Startseite Habichtswaldklinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe - Klinik für Onkologie Psychosomatik Innere Medizin Tinnitus Ayurveda Klinik für Ganzheitliche RehabilitationSeite Therapie der Nebenwirkungen der modernen Krebstherapie an der Haut zu den Favoriten hinzufügenSeite weiter empfehlenSeite drucken

Therapie der Nebenwirkungen der modernen Krebstherapie an der Haut

Habichtswald-Klinik Kassel

 

Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie

 

Die Forschungsanstrengungen, um die Therapie von Patienten mit Krebserkrankungen zu verbessern, haben in den letzten Jahren neben Weiterentwicklungen im Bereich der Operationstechniken, Strahlentherapie und Chemotherapie auch neue Substanzen hervorgebracht, die sich direkt auf oder in der Tumorzelle gegen Wachstumsreize auswirken und damit zellteilungshemmend wirken.

Zu diesen Substanzen gehören der Antikörper Cetuximab (Erbitux®), gegen einen Wachstumsfaktorrezeptor und kleine Moleküle, die diesen Rezeptor ebenfalls blockieren können wie Gefitinib (Iressa®) und Erlotinib (Tarceva®).

Typische Nebenwirkungen dieser Substanzen, die gegen den Rezeptor des epidermal growth factor, also den Wachstumsfaktor von Hautzellen, gerichtet sind, sind eine erhöhte Verletzlichkeit der Fingerkuppen und Zehenkuppen, insbesondere auch im Bereich des Nagelbettes, unterschiedlich ausgeprägte akneartige Hauterscheinungen und im Gesicht auch Veränderungen, die einer Rosazea ähneln.

Viele Patienten klagen auch über eine allgemeine Hauttrockenheit und verstärkten Juckreiz.

Diese Nebenwirkungen können die Lebensqualität von Patienten erheblich beeinträchtigen. Während die akneförmigen Hautveränderungen mehr durch das sichtbare Ekzem auffallen, sind die erhöhte Empfindlichkeit der Finger und Zehen bei allen Tätigkeiten im Alltag, in ausgeprägter Form sogar beim Schlafen, behindernd und zum Teil äußerst schmerzhaft.

 

Allgemeine Hautpflege

Eine allgemeine Hautpflege sollte von Anfang an beachtet werden. Die Haut benötigt mehr Feuchtigkeit und Fett. Sie sollte regelmäßig eingecremt oder eingeölt werden. Verletzungen sollten vermieden werden.

Wichtig ist bei Sonnenexposition ein Lichtschutz mit einem hohen Lichtschutzfaktor.

Akneförmige Hautveränderungen

Akneförmige und rosazeaähnliche Hautveränderungen werden sowohl durch äußerliche Medikamente als auch durch Einnahme von Antibiotika behandelt. Zu den äußerlichen Medikamenten gehören antibiotikahaltige Gele oder Cremes (zu den wirksamen Antibiotika gehören Metronidazol und Erythromycin). Als wirksam haben sich auch Gel bzw. Creme mit Benzoylperoxid, Abkömmlingen des Vitamin A sowie für den Oberkörperbereich auch Salizylsäure in alkoholischer Lösung bewährt. Da alkoholische Lösungen und Gele zur weiteren Austrocknung der Haut führen können, sollte auf Cremes oder Lotionen gewechselt werden. Für den gesamten Körper empfehlen sich Bäder mit Meersalz.

Bei ausgeprägteren Veränderungen werden Antibiotika in Tablettenform eingesetzt. Hierzu gehören Tetracycline wie Doxycyclin oder Minocyclin oder Lymecyclin.

 

Hauttrockenheit

Zur Pflege der Augen- und Nasenregion eignet sich Bepanthen Salbe, die Lotion der gleichen Serie für die gesamte Hautpflege.

 

Es empfehlen sich rückfettende Bade- und Duschöle und fetthaltige Cremes wie Bepanthen Wund- und Heilsalbe für den Gesichtsbereich, harnstoffhaltige, fetthaltige Lösungen, Lotionen wie Bepanthen Lotio F oder Eucerin 10% Urea Lotio für den Körper.

 

Juckreiz

Bei Juckreiz ist zunächst darauf zu achten, dass die Hauttrockenheit ausreichend  behandelt wird. Bei starkem Juckreiz können auch Antihistaminika in Tablettenform eingesetzt werden.

 

Entzündungen im Bereich der Finger und Zehen

Hohe Priorität hat eine optimale Nagelpflege, diese sollte im Bereich der Füße von einem medizinisch ausgebildeten Fußpfleger erfolgen. Bei der Pflege der Nägel müssen auf jeden Fall Verletzungen durch Manipulationen vermieden werden.

Neben einer gründlichen Körperpflege, dem Vermeiden von äußerlichen Verletzungen sind Bäder mit schonenden Lösungen, Einsatz von Antiseptika und vorsichtig angelegte Verbände hilfreich. Bei Einrissen der Haut helfen auch Prophylenglykol und salizylhaltige Salben. Bei Infektionen von Verletzungen müssen antibiotikahaltige Salben (z. B. Fusibinsäure Salbe) eingesetzt werden.

