Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Das
Mammakarzinom (Brustkrebs) ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Die
Erkrankung von Männern am Mammakarzinom ist dagegen mit 1 % aller Betroffenen
sehr selten.
Aber nicht nur deshalb ist das Mammakarzinom für Frauen eine besonders
bedrohliche Erkrankung. Durch die Häufigkeit dieser Erkrankung kennt fast jede
Frau andere Frauen im Bekannten- oder Familienkreis, die an einem Mammakarzinom
erkrankt sind. Dies führt zu Angst und Unsicherheit bezüglich des eigenen
Risikos und bezüglich möglicher oder notwendiger Vorsorgemaßnahmen. Wir wissen,
dass etwa 5-10% aller Mammakarzinome bei Frauen auftreten, die eine erbliche
Belastung haben. Einige dafür verantwortliche Gene (BRCA1 und BRCA2) sind zwar
bekannt, und wir wissen um das besonders hohe Risiko von Frauen, die mit einem
solchen „Brustkrebsgen“ behaftet sind, für die übrigen 90-95% aller Betroffenen
gibt es derzeit keine nachweisbaren einzelnen Ursachen.
Hinweise auf einen erblichen Brustkrebs sind (nach dem Schwerpunktprogramm
der Deutschen Krebshilfe):
· Familien mit mindestens
zwei Erkrankten an Mammakarzinom (Brustkrebs) und/oder Ovarialkarzinom, davon
mindestens eine unter 50 Jahren oder 3 Erkrankte an Mamma- oder Ovarialkarzinom
über 50 Jahren.
· Familien mit einer an
einseitigem Mammakarzinom Erkrankten unter 31 Jahren oder beidseitigem
Mammakarzinom unter 41 Jahren.
· Familien mit einer an
Ovarialkarzinom Erkrankten unter 41 Jahren
· Familien mit einer an
Mamma- und Ovarialkarzinom Erkrankten.
· Familien mit einem an
Mammakarzinom männlichen Erkrankten.
Eine Vielzahl von Risikofaktoren des Mammakarzinoms sind bekannt (frühe erste
Menstruation, keine Kinder, keine Stillzeiten, später Eintritt des
Klimakteriums, Alkohol, fettreiche Ernährung und Übergewicht), allerdings führen
diese für sich allein genommen nicht zwangsläufig zum Mammakarzinom. Tatsächlich
müssen weder Frauen, die sämtliche bekannten Risikofaktoren aufweisen, ein
Mammakarzinom bekommen, noch sind Frauen, die keinen Risikofaktor aufweisen,
sicher, dass sie von der Erkrankung verschont bleiben werden. Als Schutzfaktor
ist regelmäßiger moderater Sport anerkannt.
Wie kaum ein anderer Tumor führt das Mammakarzinom zu starken Eingriffen in
die körperliche, seelische, geistige Integrität der betroffenen Frauen. Das
Gefühl der Unverwundbarkeit und unerschütterlichen Gesundheit wird durch die
Diagnose Mammakarzinom aufs Tiefste erschüttert, ja manchmal nahezu vollständig
zerstört. Die mit äußerlich sichtbaren Veränderungen einhergehende Operation
erzeugt oft das Gefühl, nicht mehr attraktiv zu sein und sich nicht mehr als
vollständige Frau fühlen zu können. Störungen der Sexualität und Partnerschaft
sind eher die Regel als die Ausnahme. Die betroffene Frau, meist aus voller
Vitalität zur Patientin geworden, bedarf der intensiven Unterstützung in der
Verarbeitung der Diagnose.
Im Rahmen des Disease-Management-Programms „Brustkrebs“ ist ein
Qualitätsmerkmal die zügige Leitung der Patientin von der Verdachtsdiagnose über
die Diagnose zur Therapie. Dies wird aber nicht dem Bedürfnis der Frauen
gerecht, die in Ruhe überlegen und mitentscheiden wollen. Hier ist wichtig zu
wissen: die Diagnose Brustkrebs ist keine Notfallindikation. Jede Frau hat das
Recht, sich verschiedene Meinungen einzuholen, sich in Ruhe zu überlegen, welche
Therapie sie wählt, wenn verschiedene Behandlungswege vorgeschlagen werden. Nur
zu einem sollte es nicht kommen: zu einer unnötig langen Therapieverzögerung.
Denn: Brustkrebs im Frühstadium ist heilbar - diese Chance sollte genutzt
werden.
Im Einzelnen sind folgende Entscheidungs- und Therapieschritte beim
Mammakarzinom von Bedeutung:
Vom Verdacht zur Diagnose
Jede knotige Veränderung in der Brust einer Frau, die sich nicht innerhalb
eines Menstruationszyklus zurück bildet, ist verdächtig. Jede Veränderung der
Form und Größe einer Brust, jede Veränderung der Brusthaut und der Brustwarze
bedarf der ärztlichen Untersuchung. Jede insbesondere einseitige Absonderung von
Sekret aus der Brust muss Aufmerksamkeit erregen. Neben der Tastuntersuchung,
der Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) und der Ultraschalluntersuchung
kann in besonderen Fällen auch eine Kernspintomographie erforderlich sein. Zur
Sicherung des Verdachts wird eine Gewebeprobe entnommen. Naturheilkundliche
Diagnoseverfahren zum Ausschluss eines Mammakarzinoms haben sich als nicht
aussagekräftig erwiesen.
Wenn die Untersuchungen nicht eindeutige
Gutartigkeit ergeben, sollte die verdächtige Veränderung operativ entfernt
werden.
Feingewebliche Untersuchung und Stadieneinteilung
In der feingeweblichen Untersuchung wird unterschieden zwischen einem
Carcinoma in situ und einem invasiven Karzinom. 95 % aller In-Situ-Karzinome
sind dem ductalen Typ zuzuordnen (DCIS), 5 % dem lobulären Typ (LCIS). Bei den
invasiven Karzinomen werden verschiedene Unterformen differenziert, am
häufigsten sind invasiv ductale Karzinome.
Die Stadieneinteilung des Mammakarzinoms erfolgt in der Regel nach dem
TNM-Schema. Hierbei steht T für die Tumorgröße, N für den Lymphknotenbefall
(Nodus), M für die Metastasierung.
|
TIS |
In-Situ-Karzinom |
|
T1 |
Tumor ≤ 2 cm |
|
T1a |
Tumor ≤ 0,5 cm |
|
T1b |
Tumor 0,5-1 cm |
|
T1c |
Tumor > 1-2 cm |
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T2 |
Tumor 2-5 cm |
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T3 |
Tumor > 5 cm |
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T4 |
Infiltration von Haut oder Brustwand (d. h. Rippen, Muskulatur zwischen
den Rippen) oder inflammatorisches Karzinom |
|
N0 |
Lymphknoten tumorfrei |
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N1 |
Verschiebliche gleichzeitige Lymphknoten in der Achselhöhle |
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N1a |
Mikrometastasen < 0,2 cm |
|
N1b |
Jede Lymphknotenmetastase > 0,2 cm |
|
N2 |
Untereinander oder mit anderen Strukturen fixierte Lymphknoten in der
gleichseitigen Achselhöhle |
|
N3 |
Lymphknotenbefall entlang einer hinter dem Brustbein verlaufenden,
mittig gelegenen Arterie (Arteria mammaria
interna) |
Die Operation
Die moderne Brustoperation wird meist brusterhaltend durchgeführt. In wenigen
Fällen (inflammatorisches Karzinom, d. h. die Brust sieht wie entzündet aus,
multizentrisches Karzinom, d. h. mehrere Herde in einer Brust, sowie eine
spezielle feingewebliche Untergruppe (ausgedehntes DCIS) muss die Brustdrüse
komplett entfernt werden.
Da die Brustkrebszellen über die Lymphknoten in den Körper streuen können,
werden die Lymphknoten der unteren und mittleren Ebene der Achselhöhle operativ
entfernt. Die Diagnostik der Achsellymphknoten ist unverzichtbarer Bestandteil
der Brustkrebsoperation, da das Ergebnis wesentliche Informationen für die
weitere Therapie gibt. Umgekehrt entsteht aus dieser Operation das Risiko eines
Lymphödem des Armes. Deshalb wurde die moderne Technik der Identifizierung und
Operation des sog. Wächterlymphknotens (Sentinel-Node-Biopsy) entwickelt.
