Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Ursachen der Hormonentzugssymptome bei Krebserkrankungen können vielfältiger
Natur sein. Es kann sich auch um das zeitgleiche Auftreten dieser Symptome im
Rahmen des normalen Lebensprozesses handeln.
Häufiger ist jedoch die durch die Therapie herbeigeführte Symptomatik, sei es
im Rahmen der operativen Entfernung der Gonaden (Eierstöcke bzw. Hoden) zur
Entfernung der Krebsgeschwulst, sei es im Rahmen der gezielten antihormonellen
Therapie, um evtl. noch vorhandene oder sicher nachgewiesene Tumorzellen, die
auf Hormone mit einem Wachstumsschub reagieren könnten, zu behandeln.
Eine weitere Möglichkeit für das Auftreten von Hormonentzugssymptomen im
Rahmen einer Krebserkrankung ist eine Chemotherapie, die zur Zerstörung der
hormonproduzierenden Zellen führen kann. Hierbei ist es von den ausgewählten
Chemotherapiemitteln und ihren Dosierungen abhängig, ob es sich um eine
vorübergehende oder anhaltende partielle oder komplette Ausfallssymptomatik
handelt.
Heutzutage kommt es im Rahmen einer Bestrahlungstherapie selten zu einem
Ausfall der Gonaden, da es vielfach gelingt, durch entsprechende Abschirmungen
oder Verlagerungen der empfindlichen Organe diese bei der Therapie zu schonen.
Ein Sonderfall ist die gezielt eingesetzte Bestrahlung der Eierstöcke zur
definitiven Ausschaltung, wenn eine medikamentöse antihormonelle Therapie nicht
gewünscht ist.
Die Folgen des Hormonentzugs sind von PatientIn zu PatientIn unterschiedlich
ausgeprägt, bei einigen Betroffenen kommt es zu ausgeprägten Symptomen, bei
anderen zeigt sich ein eher milder Verlauf und eine rasche Rückbildung der
Symptomatik.
Zu den von den meisten PatientInnen als besonders unangenehm empfundenen
Symptomen gehören Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die häufiger bei Frauen
als bei Männern auftreten können.
Durch den Ausfall der Hormone kann es außerdem zu psychischen Veränderungen
kommen, die sich bis zu einer Depression entwickeln können. Hierbei sind die
Abgrenzungen zu der Reaktion auf die bösartige Grunderkrankung nicht immer
eindeutig möglich.
Eine weitere Folgeerscheinung des Hormonausfalles sind bei Frauen wie bei
Männern Umbauvorgänge im Knochenbereich im Sinne einer Osteoporose. Außerdem
berichten relativ viele Patienten über Gelenk- und Muskelschmerzen. Als lokale
Folgeerscheinungen kommt es insbesondere bei der Frau zu einer Trockenheit der
Schleimhäute im Bereich der Scheide und zu einer Blasenschwäche.
Die Therapie der Hormonentzugssymptomatik muss immer im Hinblick auf die
Grunderkrankung und die Ursache der Symptome durchgeführt werden.
Handelt es sich um junge Patienten mit nicht hormonabhängigen Tumoren, bei
denen es im Rahmen einer Bestrahlung oder Chemotherapie zu Ausfallssymptomen
gekommen ist, so ist ein kompletter Hormonersatz mit Simulation der natürlichen
Zyklen indiziert.
Bei Patienten mit hormonabhängigen Tumoren ist diese Möglichkeit
ausgeschlossen, im Rahmen einer antihormonellen Therapie wäre sie als sinnlos
und kontraproduktiv einzustufen. In dieser Situation können dem Patienten
verschiedene alternative Vorgehensweisen angeboten werden. Hierbei gibt es
sowohl Möglichkeiten aus der Schulmedizin als auch Ansätze im Rahmen der
Ordnungstherapie und Naturheilkunde.
Schlafstörungen
Im Rahmen von Hormonentzugssymptomen kann es zu zum Teil ausgeprägten
Schlafstörungen kommen. Diese sind nur teilweise durch die auch nächtlich
auftretenden Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu erklären.
Ganzheitsmedizinisch werden Schlafstörungen auf unterschiedlichem Wege
behandelt. Hierzu gehören allgemeine Maßnahmen wie Schlafhygiene, regelmäßige
Schlafzeiten, relativ frühes Abendessen etc. Außerdem sollten koffeinhaltige
Getränke, aber auch größere Mengen Alkohol vor dem Schlafengehen vermieden
werden.
