Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
In den vergangenen Jahren wurde vor allen Dingen von den USA ausgehend das
pflanzliche Heilmittel PC-SPES für Patienten mit Prostata-Karzinom vermarktet.
PC-SPES ist ein Gemisch aus 8 Pflanzen (7 sind traditionelle chinesische
Heilmittel, der Sägepalmenextrakt entstammt der europäischen traditionellen
Heilkunde).
Da in verschiedenen Lieferungen von PC-SPES andere Medikamentenbeimengungen
nachgewiesen wurden, ist PC-SPES vom Markt genommen worden. In den letzten
Jahren ist Prostasol® - eine ähnliche Pflanzenmischung- über das Internet
erhältlich.
Die enthaltenen Wirkstoffe sind teilweise aufgeschlüsselt worden und es
konnten unterschiedliche Wirkmechanismen nachgewiesen werden. Hierzu gehört
unter anderem eine starke phytoöstrogene Wirkung (ein das menschliche Östrogen
nachahmender Effekt).
In klinischen Untersuchungen wurde gezeigt, dass sowohl hormonabhängige als
auch hormonunabhängige Tumore ansprechen können. Leider genügt der
Wirksamkeitsnachweis bisher nicht den wissenschaftlichen Anforderungen.
Sowohl im Experiment im Reagenzglas als auch im Tierexperiment mit
Prostata-Karzinom-tragenden Mäusen wurde diese Wirkung bei hormonempfindlichen
wie -unempfindlichen Tumoren bestätigt.
Die bisher vorliegenden Veröffentlichungen über die Anwendung am Menschen
sind schwierig zu beurteilen, da eine Vergleichsgruppe ohne Therapie fehlt.
Außerdem wurde bei den publizierten Untersuchungen nur der Verlauf des
PSA-Wertes beschrieben, es fehlen Verlaufswerte, die direkt das Tumorwachstum
messen.
Der PSA-Wert als Verlaufswert kann als wissenschaftlich akzeptiert angesehen
werden, so dass die zum Teil beschriebenen deutlichen Abnahmen des PSA-Wertes
als Indikator zu bewerten sind, dass auch gewünschte positive Effekte auf den
Tumor erreicht worden sind. Eindeutig ist auch die von den Patienten angegebene
Verbesserung der Lebensqualität.
Patienten beschreiben zudem eine schmerzstillende Wirkung, die möglicherweise
auf die antientzündlichen Inhaltsstoffe zurückzuführen ist.
Die Nebenwirkungen von Prostasol® ähneln einer antiandrogenen Therapie durch
die östrogenartige Wirkung: Vergrößerung der männlichen Brustdrüse mit
Berührungs-empfindlichkeit, verminderte Libido, Hitzewallungen und erektile
Dysfunktion. Auch Waden-krämpfe, Übelkeit und Diarrhö werden beschrieben. Sie
sind oft aber geringer ausgeprägt.
Problematisch ist, dass über seit 1996 das Medikament unterschiedliche
Beimischungen von chemisch wirksamen Substanzen enthielt. Hierzu gehören das
Östrogenderivat Diethylstilbestrol, das Schmerzmittel Indomethazin sowie der
Gerinnungshemmer Warfarin. Aus diesem Grund ist PC-SPES zuletzt vom Markt
genommen worden. Mittlerweile ist ein vergleichbares Präparat wieder über das
Internet erhältlich.
Interessant sind jedoch die Forschungen zu einzelnen Pflanzen in der
Mischung, insbesondere der Inhaltsstoffe der Sägezahnpalme, der Pflanze
Scutellaria baicalensis sowie des chinesischen Pilzes Ganuderma luzidum.
Für diese Substanzen wurden neben dem phytoöstrogenen Wirkmechanismus, der am
ehesten auf den ebenfalls enthaltenen Süßholzwurzelextrakt zurückzuführen ist,
auch das Zellwachstum hemmende Mechanismen nachgewiesen, die in der Lage sind
zumindest im Reagenzglas bzw. im Tierexperiment das Wachstum von Tumorzellen zu
inhibieren.
Prostasol® ist keine Alternative zu einer antiandrogenen Therapie oder evtl.
sinnvollen Chemotherapie. Die Einnahme sollte mit dem behandelnden Arzt
abgesprochen werden.
Stand 26.08.08