Hierbei werden der erste oder die ersten ableitenden Lymphknoten über eine
Markierungstechnik identifiziert und entfernt. Nur wenn er in der
feingeweblichen Untersuchung befallen ist, erfolgt eine weitergehende operative
Entfernung der anderen Lymphknoten der Achselhöhle.
War eine komplette Entfernung der Brust notwendig oder besteht eine deutliche
Verkleinerung der Brust, so gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Frau,
eine kosmetisch gute Lösung zu finden. Neben auf die Haut geklebten oder im BH
getragenen äußeren Prothesen stehen verschiedene Verfahren des operativen
Brustaufbaus zur Verfügung. Prinzipiell besteht die Auswahl zwischen
körpereigenem Gewebe oder künstlichem Material. Der Brustaufbau kann direkt
während der Brustkrebsoperation durchgeführt werden, aber auch später nach
Bedenkzeit der Frau erfolgen.
Strahlentherapie
Die Bestrahlung der operierten Brust ist bei Frauen, die brusterhaltend
operiert werden konnten, meistens notwendig, um das Risiko, dass in der gleichen
Brust noch einmal ein Krebs entsteht, so weit wie möglich zu vermindern. Wir
wissen, dass durch diese Nachbestrahlung das Risiko nicht mehr höher ist, als
wenn die befallene Brust operativ entfernt worden wäre. Neue Studien zeigen auch
nach einer kompletten Entfernung der Brustdrüse Überlebensvorteile für die
Patientin, so dass in gemeinsamer Risikoabschätzung auch hier eine Empfehlung
zur Bestrahlung erfolgen kann.
Durch die moderne computerunterstützte Strahlentherapieplanung hat die
Nachbestrahlung des Mammakarzinoms kaum Nebenwirkungen. Meist sind eine
vorübergehende Rötung des Bestrahlungsgebietes sowie eine Anschwellung und ein
Wärmegefühl der Brust die einzige sichtbare Nachwirkung. Durch eine geschickte
Anordnung der Strahlenfelder wird eine hohe Strahlendosis auf empfindliche
Organe wie Lunge und Herz weitgehend vermieden, trotzdem kann es in seltenen
Fällen im Anschluss an eine Bestrahlung zu einer strahlenbedingten Entzündung
der Lunge kommen mit dem Symptom eines Reizhustens, sehr selten entwickelt sich
hieraus eine anhaltende Gewebeveränderung in Form einer Strahlenfibrose.
Bei unklaren Beschwerden sollte eine Röntgenuntersuchung erfolgen und ggf.
eine kurzzeitige Therapie mit einem Kortisonpräparat eingeleitet werden.
In bestimmten Fällen wird die Bestrahlung des Operationsgebietes ergänzt um
eine Bestrahlung der Achselhöhle. Dies erniedrigt die Rezidivrate für die
betroffene Patientin, erhöht aber das Risiko für die Ausbildung eines
Armlymphödems.
Eine Strahlentherapie wird bei Mammakarzinom auch zur Behandlung von
Metastasen im Knochen oder Gehirn eingesetzt. Hier kommen insbesondere
Metastasen in den Knochen in Frage, wenn diese die Stabilität der Knochen
gefährden oder Schmerzen verursachen.
Chemotherapie
Bei der Chemotherapie werden unterschieden die vor der Operation
durchgeführte sog. neoadjuvante Chemotherapie, die nach einer Operation
durchgeführte adjuvante Chemotherapie, die nach kompletter operativer Entfernung
aller sichtbaren Tumorzellen die Rezidivhäufigkeit senken soll und einer
palliativen Chemotherapie, die bei fortschreitender metastasierter Erkrankung
eingesetzt wird.
Neoadjuvante Chemotherapie
Bei größeren Tumoren kann vor der Operation eine (neoadjuvante) Chemotherapie
durchgeführt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, welche Mittel zum
Einsatz kommen. Dadurch lässt sich der Tumor oft so verkleinern, dass
anschließend eine brusterhaltende Operation möglich ist. Ein weiteres Ziel ist,
ohne Zeitverlust auch Tumorzellen zu zerstören, die schon aus dem primären
Knoten in den Körper gewandert sind, um die Bildung von Metastasen zu
verhindern.