Auch das Erlernen eines Entspannungsverfahrens kann in diesem Zusammenhang
schlaffördernd wirken. Regelrechte Schlafmittel sollten nur kurzfristig und in
Ausnahmefällen eingesetzt werden.
Aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde sind die schlaffördernde Wirkung von
Baldrian, Hopfen und Lavendel nachgewiesen. Baldrian und Hopfen können in
Tabletten- oder Tropfenform eingenommen werden, wobei beim Kauf der Präparate
auf eine ausreichend hohe Dosierung zu achten ist. Lavendel kann auch in Form
von Lavendelfußbädern und Lavendelkissen hilfreich sein.
Therapie der depressiven Verstimmung und Depression
Die Therapie einer voll ausgeprägten Depression gehört in die Hand des
Facharztes und muss entsprechend medikamentös erfolgen. Bei leicht und
mittelgradig ausgeprägten depressiven Verstimmungen ist die naturheilkundliche
Behandlung mit einem Johanniskrautpräparat sinnvoll und in Studien gut belegt.
Darüber hinaus gehört eine ausführliche psychologische bzw. psychoonkologische
Begleitung, die bei der Krankheitsverarbeitung unterstützt, zur Therapie. Auch
die regelmäßige Ausübung von Sport kann hilfreich sein.
Prophylaxe und Therapie der Osteoporose, Gelenk- und Muskelschmerz
Grundsätzlich kann allen Patienten mit Hormonausfallserscheinungen eine
Osteoporoseprophylaxe empfohlen werden. Hierzu gehört eine gesunde Ernährung mit
ausreichender Zufuhr von Kalzium, ggf. auch eine Kalziumsubstitution, der
Zielwert liegt bei 1000 bis 1500 mg täglich. Außerdem sollte auf eine
ausreichende Vitamin D-Zufuhr mit der Nahrung geachtet werden und an die zur
Aktivierung des Vitamin D notwendige UV-Einstrahlung. Insbesondere in den
Wintermonaten ist dies in Europa zum Teil nicht sicher gewährleistet, so dass
rechtzeitig über eine Vitamin D-Einnahme gesprochen werden sollte.
Besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose (z. B.
entsprechende Familienanamnese, niedrige Knochendichtemessung im
Ausgangsbefund), so ist zu diskutieren, ob eine prophylaktische Therapie mit
sog. Bisphosphonaten sinnvoll ist. Diese wird leider von der gesetzlichen
Krankenversicherung derzeit nicht übernommen. Es stehen verschiedene Präparate
zur Injektion, Infusion, aber auch zur oralen Einnahme zur Verfügung.
Im naturheilkundlichen Bereich gibt es Hinweise darauf, dass Pflanzen, die
Phytoöstrogene enthalten, auch knochenstabilisierend wirken können. Es sollte
jedoch beachtet werden, dass der dann üblicherweise empfohlene hohe Verzehr von
Sojaprodukten, falls er ersatzweise zu Milchprodukten gesehen wird, zu einer in
der Regel verminderten Kalziumaufnahme führt. In diesen Fällen sollte auf mit
Kalzium angereicherte Sojapräparate zurückgegriffen werden oder eigenständig
substituiert werden. Außerdem sind Phytoöstrogene bei hormonabhängigen
Tumorerkrankungen nicht unumstritten (siehe unten).
Ein weiterer wesentlicher Baustein zur Prophylaxe einer Osteoporose ist die
regelmäßige Belastung der Knochen in Form eines moderaten Ausdauertrainings, z.
B. Walken. Schwimmen ist hierzu weniger geeignet, da durch den Auftrieb im
Wasser keine Gewichtsbelastung der Knochen eintritt.
Ist eine Osteoporose eingetreten, so sind Mittel der ersten Wahl die oben
bereits beschriebenen Bisphosphonate, auch hier in der Kombination gezielt mit
Kalzium und Vitamin D. Weitere Medikamente sind Calcitonin und Fluoride.
Das Auftreten von Knochen- und Gelenkschmerzen im Rahmen einer
antihormonellen Therapie wird mit einer noch klinisch und in der Bildgebung
nicht nachzuweisenden beginnenden Osteoporose in Verbindung gebracht, dies kann
jedoch nicht als eine gesicherte Ursache angenommen werden.
Einige PatientInnen erfahren eine Linderung der Symptomatik bei einem Wechsel
der antihormonell wirksamen Substanz.
Unter guter Beobachtung des Patienten/der Patientin und Kontrolle, ob sich
eine Osteoporose entwickelt, kann Behandlungsversuch mit phytotherapeutischen
(pflanzlichen) Schmerzmitteln gemacht werden. Zum Einsatz können Extrakte aus
der Weidenrinde, Brennessel oder Teufelskralle gelangen. Auch
Kombinationspräparate wurden bereits erfolgreich eingesetzt.
Therapie der Hitzewallungen und Schweißausbrüche
Zur Therapie der Hitzewallungen und Schweißausbrüche kommen verschiedene
Methoden in Frage.
1. Schulmedizinische Medikamente
In mehreren Studien konnte die Effektivität des Einsatzes von Gestagenen
(Megestrolacetat) nachgewiesen werden, hierzu reichen relativ niedrige
Dosierungen mit 2x20 mg täglich. Die Therapie wird in der Regel gut toleriert.
Die Erfolgsrate liegt bei 70-85%.
Typische Nebenwirkungen sind Zu- oder Abnahme des Appetits,
Wassereinlagerungen, Mundtrockenheit, Schwindelgefühle und vaginaler
Ausfluss.
Eine weitere Option im Rahmen einer medikamentösen schulmedizinischen
Therapie stellt der Einsatz von niedrig dosierten modernen Antidepressiva dar.
Hierbei sind in Studien die Substanzen Venlafaxin, Paroxetin, Fluoxetin
erprobt.
Diese Substanzen führen zu einer Erhöhung des Botenstoffes Serotonin im
Gehirn und wirken damit gegen die bei einer typischen Depression erniedrigten
Botenstoffspiegel. Gleichzeitig kommt es offensichtlich im
Temperaturregulationszentrum des zentralen Nervensystems zu einer
Normalisierung.
Unklar ist derzeit, inwieweit die unter Paroxetin nachgewiesene Erniedrigung
des aktiven Metaboliten von Tamoxifen die gezielte antihormonelle Therapie
beeinträchtigen könnte, mit Venlafaxin scheinen keine Wechselwirkungen zu
bestehen.
Aus diesem Grund und da viele Patienten die regelmäßige Einnahme eines
Antidepressivums nicht wünschen, wird nach Alternativen gesucht. Die auch in der
Schmerztherapie verwendete Substanz Gabapentin kann Hitzewallungen unterdrücken.
Die Therapie sollte vorsichtig begonnen werden. Wirksamkeit wird bei einer Dosis
von 900 mg/Tag erreicht.
Eine weitere zur Verfügung stehende Substanz ist das zur Blutdrucksenkung
eingesetzte Clonidin, das oft in nur niedriger Dosierung ohne
Blutdruckerniedrigung zu einer Besserung der Hitzewellen führen kann. Ob auch
weitere blutdrucksenkende Medikamente erfolgreich eingesetzt werden können, ist
bisher in großen Studien nicht belegt.
Für PatientInnen, die diese Medikamenteneinnahme ablehnen, stehen in einer
ganzheits-medizinischen Betrachtungsweise verschiedene Ansätze zur
Verfügung.
2. Lebensführung und psychologische Begleitung
Eine gute psychologische Begleitung des Patienten/der Patientin und
Einstimmung darauf, dass es sich um einen natürlichen biologischen Prozess
handelt, ist für viele eine wesentliche Stütze im Umgang mit diesen
Folgeerscheinungen. Dies ist insbesondere bei Patientinnen, die altersmäßig nah
an den Wechseljahren sind, ein gangbarer Weg.
Darüber hinaus scheint sich die regelmäßige Ausübung einer Ausdauersportart
positiv auf Hitzewallungen und Schweißausbrüche auszuwirken.
Auch das Erlernen eines Entspannungsverfahrens, das dann regelmäßig in
Eigenregie durchgeführt wird, hat sich als hilfreich erwiesen. Als Verfahren
kommen das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson,
Tai Chi oder Yoga-Training in Frage.
3. Ernährung und Phytoöstrogene
Viele PatientInnen versuchen, die Symptomatik durch eine Nahrungsumstellung
zu beeinflussen. Vereinzelte Berichte über eine Therapie mit Vitamin E (800 I.
E./Tag) konnten nicht bestätigt werden. Angesichts der möglichen negativen
Auswirkungen einer längerfristigen Vitamin-E-Einnahme scheint diese Therapie
nicht geeignet.
