Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Das Maligne Melanom ist ein in Deutschland noch seltener Krebs, der jedoch
zunehmend häufiger auftritt. Risikofaktoren sind ein heller Hauttyp,
Sonnenexposition, insbesondere in der Jugend vermehrte Sonnenbrände sowie sog.
dysplastische Muttermale.
Melanome können im Bereich der Haut, seltener der Schleimhäute oder der
Aderhaut im Auge auftreten.
Feingewebliche Untersuchung und Stadienverteilung
Melanome gehen von den pigmentbildenden Hautzellen aus. Sie werden
unterschieden in ein oberflächlich sich ausbreitendes (superfiziell spreitendes)
Melanom, eine knotenförmig wachsende Form (noduläres Melanom), eine an den
Spitzen der Finger oder Zehen auftretende Form (acrolentiginöses Melanom) sowie
die sog. Lentigo maligna.
Die Stadieneinteilung erfolgt in verschiedenen Systemen.
Nach Breslow wird die Tumordicke unterschieden:
|
I |
< 0,75 mm |
|
II |
0,76-1,5 mm |
|
III |
1,51-4,0 mm |
|
IV |
> 4 mm |
Nach Clark die Eindringtiefe:
|
I |
oberflächliches sog. in-situ-Melanom |
|
II-IV |
die verschiedenen Hautschichten durchsetzendes Melanom |
|
V |
die Unterhaut betreffendes Melanom |
Im TNM-System steht T für die Tumordicke und Eindringtiefe (stellt also eine
Kombination aus der Einteilung nach Breslow und Clark dar), N steht für den
Lymphknotenbefall (nodur) und M für eine Fernmetastasierung.
Darüber hinaus gibt es noch eine Stadieneinteilung nach der Amerikanischen
AJCC, ebenfalls unterschieden in Ia, Ib, IIa, IIb, III und IV. Diese Einteilung
ist vor wenigen Jahren geändert worden, so dass in der Literatur oder
Arztbriefen zu beachten ist, aus welchem Jahr der Text stammt.
Symptome
Melanome treten als asymmetrische unscharf begrenzte Flecken auf, sie sind in
der Regel hellbraun bis schwarz, können aber auch nicht pigmentiert erscheinen.
Gelegentlich sind sie blutend, juckend oder geschwürartig wachsend.
Unterscheidungskriterien zu einem normalen Muttermal werden nach der
ABCDE-Regel zusammengefasst. Hierbei steht für A für Asymmetrie, B für
Begrenzung, C für inhomogene Farbe (colour), D für Durchmesser > 5 mm und E
für Größenzunahme (enlargement) oder Erhabenheit.
Diagnose
Die Diagnose des Melanoms wird in der Regel durch den Hautarzt bei der
Untersuchung der gesamten Haut, also am komplett entkleideten Patienten
gestellt. Es stehen besondere mikroskopische Techniken zur Verfügung, die bei
dieser Untersuchung am Patienten angewandt werden können und die
Diagnosesicherheit wesentlich erhöhen.
Im Zweifelsfall muss der komplette verdächtige Knoten entfernt werden und
feingeweblich untersucht werden. Außerdem ist die Untersuchung der zugehörigen
Lymphknoten bei der Erstdiagnose eines Melanoms erforderlich. Hier wird in den
meisten Fällen heutzutage die sog. Wächterlymphknotentechnik
(sentinel-node-biopsy) angewandt.
Gegebenenfalls muss die Diagnose unterstützt werden durch die Fahndung nach
Fernmetastasen mittels Ultraschalluntersuchungen, Röntgenuntersuchungen, evtl.
auch Computertomographien oder Kernspintomographien.
Therapie
Im Stadium T1-2 N0-2 M0 wird die Operation mit einem ausreichenden
Sicherheitsabstand durchgeführt. Im Stadium T3-4 N0 reicht ebenfalls die
Operation. Eine anschließende Immuntherapie mit Interferon und/oder Interleukin
senkt die Rezidivrate.