Auch der Einsatz von antihormonellen
Medikamenten bei älteren Patientinnen und von Herceptin® zusammen mit einer
Chemotherapie ist neoadjuvant möglich.
Adjuvante Chemotherapie
Nach Abschluss der Operation wird an der feingeweblichen Untersuchung und den
anderen Befunden das Erkrankungsstadium festgelegt. Darüber hinaus wird der
Rezeptorstatus - die Ausbildung von Hormonrezeptoren auf der Tumoroberfläche -
bestimmt.
Je nach Stadium wird man der Pat. eine Nachbehandlung empfehlen. Hierdurch
wird das Risiko eines Rezidivs oder eines zweiten Tumors auf der anderen Seite
gesenkt. Für Europa legt eine Expertenkommission in St. Gallen alle 2 Jahre
fest, welche Therapiealternativen in den verschiedenen Krankheitsstadien aus
wissenschaftlicher Sicht sinnvoll sind. Umgesetzt wird dies jeweils in den
Nationalen Leitlinien. Aus diesen Alternativen die richtige auszuwählen, muss
mit der Patientin ausführlich besprochen werden und stellt immer eine
individuelle Entscheidung dar. Grundsätzlich besteht die Therapie in
antihormonellen Medikamenten oder einer Chemotherapie. Auf jedem dieser Wege
stehen unterschiedliche Arzneimittel zur Verfügung.
Zu den antihormonellen Medikamenten zählen
1. GHRH-Analoga (Medikamente, die einem
Steuerungshormon des Hormonkreislaufs ähnlich sind und bei Patientinnen vor der
Menopause eingesetzt werden, um die körpereigene Aktivierung der Hormonbildung
zu unterdrücken).
2. Tamoxifen und Fulvestrant als
Östrogenrezeptorblocker
3. sog. Aromatasehemmer, die die Bildung von
Östrogenen hemmen
In der Chemotherapie des Mammakarzinoms können mittlerweile eine Reihe von
Substanzen eingesetzt werden. In der adjuvanten Therapie besonders verbreitet
sind: Epirubicin bzw. Doxorubicin, Cyclophosphamid und Taxane.
Jungen Frauen mit hohem Rezidivrisiko wird oft eine Kombination aus
Chemotherapie und Hormontherapie in der adjuvanten Situation empfohlen. Im Falle
einer gleichzeitig notwendigen Strahlentherapie ist die Reihenfolge mit der
Patientin zu besprechen, in der Regel erfolgt zunächst eine Chemotherapie, dann
die komplette Strahlentherapie. Die antihormonelle Therapie kann mit der
Strahlentherapie oder erst nach ihrem Abschluss begonnen werden.
Palliative Therapie
Bei fortschreitender metastasierter Tumorerkrankung eines Mammakarzinoms
kommen neben symptomorientierten Therapien wie der Strahlentherapie der Einsatz
einer antihormonellen Therapie oder einer Chemotherapie in Frage. Bei der
Präferenz ist zu entscheiden, welche Metastasierung bei der Patientin vorliegt,
und ob es sich um ein rasch fortschreitendes Geschehen oder ein langsames
Tumorwachstum handelt. Im Falle eines langsamen Tumorwachstums und insbesondere
bei der älteren Patientin wird man zunächst versuchen, mit einer antihormonellen
Therapie aufgrund der besseren Verträglichkeit einen Tumorstillstand und eine
Rückbildung der Symptome zu erreichen. Hierbei kann auch nacheinander eine
Abfolge der verschiedenen antihormonellen Mittel gewählt werden.
Kommt es zu
einem weiteren Fortschreiten nach Ausreizung aller Möglichkeiten der
antihormonellen Therapie oder liegt ein primär rasches Tumorwachstum bei einer
jüngeren Patientin vor, so wird man sich zunächst für eine Chemotherapie
entscheiden. Auch die Abfolge eines Versuchs, das Tumorwachstum zu bremsen
mittels einer Chemotherapie und anschließender antihormoneller Therapie zur
Stabilisierung kann gewählt werden.