Schmerzhafte Einrisse an Fingern und Zehen sollten mit Handwaschölen statt -seifen gepflegt werden. Zur Hautpflege eignen sich Salben wie Excipial protect® tagsüber und Excipial repair® nachts.

Eventuell entstandene Eiterherde müssen vom Arzt versorgt werden.

Patienten sollten auf bequemes, nicht drückendes Schuhwerk achten. Über die Nacht können die Hände mit Vaseline eingecremt werden, in ausgeprägten Fällen empfiehlt es sich, dass die Patienten nachts Baumswollhandschuhe zum Schutz tragen.

 

Ekzeme

Bei Ekzemen gelten die unter Hauttrockenheit und Entzündungen genannten Hinweise. Kurzzeitig können evtl. auch cortisonhaltige Salben über 1-2 Wochen verwendet werden.

Bei nässenden Ekzemen sollte ein Abstrich und ggf. die lokale Behandlung mit Antibiotika oder Antivirusmedikamenten erfolgen.

 

Ganzheitliche Therapie dieser Nebenwirkungen in der Habichtswald Klinik

Da diese Nebenwirkungen erst mit verstärktem Einsatz der neuen Substanzen häufiger auftreten, sind Hausärzte und auch Hautärzte mit dem Erscheinungsbild in der Regel noch überfordert.

Hier kann die moderne onkologische Rehabilitation für Patienten ein Ort sein, an dem verschiedene Therapien ausprobiert und kombiniert werden können.

In der Habichtswald-Klinik bieten wir unseren Patienten bei diesen Nebenwirkungen einen interdisziplinär ganzheitlichen Therapieweg an.

Neben den bereits erwähnten Salben und Lotionen kommen auch Heilpflanzensalben wie Hamamelis-Präparate infrage.

Die Aufgabe des behandelnden Arztes ist es, in Kooperation mit einem erfahrenen Hautarzt die äußerlichen Präparate zusammenzustellen, die im individuellen Falle zur Änderung der Beschwerden führen und für zuhause ein entsprechendes Konzept bereitzustellen. Müssen bei akneartigen Veränderungen auch innerlich Medikamente wie Antibiotika gegeben werden, so ist auf die Wechsel- und Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten, die der Patient für seine Tumorerkrankung oder andere Erkrankungen einnimmt, zu achten.

Bestehen im Bereich der Hände und Füße schmerzhafte Einrisse und Wunden, so werden täglich gegebenenfalls auch mehrfach von der Krankenpflege Verbandswechsel durchgeführt, wobei neben antiseptischen Salben an Druckstellen auch Hydrokolloidpflaster zum Einsatz kommen.

Gerade der mehrfach tägliche Wechsel von Salbenverbänden und Bädern kann zuhause vom Patienten alleine kaum durchgeführt werden.

Im Rahmen der Bäder- und Massageabteilung führen wir Vollbäder mit Totem-Meer-Salz oder Ölbäder zum Rückfetten der Haut durch. Bei lokalisiertem Befall im Bereich der Hände und Füße werden entsprechende Hand- und Fußbäder durchgeführt.

Psychotherapie hat bei der Behandlung unserer Patienten einen erheblichen Stellenwert, da neben der Krankheitsverarbeitung allgemein nun auch die Auseinandersetzung mit äußerlich sichtbaren „Stigmata“ und der Umgang mit Juckreiz und Schmerzen einer begleitenden Betreuung bedürfen. Besondere Bedeutung erhält dies, da diese Therapien oft am Ende einer langen Behandlungsreihe stehen, die unsere Patienten erschöpft haben. Wir möchten unsere Patienten unterstützen bei der sie belastenden Entscheidung der Akzeptanz dieser Nebenwirkungen oder des Abbruchs der Therapie.

Zur psychotherapeutischen Begleitung der Patienten zählen neben Einzel- und Gruppengesprächen auch körperorientierte Verfahren und das Erlernen von Entspannungsverfahren.

Im Rahmen der Ernährungstherapie sammeln wir erste Erfahrungen in der Beratung dieser Patienten, da eine allergenarme, wenig reizende Kost unterstützend wirksam zu sein scheint.

Im Rahmen der Krankengymnastik, muss auf die besonderen Bedürfnisse der Patienten insbesondere bei Verletzlichkeit der Zehen und Finger geachtet werden. Dies bedeutet in der Regel eine individuelle Krankengymnastik, zum Teil anfangs auch auf dem Zimmer durchgeführt, bis Abheilungen eingetreten sind.

Im Rahmen der Ergotherapie erfolgen neben Bewegungsschulungen und Sensibilitätstraining mit weichen Materialien auch Beratungen, welche Hilfsmittel im Haushalt eingesetzt werden können, um Arbeiten schonend für die Hände zu verrichten.

 

 

Stand 26.08.08

 

Nach oben
Aktualisiert am 09.02.2009 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS