Chemotherapie
Dr. Jutta Hübner,
Chefärztin
Was ist eine Chemotherapie?
Bei vielen Tumorerkrankungen werden
heute Chemotherapien eingesetzt, um den Tumor zu verkleinern oder ganz zum
Verschwinden zu bringen. In einigen Fällen kann damit eine Heilung erreicht
werden, für andere Patienten kann eine Rückbildung der Krankheit, eine
Verlängerung ihres Lebens und geringere Beschwerden, z. B. Schmerzen, Luftnot etc.
erreicht werden.
Die Chemotherapie ist deshalb häufig Teil eines Therapieplanes, der auch
Operation, Strahlentherapie, antihormonelle
Therapie und weitere medikamentöse Therapien umfasst.
Bei den Chemotherapien unterscheiden wir unterschiedliche Situationen. Auf
der einen Seite die neoadjuvante und adjuvante Therapie, die vor (neo-) oder
nach einer Operation (adjuvant) den Heilungserfolg, der mit der Operation
angestrebt wird, sichern soll. Beispiele für diese Therapien gibt es bei Brustkrebs oder Magenkrebs und Enddarmkrebs.
Einige Tumorerkrankungen werden
direkt mit einer Chemotherapie behandelt, auch mit dem Ziel, eine Heilung zu
erreichen (kurativer Ansatz). Hierzu gehören z. B. bestimmte Formen der Leukämien und Lymphome. Eine besondere Form dieser
Chemotherapien ist die sog. Hochdosis-Chemotherapie,
bei der die Dosis so hoch ist, dass die eigene Blutbildung komplett ausfällt und
anschließend die Gabe von Stamm- oder Knochenmarkszellen erforderlich ist. Mit
dieser besonders starken Therapie sollen vor allem Leukämien geheilt
werden.
Ist die Tumorerkrankung bereits
weiter fortgeschritten, insbesondere wenn sich Streuherde in Lymphknoten und
anderen Organen finden, so kann es in ausgewählten Fällen immer noch durch eine
Chemotherapie eine Heilung geben. Meist ist das Ziel realistischer, eine
Stabilisierung oder Rückbildung der Erkrankung zu erreichen. Diese Chemotherapie
nennt sich dann eine palliative Chemotherapie. Der Begriff darf nicht
verwechselt werden mit einer Palliativtherapie bei einer weit
fortgeschrittenen Erkrankung. Vielen Patienten unter einer palliativen
Chemotherapie kann es mit der Erkrankung lange Zeit gut gehen mit wenig
Beschwerden und der Möglichkeit zur Arbeit zu gehen, die Familie zu versorgen
und seinen Hobbys gemeinsam mit Familie und Freunden nachzugehen.
Es gibt heute viele verschiedene Chemotherapiemittel, die meisten werden als
Infusionen gegeben, einige wenige stehen in Tablettenform zur Verfügung.
Besondere Formen der Chemotherapie stellen die Gabe von Chemotherapiemitteln
in das Hirnwasser (intrathekale Chemotherapie), in den Raum zwischen Rippen und
Lungenfell (intrapleurale Chemotherapie) oder in den Bauchraum (intraperitoneale
Chemotherapie) dar.
Die verschiedenen Chemotherapiemittel haben unterschiedliche Wirkungen an der
Tumorzelle, leider aber auch an der gesunden Zelle, welches sich dann in Nebenwirkungen (wie z.
B. Mundschleimhautentzündung) zeigt.
Chemotherapiemittel hemmen insbesondere das Wachstum von schnell wachsenden
und sich teilenden Zellen, indem sie verschiedene Schritte im Zellwachstum und
bei der Zellteilung stören. Die so gestörten Zellen können sich nicht normal
vermehren und sterben zum Teil sogar ab.
Da die Chemotherapiemittel an verschiedenen Stellen im Zellstoffwechsel
eingreifen, hat es sich bei fast allen Erkrankungen bewährt, dass eine
Kombination aus verschiedenen Chemotherapiemitteln eingesetzt wird. Diese
Kombination wird so gewählt, dass sich die Wirkung in der einzelnen Tumorzelle
verstärkt, gleichzeitig aber unterschiedliche Nebenwirkungen
auftreten, sodass nicht eine einzelne Nebenwirkung besonders
stark wird, sondern sich eine Verteilung ergibt.
Da es mit einer einmaligen Chemotherapie nicht gelingt, alle Tumorzellen
abzutöten, werden Chemotherapien wiederholt. Wir sprechen von sog. Zyklen, die
in unterschiedlichen Abständen (abhängig von der Erkrankung und der Art der
Chemotherapiemittel) gegeben werden. Hierbei kann ein Zyklus einen Abstand
zwischen einer Woche und mehreren Wochen bedeuten. Innerhalb eines Zyklus kann
die Therapie auf einen oder mehrere Tage verteilt werden. Die genaue zeitliche
Ablauf, wann welches Medikament und wenn wie lange gegeben wird, welche
Dosierungen gewählt werden etc. wird in wissenschaftlich Studien erprobt und oft
international festgelegt. Eine solche Zusammensetzung nennt man Protokoll. Um
eine individuelle Therapie zu gewährleisten, berücksichtigt der Arzt natürlich
die besondere Situation des zu behandelnden Patienten. Basisdaten hierzu sind
Größe und Gewicht, aber z. B. auch Leber- und Nierenfunktion.
Die Auswahl, welche Medikamentenzusammensetzung, also welches Protokoll
gewählt wird, hängt von der Tumorerkrankung aber
auch von Begleiterkrankungen und anderen Fragestellungen ab. Zum Beispiel kann
in vielen Fällen berücksichtigt werden, ob bestimmte Nebenwirkungen für den
Patienten besonders belastend wären. So gibt es einige Chemotherapiemittel, die
zu Störungen des Tastempfindens führen können. Patienten, die einen Beruf oder
ein ihnen wichtiges Hobby haben, für das ein hervorragendes Tastempfinden nötig
ist, sollten z. B. nicht mit diesen Mitteln behandelt werden.
Leider ist es nicht immer möglich, die Chemotherapie optimal nach den Nebenwirkungen
auszuwählen. So wünschen sich viele Patienten z. B., keinen Haarausfall zu
bekommen. Gerade dies ist aber bei den besonders stark und gut wirkenden
Chemotherapien fast immer der Fall.
Wenn ein Tumor zu einem im Ultraschall
oder Röntgen sichtbaren oder tastbaren Knoten herangewachsen ist, so enthält er
bereits viele Tausende von Zellen. Mit einem Zyklus der Chemotherapie können wir
einen bestimmten Teil der Tumorzellen zerstören. Am wahrscheinlichsten gelingt
dies bei den Zellen, die gerade im Moment der Therapie in der Zellteilung sind.
In der anschließenden Therapiepause, die wir brauchen, damit die gesunden Zellen
sich wieder erholen können, kommt es leider auch wieder zu einem Wachstum der
überlebenden Tumorzellen. Dies hat aber den Vorteil, dass diese Zellen dann zu
einem größeren Anteil in der Teilungsphase sind, wenn die nächste Chemotherapie
kommt. Aus diesem Grund bemühen die Ärzte sich, ihrem Patienten so gut mit den
Nebenwirkungen zu
helfen, dass die nächste Therapie möglichst im geplanten Abstand erfolgen kann.
Da gesunde Zellen sich schneller erholen als die Tumorzellen, überwiegt der
Schaden für die Tumorzellen den der Nebenwirkungen. Mit dem nächsten Zyklus sind
weniger Tumorzellen vorhanden als beim ersten Mal, und wieder wird ein größerer
Anteil abgetötet. Durch eine Wiederholung gelingt es so, die Tumorzellen immer
weiter zu reduzieren.
Leider gibt es bisher kein Chemotherapiemittel, das zuverlässig bei allen
Patienten alle Tumorzellen abtöten kann. Studien sind untersucht, bei wie viel
Prozent der Patienten eine bestimmte Therapie erfolgreich ist. Dies sind
statistische Werte. Sie liegen bei den modernen Chemotherapien bei sehr
unterschiedlichen Werten zwischen 10 und über 60 %. Durch die Kombination von
Medikamenten wird die so genannte Ansprechrate erhöht. Da sich im Laufe einer Tumorerkrankung Tumorzellen
immer weiter entwickeln, gibt es die Überlegung, möglichst früh mit einer
Chemotherapie zu beginnen, damit möglichst wenige gegen die Therapie resistente
Tumorzellen entstehen. Durch die Kombination von verschiedenen
Chemotherapiemitteln ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Tumorzelle
gegen die gesamte Therapie resistent ist, sehr gering. Auch dies ist ein Vorteil
für Kombinationstherapien.
Für die Gabe der Chemotherapie gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. So
kann auf der einen Seite möglichst viel Medikament innerhalb einer
vergleichsweise kurzen Zeit gegeben werden, um einen hohen Spiegel im Blut zu
erreichen. Eine andere Strategie ist eine längere Gabe, z. B. über eine
Dauerinfusion von 24, 48 oder mehr Stunden und eine kontinuierliche Therapie, z.
B. durch eine Tablettengabe über mehrere Tage hintereinander.
Welche Therapie für die einzelne Tumorart erfolgversprechend ist, hängt von
der Tumorart, aber natürlich auch wieder von der individuellen Situation des
Patienten ab.
Insbesondere wenn es um eine Heilung des Patienten geht, werden häufig
innerhalb kurzer Zeit hohe Dosierungen gegeben, und es wird versucht, die
einzelnen Zyklen innerhalb eines möglichst kurzen Zeitraumes zu geben. Hierdurch
wird eine besonders hohe „Dosisintensität“ erreicht.
Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass es nicht nur auf die Dosisintensität,
also auf die Dosis-pro-Zeiteinheit ankommt, sondern auch auf die insgesamt
gegebene Dosis. Nur zwei oder drei Zyklen innerhalb kurzer Zeit zu geben und
dann abbrechen zu müssen, weil die Nebenwirkungen doch zu
stark sind, ist keine erfolgreiche Therapie, da die für den Tumor notwendige Gesamtdosis auf diesem Wege
nicht erreicht wird.
Um zu sehen, ob beim einzelnen Patienten die optimale Therapie mit einem
guten Ansprechen erreicht wurde, werden bei nachweisbarem Tumor nach einer bestimmten Anzahl von Zyklen
Kontrollen durchgeführt. Welche Kontrolluntersuchung sinnvoll ist, muss vom Arzt
in der individuellen Situation entschieden werden. Mögliche Kontrollwerte sind
Laborwerte, Ultraschall, Röntgenuntersuchungen, CT etc.
Auch nach Abschluss einer Therapie ist es sinnvoll, regelmäßige Kontrollen
durchzuführen. In welchem Abstand und welche Untersuchungen, muss ebenfalls im
individuellen Fall festgelegt werden.
Leider kommt es bei einigen Patienten dazu, dass in den
Kontrolluntersuchungen irgendwann wieder ein Tumorwachstum entdeckt wird. Dann
kann in den meisten Fällen eine zweite (evtl. auch dritte, vierte usw.) Therapie
vorgeschlagen werden. Ob man hierfür die gleichen Medikamente oder eine andere
Kombination auswählt oder auch eine Einzeltherapie, hängt wieder von der
individuellen Situation ab. Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob einige
Tumorzellen überlebt haben, weil sie resistent gegen die zuvor gebrauchten
Medikamente geworden sind. Wenn dieser Verdacht besteht, so ist es sinnvoll, ein
neues Medikament auszuwählen, die einen anderen Angriffsmechanismus an der
Tumorzelle hat. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir möglichst viele
verschieden wirkende Chemotherapiemittel zur Verfügung haben.
Patienten, die eine Chemotherapie bekommen müssen, können einiges tun, um zum
Erfolg beizutragen. Hierzu gehört zunächst ganz einfach, die Anweisungen des
Arztes, z. B. wann welche Untersuchungen notwendig sind, einzuhalten. Der Arzt
gibt dem Patienten in der Regel auch eine Reihe von Empfehlungen und
Vorsichtsmaßnahmen, um bestimmte Nebenwirkungen zu
vermeiden oder möglichst abzuschwächen.
Patienten sollten sich während der Therapie möglichst gesund ernähren (siehe
Kapitel Ernährung bei Krebs).
Außerdem hat es sich bewährt, dass, so gut es die Kräfte zulassen, auch während
der Therapie (nicht unbedingt an den Therapietagen, aber möglichst in der Zeit
dazwischen) ein Bewegungsprogramm durchgeführt wird. Dies kann eine leichte
Gymnastik, kleine Spaziergänge, aber wenn man sich gut fühlt durchaus auch ein
anspruchsvolleres Programm mit Walking, Fahrrad fahren etc. sein.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer
Chemotherapie gehören Übelkeit, Erbrechen, Schleimhautentzündungen, Haarausfall,
Blutbildveränderungen, mittlerweile aber auch Hautveränderungen und die oben
schon genannten Störungen des Tastempfindens.
Leider gibt es bisher keine Methode, um den Haarausfall bei den
entsprechenden Chemotherapiemitteln zu vermindern. Versuche mit Kühlungen der
Kopfhaut (Kältekappen) waren unterschiedlich erfolgreich, die Ergebnisse meist
nicht überzeugend.
Sehr gut behandeln lassen sich Übelkeit und Erbrechen. Hier ist in den
meisten Protokollen bereits eine entsprechende Medikation vorgesehen, und
Patienten sollten darauf achten, dass sie auch für die folgenden Tage ein oder
zwei Medikamente mit einer Gebrauchsanweisung zu Hause haben. Unterstützend
können Ingwerwasser und evtl. eine Akupunktur oder Akupressur wirken.
Blutbildveränderungen sind häufig unterschiedlich ausgeprägt. Es kann zu
einer Verminderung der
weißen (Leukozyten) oder roten (Erythrozyten) Blutkörperchen und der sog. Thrombozyten
(Blutplättchen für die Blutgerinnung) kommen. Deshalb sind regelmäßige
Blutbildkontrollen entweder beim betreuenden Onkologen oder beim Hausarzt, der
diese an den Onkologen schickt, erforderlich. Werden die weißen Blutkörperchen
zu niedrig, so kann es zu Infektionen
kommen. Patienten sollten das Vorgehen mit dem Arzt absprechen. Insbesondere
wenn Fieber oder andere Infektionszeichen auftreten, ist es erforderlich, sofort
den Arzt aufzusuchen. Früher als beim gesunden Menschen müssen Antibiotika
eingesetzt werden. Ein weiteres Abfallen der weißen Blutkörperchen kann durch
die Gabe von Wachstumsfaktoren verhindert
werden. In einigen intensiveren Chemotherapieprotokollen ist dies bereits im
Protokoll vorgesehen.
Wenn die roten Blutkörperchen (Sauerstoffträger) niedriger werden entsteht
eine Anämie. Auch hierfür gibt es eine
Therapiemöglichkeit, entweder mit einer Bluttransfusion oder mit den
rechtszeitigen Gaben von Wachstumsfaktoren. Bei Wachstumsfaktoren wird im
Moment intensiv diskutiert, wann und in welcher Dosis und bis hin zu welchem
Anstieg der roten Blutkörperchen sie gegeben werden sollen.
Für die Thrombozyten
befindet sich ein Wachstumsfaktor in der Entwicklung, momentan bleibt bei einem
sehr starken Absinken der Thrombozyten
mit einer Blutungsgefahr nur die Möglichkeit der
Thrombozytentransfusion.
Da es durch die Chemotherapie zu einer Verminderung der weißen Blutkörperchen
und einer Schwächung des Immunsystems kommt, befürchten
viele Patienten, dass dies ihren Körper und damit die Widerstandskraft gegen den
Tumor eher schwächt. Moderne Untersuchungen zeigen, dass dieses Bild nicht ganz
richtig ist. So kann es vor dem Beginn der Therapie durch den Tumor dazu kommen, dass das Immunsystem bereits aus dem
Gleichgewicht gebracht wird und eher hemmende Faktoren und Zellen überwiegen,
sodass das Immunsystem den
Tumor nicht mehr angreift. Dieses
Ungleichgewicht von regulierenden und bremsenden Immunzellen und angreifenden
Immunzellen kann durch die Chemotherapie wieder verbessert werden. Außerdem
kommt es durch die Chemotherapie bei vielen Tumorzellen zu einer Schädigung,
sodass die Abwehrmechanismen gegen die Immunzellen nicht mehr funktionieren.
Bei den Hautveränderungen gibt
es unterschiedliche Formen und Ursachen und entsprechend verschiedene
Behandlungen. Wichtig ist, dass der Patient, wenn er merkt, dass die Haut sich
verändert, z. B. empfindlich, trocken oder rissig wird, Kontakt mit dem
Onkologen und ggf. mit einem entsprechend weitergebildeten Hautarzt, wenn es
sich um ausgeprägte Erscheinungen handelt, aufnimmt. (Siehe Kapitel Therapie und Nebenwirkungen
der modernen Krebstherapie an der Haut)
Patienten berichten unter verschiedenen Chemotherapiemitteln über eine
Abschwächung des Tastempfindens. Auch hier ist es wichtig, dies früh dem Arzt
mitzuteilen, da evtl. die Therapie angepasst werden muss. Bisher gibt es keine
effektive Therapie gegen diese Veränderungen. Die häufig eingesetzten B-Vitamine
zeigen keinen Effekt.