Sowohl in der palliativen antihormonellen Therapie als auch in der
palliativen Chemotherapie stehen die oben genannten Medikamente zur Verfügung.
In der palliativen Chemotherapie kommen mittlerweile eine große Zahl von
Einzelmedikamenten und Kombinationstherapien zum Einsatz, die auf die
individuelle Situation der Patientin zugeschnitten werden können. Hierdurch ist
es möglich, auch trotz eines fortschreitenden Tumorleidens über lange Zeit - und
dies bedeutet auch über Jahre - ein Leben mit dem Tumor in guter Lebensqualität
zu erreichen.
Her-2-neu, Herceptin und Lapatinib
Ca. 10% aller Brustkrebspatientinnen weisen einen Tumor auf, auf dessen
Oberfläche Wachstumsrezeptoren ausgebildet sind (sog. Her-2-neu-Rezeptoren).
Gegen diese Rezeptoren wurde ein Antikörper mit dem Handelsnamen Herceptin®
entwickelt.
Eine weitere
Möglichkeit ist ein Medikament, das in Deutschland in Kürze zugelassen wird:
Lapatinib® hemmt die Stoffwechselwege in der Tumorzelle, die über den
Her-2-neu-Rezeptor aktiviert
werden.
Herceptin® wird adjuvant nach Abschluss der Chemotherapie für ein Jahr
gegeben. Bei Patientinnen mit Metastasen wird Herceptin® zusammen mit der
Chemotherapie kombiniert, da sich beide in ihrer Wirkung
ergänzen.
Herceptin® kann den Herzmuskel
schädigen und sollte deshalb nicht mit den Anthracyclinen (Chemotherapiemittel,
die dies ebenfalls tun) gleichzeitig gegeben werden. Unter Herceptin® sollte
alle drei Monate mit Ultraschall die Pumpkraft des Herzens überprüft werden.
Stellt sich eine beginnende Schwäche dar, so muss das Medikament abgesetzt
werden, dann kommt es zu einer vollständigen
Erholung.
Ob Lapatinib® die
gleichen Probleme hervorruft, ist noch nicht genau bekannt. Auf jeden Fall ist
auch hier Vorsicht geboten. Lapatinib® kommt zunächst bei Patientinnen mit
Metastasen zum Einsatz, die unter Herceptin® weiter wachsen, also resistent
werden.
Lapatinib® eignet sich auch für die
Therapie von Hirnmetastasen, da das Molekül so klein ist, dass es durch die sog.
Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn gelangt. Auch Lapatinib® wird mit einem
Chemotherapiemittel kombiniert.
Nachsorge
Früher wurden Patientinnen mit Mammakarzinom aufwendige Nachsorgeprogramme
mit genau festgelegten Untersuchungsprogrammen empfohlen. Die momentane
Darstellung in den Leitlinien ist, dass die regelmäßige Selbstuntersuchung und
die klinische Untersuchung durch den betreuenden Arzt anfangs in dreimonatigen,
dann in sechsmonatigen, später in einjährigen Abständen ausreichend sind. Labor
und apparative Diagnostik werden nur symptomabhängig eingesetzt. Dieser
Standpunkt ist jedoch umstritten, da mittlerweile effektive Therapien zur
Verfügung stehen, die bei frühzeitiger Erkennung von Metastasierung wesentliche
Vorteile im frühen Einsatz bringen könnten.
Angebot für Patientinnen mit Brustkrebs in der Abteilung Onkologie der
Habichtswald-Klinik Kassel
Patientinnen mit Mammakarzinom können vor der Operation zur Einholung einer
zweiten Meinung (second opinion) zu uns kommen, sie können nach der Operation zu
einer Anschlussheilbehandlung, aber auch zu einer notwendigen Chemotherapie
aufgenommen werden.
In ausgewählten Fällen ist es auch möglich, in Kooperation während eines
stationären Aufenthaltes bei uns eine Strahlentherapie durchzuführen.
Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation
Als Bestandteile einer ganzheitlichen Abteilung tragen alle unsere
therapeutischen Angebote gemeinsam zu der Wiedererlangung der Einheit von
Körper, Geist und Seele bei.
