Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Sarkome sind bösartige Tumoren, die sich aus Zellen bilden, die in tieferen
Geweben statt auf der Oberfläche liegen. Hierdurch unterscheiden sie sich in der
Abstammung von den Karzinomen, die aus Oberflächenzellen (Haut, Schleimhäute,
Drüsengänge) stammen. Sarkome entwickeln sich im Weichteilgewebe
(Weichteilsarkome) bzw. im Knochen (Osteosarkome).
Bei Kindern und Jugendlichen kommen weitere Sarkome wie das Ewing-Sarkom und
das Rhabdomyosarkom vor.
Zu den Weichteilsarkomen gehören verschiedene Tumortypen, die nach ihrer
Herkunftsart benannt sind (Bindegewebe: Fibrosarkom; Fettgewebe: Liposarkom;
glattes Muskelgewebe: Leiomyosarkom; quergestreifte Muskulatur: Rhabdomyosarkom;
Gefäßsystem: Angiosarkom; etc.).
Neben der Herkunft der Tumorzellen ist vor allen Dingen das sog. Grading im
histologischen Befund für die Prognose und Therapie entscheidend. Das Grading
unterscheidet zwischen relativ gut differenzierten, der Ursprungszelle ähnlich
sehenden, weniger aggressiven Zellen und entdifferenzierten, aggressiv
wachsenden Zellen. Tumoren mit niedrigem Grading werden als niedrig maligne,
solche mit hohem Grading als hoch maligne beschrieben. Hoch maligne Tumoren
neigen frühzeitig zu einer Streuung (Metastasierung) und einem raschen Wachstum.
Metastasen finden sich vor allem in der Lunge, in Lymphknoten, in der Leber und
im Skelett.
Weichteilsarkome sind beim Erwachsenen im Körper unterschiedlich verteilt. Am
häufigsten kommen sie im Bereich der unteren Extremität und des Stammes vor.
Seltener sind sie im Kopf- und Halsbereich und der oberen Extremität.
Die Sarkome des Knochens sind in 80% in den langen Knochen der Beine (Ober-
bzw. Unterschenkel) sowie des Armes (Oberarm) lokalisiert.
Die Sarkome werden international in einer Klassifikation nach dem TNM-System
eingeteilt. Hierbei beschreibt T die Tumorgröße bzw. Ausdehnung, N den
Lymphknotenbefall und M die Metastasenbildung. Der Buchstabe G steht für das
Grading, G1 bedeutet gut differenzierte Tumoren, G2 mäßig, G3 gering und G4
undifferenzierte Tumoren.
Sarkome fallen durch eine lokale Schwellung, ggf. mit raschem Wachstum und
eine Verhärtung des Gewebes auf. Sie können anfänglich schmerzlos sein. Drücken
sie jedoch auf wichtige andere Strukturen und Nerven, so können rasch Schmerzen
auftreten. Darüber hinaus kommt es durch das Wachstum im normalen Gewebe zu
Funktionseinschränkungen.
Die Diagnostik erfolgt mittels klinischer Untersuchung, Ultraschall und
radiologischen Techniken (Röntgen, CT, ggf. MRT). Vor der Planung der Therapie
sollte außerdem durch geeignete Untersuchungen ausgeschlossen werden, dass
bereits Streuherde existieren.
Die endgültige Sicherung der Diagnose erfolgt im Zweifel durch Entnahme einer
Gewebeprobe und feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop (sog.
Histologie). Hierbei besteht jedoch die Gefahr, dass Tumorzellen durch die
Punktion von außen in Randbereiche verschleppt werden und von dort aus in den
Körper streuen können. Aus diesem Grunde muss bei positiver Diagnose eines
Sarkoms so rasch wie möglich eine umfassende Operation erfolgen, die
insbesondere auch den Punktionskanal mit entfernt.
Die Therapie der Sarkome richtet sich nach der Ausbreitung der Erkrankung im
Moment der ersten Diagnose.
Kleine lokalisierte Tumoren können zunächst operiert werden, wobei durch
spezielle Operationstechniken (Kompartmentresektion) sichergestellt wird, dass
möglichst keine Tumorzellen im Körper verbleiben. Bei weiter fortgeschrittenen
Tumoren erfolgt eine Nachbestrahlung.
Ist der Tumor bei Diagnosestellung relativ groß, kann zunächst mittels einer
Chemotherapie versucht werden, eine Verkleinerung zu erreichen.
In einigen Fällen ist es empfehlenswert, im Anschluss an die Operation eine
Chemotherapie durchzuführen.