Im Stadium T3-4 N1 erfolgt die Operation mit Lymphknotenentfernung und auch
hier die anschließende Immuntherapie.
In metastasierten Erkrankungsstadien muss gemeinsam mit dem Patienten
entschieden werden, ob eine Chemotherapie, eine Chemo-Immuntherapie oder im
Rahmen von Studien auch Tumorimpfungen oder die Anwendung von Dendritischen
Zellen sinnvoll ist.
Immun- und Chemotherapie
Wirksame Chemotherapeutika bei Melanom sind: Dakarbazin, Temozolomid,
Cisplatin, BCNU, CCNU, Fotemustin, Vinblastin, Ifosfamid und Melphalan. Die
Immuntherapie wird meist mit Interferon durchgeführt. Hierbei existieren
genau wie bei der Chemotherapie verschiedene Protokolle, bei deren
unterschiedlichen Dosierungen und zeitlichen Anwendungen eine auf das
Erkrankungsstadium des Patienten und die individuelle Verträglichkeit ausgelegte
Therapie erfolgen sollte.
Die Nebenwirkungen der Immuntherapie mit Interferon bestehen in
grippeähnlichen Symptomen, welche in vielen Fällen erfolgreich mit Paracetamol
behandelt werden können. Außerdem kann den Patienten Erleichterung verschafft
werden, indem die Injektionen in die Abendstunden verlegt werden, so dass die
Nebenwirkungen in die nächtliche Schlafphase fallen. Bei einigen Patienten kommt
es zu psychischen Nebenwirkungen in Form von Depressionen, auch hier kann eine
gezielte Therapie erfolgen.
Neu entwickelte Interferonformen (sog. pegyliertes Interferon) soll eine
bessere individuelle Verträglichkeit aufweisen.
In ausgewählten Fällen kann die Operation einzelner Metastasen den weiteren
Krankheitsverlauf zum Teil für viele Monate oder Jahre zurückdrängen. Eine
besondere Behandlungsform stellt die Chemotherapie mit Hyperthermie dar.
Bei den regionalen hyperthermen Extremitätenperfusionen wird bei
fortschreitenden Melanomen im Bereich einer Extremität der Blutkreislauf für
eine kurze Zeit aus dem normalen Körperkreislauf ausgeschaltet und eine
Chemotherapie unter Überwärmungsbedingungen durchgeführt. Diese Therapieform ist
nur unter Intensivstationsbedingungen möglich.
Aktuell beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, ob zur Vermeidung des
Rückfallrisikos oder bei eingetretener Metastasierung eine gezielte Aktivierung
des Immunsystems in Form der Tumorimpfung oder mit der Gabe von speziellen
Immunzellen (sog. Dendritische Zellen) wirksam ist. Erste Ergebnisse zeigen,
dass dies ein interessanter Ansatz ist. Diese Therapie sollte auf jeden Fall in
Studien an spezialisierten Zentren durchgeführt werden.
Nachsorge
Nach erfolgreicher primärer Therapie eines Melanoms erfolgt im ersten und
zweiten Jahr eine klinische Untersuchung alle 3 Monate incl. Röntgenuntersuchung
der Brustorgane und Ultraschall alle 6 Monate, ab dem 3. Jahr können die
Untersuchungsintervalle auf 6 Monate und Röntgen- und Ultraschall alle 12 Monate
erweitert werden.
Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Melanomen in der
Habichtswald-Klinik Kassel
Patienten mit einem Melanom können jederzeit im Rahmen der second
opinion in unserer Klinik beraten werden.
Im Rahmen einer fortschreitenden Erkrankung können Chemotherapien und auch
Immuntherapien durchgeführt werden.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation für
Melanompatienten
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere
therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von
Körper, Geist und Seele bei.
Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer
Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie,
die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Wird ein Melanom frühzeitig erkannt, so besteht eine exzellente Aussicht auf
eine Heilung durch die Operation. Auch für diese Patienten kann jedoch die erste
Diagnose einer Krebserkrankung eine erhebliche psychische Belastung bedeuten, so
dass eine intensive psycho-onkologische Begleitung in unserem Haus die
Neuorientierung auf die eigene Zukunft, auf die berufliche, familiäre und
private Situation ermöglicht.
Nur in seltenen Fällen kommt es bei modernen Operationstechniken zu nach der
Operation anhaltenden körperlichen Einschränkungen, z. B. durch Ausbildung von
Lymphödemen oder durch die Beweglichkeit einschränkende Narben.
In diesen Fällen kann eine gezielte Krankengymnastik bzw.
Lymphdrainagebehandlung wesentliche Erleichterung bringen.
Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der Massage- und
Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um gezielt die
körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in den eigenen
Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität zu
erreichen.
Patienten mit einer fortschreitenden Melanomerkrankung können durch
wiederholte Therapiemaßnahmen wie oben dargestellt bessere Überlebenszeiten mit
ihrer Krebserkrankung erreichen als noch vor einigen Jahren üblich.
Hierbei kann es jedoch zu z. T. wiederholten operativen Eingriffen kommen, so
dass die Rehabilitation sich an den individuellen Bedürfnissen des Patienten
ausrichten muss.
Durch Chemotherapien, aber auch langfristig durchgeführte Immuntherapien kann
es auf dem Boden der Nebenwirkungen trotz einer Verzögerung des Fortschreitens
der Erkrankung zu Einbußen der Lebensqualität kommen.
Ein besonderer Schwerpunkt der Habichtswald-Klinik ist es, diese
Nebenwirkungen der Therapien durch individuell ausgewählte Begleitmaßnahmen und
intensive Aufklärung des Patienten zu lindern und so eine Integration in seinen
persönlichen Lebensbereich zu ermöglichen.
Einige Folgeerscheinungen der Melanomerkrankung und Nebenwirkungen der
Therapie können durch gezielte naturheilkundliche Verfahren bekämpft werden.
Unter komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte
Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von
postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von
Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und
Depressionen.
Der Wunsch vieler Patienten, die Krebserkrankung selbst durch
naturheilkundliche Maßnahmen zu bekämpfen, ist verständlich, muss jedoch sehr
differenziert betrachtet werden, da zum Beispiel die sonst bei Krebserkrankungen
häufig angewendete Misteltherapie beim Melanom nach aktuellen Studien eher
negative Auswirkungen hat. Umso wichtiger ist uns eine intensive und
individuelle Aufklärung des Patienten unter ganzheitlichen Gesichtspunkten.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für den Krebspatienten die Berücksichtigung
aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch
die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die
Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die
die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Eine begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die
Erfahrung der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives
Gestalten der eigenen Zukunft ermöglichen. Speziell onkologisch erfahrene
Psychotherapeuten begleiten unsere Patienten in Gruppentherapien und
Einzeltherapien. Durch Einzeltherapien ist es möglich, nicht nur die
unmittelbare Verarbeitung der Krebsdiagnose, sondern auch in der
Lebensgeschichte der Patientin liegende Probleme zu thematisieren und gezielt zu
bearbeiten.
Es gelingt so sogar für Patienten in einem fortgeschrittenen
Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon
aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen
Abwehrkräfte gestärkt werden.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.
Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch
eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden,
Dabei muss die Krankheitsgeschichte des Patienten berücksichtigt werden. Deshalb
bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost
(ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen
Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische
Ernährung kennen lernen.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patienten die Frage nach dem Sinn
auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger
Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema
auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein
nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über
Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen
Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patienten, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus kommen,
werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes
Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient
aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer
interdisziplinären Sichtweise von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und
Psychologen.
Stand 26.08.08