Patientinnen, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer
Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung der Therapie,
die zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Im Rahmen der Behandlung einer Patientin mit einem Mammakarzinom gibt es
keine komplementäre Therapie, die die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie
ersetzen kann. Wir wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität
während und nach der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter
komplementären Verfahren verstehen wir gezielt eingesetzte
Nahrungsergänzungsmittel, die Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von
postoperativ auftretenden Hormonentzugssymptomen, zur Unterstützung von
Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von Ängsten und
Depressionen.
Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der
Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in
seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Ganzheitliche Medizin bedeutet für die Krebspatientin die Berücksichtigung
aller Dimensionen des Lebens, also neben rein körperlichen Gesichtspunkten auch
die geistigen und seelischen Aspekte.
Viele Therapieansätze aus der Ganzheitsmedizin zielen nicht direkt auf die
Zerstörung des Tumors sondern auf die Stärkung der körpereigenen Kräfte und die
die Förderung der Gesundung (Salutogenese).
Wenn einer Patientin mit einem Mammakarzinom nun nach einer Operation zu
einer Hormon- oder gar Chemotherapie geraten wird, so stellt sich - was gut zu
verstehen ist - als erstes die Frage: Muss das sein, oder gibt es Alternativen?
Wir erläutern unseren Patienten (falls dies nicht bereits durch die Sie bisher
behandelnden Ärzte geschehen ist), auf welchen Überlegungen die Empfehlung zur
adjuvanten, also ergänzenden Therapie beruht, welchen Nutzen Sie daraus ziehen
können und welche Probleme damit verbunden sind.
Wir haben es uns zum Prinzip gemacht, die Situationen mit unseren
Patientinnen sehr ausführlich zu erörtern und dabei zu erfragen, welche Ziele
die betroffene Frau mit einer Therapie selbst verbinden würde, welche
Nebenwirkungen sie keineswegs in Kauf zu nehmen bereit wäre, wie sie sich und
ihre Situation selbst einschätzt und unter welchen Bedingungen eine z. B. hier
begonnene Therapie zu Hause weitergeführt werden könnte.
Falls die Patienten sich nach ausführlicher Beratung gegen eine Chemo- oder
auch Hormontherapie entscheiden sollten, werden wir Sie auch auf diesem Wege
begleiten.
Trotz der wesentlich besseren Operationstechniken sind Störungen des
Körpergefühls, der Sexualität und des Frau-Seins immer noch sehr häufig und
werden bei uns in einem ganzheitlichen Konzept behandelt, das die Patientin in
ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstverständnis als Frau ernst nimmt. Eine
begleitende und wieder aufbauende psychologische Betreuung soll die Erfahrung
der lebensbedrohlichen Erkrankung überwinden helfen und ein positives Gestalten
der eigenen Zukunft ermöglichen. Die gezielte psychoonkologische Betreuung der
Patientinnen besteht neben einer Gruppentherapie in Einzeltherapien, dies
ermöglicht ein gezieltes Eingehen auf die persönliche familiäre Situation der
Patientinnen. Soweit möglich und von der Patientin gewünscht, beziehen wir auch
Partner und weitere Familienangehörige in die aufklärenden Gespräche und die
psychoonkologische Betreuung ein.
Es gelingt so sogar für Patientinnen in einem fortgeschrittenen
Krankheitsstadium, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Wir gehen davon
aus, dass durch diese Verbesserung der Lebensqualität auch die körpereigenen
Abwehrkräfte gestärkt werden.
Wesentlich tragen die Mitarbeiter der Krankengymnastik und der Bäder- und
Massageabteilung dazu bei, dass der Patient körperliches Wohlbefinden
wiedererlangt. Im Rahmen der Krankengymnastik, Sporttherapie und in der
Massage- und Bäderabteilung werden verschiedene Therapieformen eingesetzt, um
gezielt die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Zutrauen in
den eigenen Körper zu finden und auch auf diesem Weg einen höhere Lebensqualität
zu erreichen.
Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass frühzeitige gute
Krankengymnastik, Lymphdrainage und Narbenbehandlung, wie wir sie in der
Habichtswald-Klinik Kassel anbieten, die Operationsfolgen weiter deutlich
mindern kann.