Bei vielen Chemotherapien kommt es außerdem zu einer Entzündung der
Schleimhäute im Mund/Rachen oder im Magen/Darm-Bereich (Mukositis). Eine gute
Mundpflege, auf jeden Fall mit weicher Zahnbürste, evtl. mit einer Munddusche,
ist wichtig. Regelmäßiges Spülen mit Salbei- und Kamillentee, auch schon
prophylaktisch, hat sich bewährt. Entstehen erste kleine Aphthen, so hat sich
auch Myrrhetinktur bewährt. Die Mundschleimhautentzündung ist besonders bei
einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie ausgeprägt. Untersuchungen
zeigen, dass Honig hier hilfreich sein kann.
Auf jeden Fall sollte bei einer Mundschleimhautentzündung die Ernährung
angepasst werden. Weiche, evtl. breiige Kost und Suppen, die nicht so scharf
gewürzt sind, sind zu bevorzugen. In ausgeprägten Fällen muss eine Ernährung
über eine Magensonde oder über die Venen erfolgen. Die Patienten sollten in
dieser Situation besonders gut darauf achten, ob sie es schaffen, ausreichend zu
trinken.
Bei der Magen/Darm-Schleimhautentzündung spüren Patienten häufig Blähungen, aber auch Durchfälle. Auch hier ist
eine Anpassung der Ernährung mit einer leichten, schonenden Kost wichtig.
Schokolade und Banane wirken stopfend, auch ein geriebener Apfel kann hilfreich
sein. Helfen diese einfachen Mittel nicht, so müssen auch Medikamente eingesetzt
werden, um den Flüssigkeitsverlust und damit Kräfteverlust zu vermeiden. Beim
Chemotherapiemittel Irinotecan erhalten die Patienten vorab schon von ihren
Ärzten eine ausführliche Aufklärung, was bei Durchfällen zu erfolgen hat
und ein entsprechendes Medikament rezeptiert.
Seltenere Nebenwirkungen der
Chemotherapie sind eine Fieberreaktion, Schädigungen der Leber, Lunge, Niere
oder des Herzens. Onkologen wissen, welche Chemotherapiemittel welche Organe
besonders angreifen können und werden entsprechende Vorsichtsmaßnahmen
ergreifen. Diese Mittel sind auch nicht geeignet für Patienten, die bereits eine
Vorschädigung dieses Organs haben. Ist ihre Gabe im Rahmen der Tumorerkrankung
unausweichlich erforderlich, so muss dies mit dem Patienten besprochen und in
enger Kooperation mit dem betreuenden Facharzt durchgeführt werden.
Bei jüngeren Patienten kommt es durch die meisten Chemotherapien zu einer
Schädigung der die Keimzellen bildenden Organe (Eierstock oder Hoden). Diese
kann sich in einigen Fällen zurückbilden. Junge Patienten sollten deshalb vor
Beginn der Therapie mit dem betreuenden Onkologen Möglichkeiten besprechen, um
einen späteren Kinderwunsch zu erfüllen.
Eine während einer Chemotherapie eintretende Schwangerschaft stellt eine
große Gefährdung für Mutter und Kind dar und sollte vermieden werden. Tritt
während einer Schwangerschaft eine Tumorerkrankung auf und muss die Mutter eine
Chemotherapie bekommen, so sollte dies in spezialisierten Zentren erfolgen, die
sich sowohl mit der Betreuung der Schwangerschaft, als auch mit der Auswahl der
richtigen Medikamente und der richtigen Gabe auskennen.
Sehr neue Untersuchungen zeigen, dass die Chemotherapie nicht nur einen
unmittelbaren Effekt auf die Tumorzelle hat, sondern die Wechselwirkung zwischen
Tumorzelle und umgebendem, es ernährendem Bindegewebe beeinflussen kann.
Insbesondere die langfristig gegebenen Therapien wirken sich hier stärker aus
und werden in letzter Zeit auch mit neuen Medikamenten, die diese Mechanismen
noch intensiver beeinflussen, kombiniert.
09.02.09