Wird der Tumor erst bei bereits vorliegenden Metastasen entdeckt, so ist in
der Regel der erste Therapieschritt eine Chemotherapie.
Zu den wirksamen Chemotherapiemitteln bei Sarkomen gehören: Doxorubicin,
Etoposid, Cisplatin, Epirubicin, Ifosfamid und Dacarbacin.
In einer europäischen Studie wurde gezeigt, dass die gleichzeitige
Hyperthermie einhergehend mit einer Chemotherapie für die Patienten Vorteile
bringt.
Auch neue Medikamente, die gezielt Stoffwechselwege in der Tumorzelle
blockieren sollen, werden derzeit bei Sarkom erforscht. Die neuen
Studienergebnisse zeigen, dass die verschiedenen Untergruppen der Sarkome
unterschiedlich empfindlich auf verschiedene Chemotherapiemittel und neue
Substanzen sind. Aus diesem Grund muss für jeden Patienten ein individueller
Therapieplan erstellt werden.
Für Osteosarkome gelten einige Besonderheiten. Aufgrund der hohen Gefahr
einer Metastasierung, auch wenn sie im Moment der ersten Diagnosestellung nicht
sicher nachweisbar ist, wird grundsätzlich nach Sicherung der Diagnose eine
präoperative Chemotherapie, dann die Operation und danach nochmals eine
Chemotherapie durchgeführt. Eine Ausnahme sind niedrig maligne Osteosarkome,
hier kann die alleinige Operation bei kleinen Tumoren ausreichend sein.
Chemotherapiemittel, die bei Osteosarkomen wirken, sind Cisplatin, Ifosfamid,
Doxorubicin und Metotrexat.
Der Operation kommt bei der Behandlung von Sarkomen eine große Bedeutung zu.
Auf der einen Seite muss durch einen ausreichend großen Eingriff möglichst die
komplette Entfernung aller Tumorzellen erreicht werden. Auf der anderen Seite
handelt es sich oft um große chirurgische Eingriffe in wichtigen Strukturen.
Durch an spezialisierten Zentren durchführbare Operationen kann es gelingen, die
betroffene Extremität zu erhalten und auch eine gute Funktionsfähigkeit zu
erreichen.
Angebot für Patienten mit Sarkom in der Onkologischen Abteilung
Alle unsere therapeutischen Angebote tragen gemeinsam zur Wiedererlangung der
Einheit von Körper, Geist und Seele bei.
Patienten, die zu einer Anschlussheilbehandlung im Rahmen einer
Rehabilitation zu uns kommen, erfahren eine intensive Begleitung, die zu einer
Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität führen soll.
Da Sarkome oft im Bereich des Bewegungsapparates sitzen stehen
Krankengymnastik, Sporttherapie und medizinische Trainingstherapie und
Krankengymnastik oft im Vordergrund. Für viele Sarkompatienten ergeben sich
erhebliche Einschränkungen und Belastungen, deren Erleben wir im Rahmen einer
individuellen Psychotherapie behandeln.
Im Rahmen der Behandlung einer Krebserkrankung gibt es keine komplementäre
Therapie, die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie ersetzen kann. Wir
wissen aber, dass komplementäre Verfahren die Lebensqualität während und nach
der schulmedizinischen Therapie erhöhen können. Unter komplementären Verfahren
verstehen wir gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel und die
Pflanzenheilkunde, z. B. zur Linderung von Folgeerscheinungen der Chemotherapie
zur Unterstützung von Entspannungsverfahren, zur natürlichen Beeinflussung von
Ängsten und Depressionen.
Darüber hinaus hat es sich die Naturheilkunde zum Ziel gesetzt, das unter der
Krebserkrankung und der Schulmedizin leidende Immunsystem zu stärken und in
seinem Kampf gegen die Krebserkrankung zu unterstützen.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie.
Es gibt keine gezielte Krebsdiät, die den Tumor beseitigen könnte, aber durch
eine gesunde Ernährung kann viel zur Stärkung des Körpers beigetragen
werden.
Für viele Patienten stellen sich Fragen der Krankheitsverarbeitung, nach
Zusammenhängen, der Bedeutung der Erkrankung in der persönlichen
Lebensgeschichte, die in unserem Haus wahrgenommen und beantwortet werden
können.
Besonders Patienten mit Einschränkungen im orthopädischen Bereich profitieren
von dem individuellen ganzheitlichen Ansatz, der Elemente aus Bewegungstherapie,
Psychotherapie und ärztlich/Pflegerischer Versorgung koordiniert.
Stand 26.08.08