Früher wurden Patientinnen mit Brustkrebs mit sehr weitgehenden
Einschränkungen ihres persönlichen Lebens konfrontiert. Moderne
Operationstechniken führen zu einer deutlich geringeren Häufigkeit und Ausmaß
der Ausbildung eines Lymphödems, so dass die Belastbarkeit des Armes bei
körperlichen Betätigungen, aber auch gegenüber moderater Wärme besser ist. Liegt
kein Lymphödem vor, so nehmen unsere Patientinnen am normalen Sportprogramm
teil, probieren Nordic Walking oder Saunagänge aus. Wir beraten Patientinnen
umfassend zu allen Fragen in diesem Zusammenhang und geben Empfehlungen für
zuhause.
Ist es trotz allem zu einem Lymphödem gekommen, so werden gezielt
Lymphdrainagen und Bandagierungen durchgeführt und wo erforderlich erfolgt die
Anpassung eines Kompressionsstrumpfes.
In der Krankengymnastik stehen spezielle Übungen zur Förderung der
Beweglichkeit im Schulter-Arm-Bereich im Vordergrund. Außerdem erlernen die
Patientinnen in unserem Haus, wie sie in der Eigengymnastik entstauende Übungen
durchführen können, um Lymphstauungen im betroffenen Arm zu vermeiden. In einem
Schulungsprogramm erlernen die Patientinnen ein situationsgerechtes Verhalten
und das Vermeiden von Risikosituationen, die zur Ausbildung oder Förderung eines
Lymphödems führen können.
Neben der Krankengymnastik fördert auch die Ergotherapie die Beweglichkeit im
Armbereich. Ergotherapeutische Verfahren kommen auch zum Einsatz, wenn im Rahmen
der Chemotherapie Empfindungsstörungen im Bereich der Hände (Polyneuropathie)
entstanden sind.
Ist nach der Operation die Statik im Wirbelsäulenbereich gestört durch die
veränderten Gewichtsverhältnisse, aber auch durch die immer wieder notwendigen
Lagerungen z. B. während der Strahlentherapie, so erlernen die Patientinnen in
gezielter Wirbelsäulengymnastik wieder rückengerechte Bewegungen. Zur Lockerung
verspannter Muskelgruppen wird eine gezielte Massagetechnik (Marnitzmassage)
eingesetzt.
Sollte es in Einzelfällen zu stärkeren Hautreaktionen unter der Bestrahlung
gekommen sein, sind unsere Patienten in den Händen versierter Pflegekräfte, die
gezielte Hauptflegemittel mit Unterstützung durch naturheilkundliche Maßnahmen
einsetzen und auch eine gezielte Narbenbehandlung einleiten.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.
Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch
eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen werden,
Dabei muss die Krankheitsgeschichte der Patientin berücksichtigt werden. Deshalb
bieten wir verschiedene Formen einer vollwertigen Ernährung und Vitalkost
(ausgewogenen Form der Makrobiotik) aber auch alle medizinisch erforderlichen
Diäten an. Darüber hinaus können Patienten in unserem Haus die ayurvedische
Ernährung kennen lernen.
Bei der Diagnose Krebs taucht bei vielen Patientinnen die Frage nach dem Sinn
auf. Hier bietet unsere Klinik einzigartige Möglichkeiten, auf freiwilliger
Basis verschiedene Angebote zu nutzen, um sich mit diesem Thema
auseinanderzusetzen. Hierzu gehören vorbereitend Entspannungsverfahren und ein
nicht konfessionell gebundenes spirituelles Angebot von Meditationen über
Sakralen Tanz zum gemeinsamen Singen.
Wesentlich zur Wiedererlangung der eigenen Kräfte und Freude am eigenen
Schaffen ist die freiwillige Teilnahme am kreativen Angebot.
Patientinnen, die mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in unser Haus
kommen, werden umfassend und vertrauensvoll über das für und wider jedes
Behandlungsschrittes sorgfältig in Gespräch zwischen Arzt und Patient
aufgeklärt.
Die Behandlung von Schmerzen ist ein vorrangiges Ziel einer
interdisziplinären Sichtweise
von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und Psychologen.
Stand 26.08.08