsschrittes ausführlich im
Gespräch zwischen Arzt und Patientin aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer
interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und
Psychologen.
Ganzheitliche Medizin bedeutet Berücksichtigung aller Dimensionen des Lebens,
also neben den rein körperlichen Gesichtspunkten auch die geistigen und
seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die
Zerstörung des Tumors, sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die
Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Im Rahmen der Behandlung eines Endometrium-Karzinoms gibt es keine
komplementäre Therapie, die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen
kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während
und nach der schul-medizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären
Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel, die
Pflanzenheilkunde (z. B. zur Linderung von postoperativ auftretenden
Hormonentzugssymptomen), zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur
natürlichen Beeinflussung von Ängsten und Depressionen.
Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der
Krebserkrankung und den schulmedizinischen Medikamenten leidende Immunsystem zu
stärken und in seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.
Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch
eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden.
Wir bieten verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung sowie Vitalkost
(ausgewogene Form der Makrobiotik) und alle medizinisch erforderlichen Diäten
an. Darüber hinaus kann die ayurvedische Ernährung kennen gelernt werden.
Erfahrene Diätassistentin führen Einzelberatungen durch, bieten Kochkurse an und
halten Vorträge. So gelingt es, die Lebensqualität auch im fortgeschrittenen
Krankheitsstadium deutlich zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass durch die
Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt
werden.
Eine begleitende psychologische Betreuung soll die Erfahrung der
lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten der
eigenen Zukunft ermöglichen. Onkologisch erfahrene Psychotherapeuten begleiten
unsere Patientinnen in Gruppen- und Einzeltherapien. Durch die Einzeltherapien
ist es möglich, nicht nur die unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose,
sondern auch in der Lebensgeschichte liegende Probleme zu thematisieren und
gezielt zu bearbeiten.
Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik sowie der Bäder- und
Massageabteilung dazu bei, dass die Patientin ihr körperliches Wohlbefinden
wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage-
und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, die gezielt
die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, wodurch wieder Zutrauen in den
eigenen Körper gewonnen und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu
erreicht wird.
Die Aufnahme kann kurz nach einer Operation erfolgen. Wenn noch erforderlich,
übernehmen wir die pflegerische Betreuung und Wundversorgung.
Da die meisten Frauen bei Diagnosestellung wegen ihres Alters die
Familienplanung abgeschlossen haben, führt die notwendige Entfernung der
Gebärmutter und auch die Entnahme der Eierstöcke nach den Wechseljahren zu
keinen hormonellen Beschwerden.
Trotzdem sollte das Trauma einer Unterleibsoperation und die
Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs auch bei exzellenter Prognose nicht
unterschätzt werden. Neben der direkten ärztlichen und pflegerischen Betreuung
legen alle unsere Mitarbeiter deshalb besonderen Wert auf die psychologische
wertschätzende Begleitung der Patientin.
Allgemeine und spezielle Informationen zur Krebserkrankung erhalten die
Patientinnen in Seminaren, Vorträgen und während der Visiten.
Bei der Diagnose Krebs taucht oft die Frage nach dem Sinn auf. Wir haben
verschiedene Angebote, die bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema helfen.
Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein nicht konfessionell
gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über Sakralen Tanz zum
gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen
Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Stand 22.06.07