In verschiedenen pflanzlichen Nahrungsmitteln finden sich sog.
Phytoöstrogene, die über Rezeptoren zu einer Linderung der Beschwerdesymptomatik
führen können.
Zu den Phytoöstrogenen zählen drei Substanzgruppen:
1. Isoflavone (Hauptsubstanzen Genistein und
Dadizein), vorwiegend finden sie sich in Sojaprodukten und Hülsenfrüchten
2. Lignane, Bestandteile der Zellwände von
Pflanzen
3. Cumarine, die jedoch in den seltensten
Fällen einen bedeutenden Anteil der durch die Nahrung aufgenommenen
Phytoöstrogene ausmachen. Sie kommen besonders in Sonnenblumenkernen,
Bohnensprossen und rotem Klee vor, ihre Wirksamkeit beim Menschen ist jedoch
umstritten.
In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass unter einer Gabe von
Isoflavonen (75 mg) ein 45%iger Rückgang der Hitzewellen erreicht werden kann.
Unter Placebo liegt die Rate der Besserungen bei 30%.
Eine andere Studie mit Phytoöstrogenen zeigte dagegen keinen Effekt auf die
Hormonentzugssymptomatik. Auch die Messung von FSH, LH, Östradiol und
geschlechtshormonbindendem Globulin ergab keine Unterschiede zwischen den beiden
Behandlungsgruppen. Interessant war jedoch, dass in der subjektiven Einschätzung
der Patientinnen, die nicht wussten, ob sie das richtige Präparat oder ein
Placebo erhielten, die Einnahme der Isoflavone präferiert wurde.
Beobachtungen an großen Bevölkerungsgruppen zeigen, dass die erhöhte Zufuhr
von Isoflavonen und Lignanen die Häufigkeit des Auftretens von Krebserkrankungen
senken kann. Gleiches wurde auch für den hohen Verzehr von Sojaprodukten
nachgewiesen, wobei aus den bisherigen Studien hervorgeht, dass eine
Krebsprophylaxe nur zu erreichen ist, wenn der Verzehr bereits im jugendlichen
Alter in einer ausreichenden Menge einsetzt. Die prophylaktische Wirkung
betrifft insbesondere die hormonabhängigen Tumorarten. Inwieweit mit einer
entsprechenden Nahrungsumstellung auch eine sekundäre Prophylaxe, also die
Verhinderung eines Rezidivs oder Zweittumors möglich ist, ist noch umstritten,
bisher konnte dies mit keiner Studie nachgewiesen werden. Es wird zu Recht
darauf hingewiesen, dass eine Stimulation östrogenabhängiger Tumoren denkbar
ist.
Die Einnahme von Isoflavone-Präparaten ist problematisch, da die
Weiterverarbeitung von Sojaprodukten häufig zu einer Entfernung der biologisch
aktiven Bestandteile führen kann.
In-vitro-Studien (im Labor durchgeführte Untersuchungen an Laborproben)
zeigen, dass Phytoöstrogene das Wachstum von hormonabhängigen (Tumor-)Zellen
fördern können. Dabei kommt es auf die Konzentration und das Verhältnis zu
ebenfalls vorhandenem Östrogen an.
Untersuchungen bei Frauen sind bisher kaum durchgeführt worden. Die
Ergebnisse sind bisher nicht eindeutig, weisen jedoch tendenziell auf eine
Erhöhung der Zellwachstumsrate hin. Phytoöstrogene sind nach diesen
Untersuchungen schwache Östrogene und nichtselektive Östrogenrezeptormodulatoren
(sog. SERM’s). Die Frage, ob Patientinnen mit einem hormonabhängigen Brustkrebs
Phytoöstrogene einnehmen dürfen, kann nur vorläufig beantwortet werden. Da eine
Stimulation nicht auszuschließen ist, raten wir derzeit davon ab. Eine begrenzte
Zufuhr durch Verwendung von Sojaprodukten ist vermutlich unschädlich.
4. Traubensilberkerze:
Die Traubensilberkerze ist eine in der Tradition der deutschen
Pflanzenheilkunde seit Jahrhunderten eingesetzte Pflanze. Extrakte der
Traubensilberkerze können Phytoöstrogene enthalten.
Diese Wirkstoffe sind jedoch offensichtlich nicht in allen Präparaten
enthalten. Speziell für das Handelspräparat Remifemin® konnte gezeigt werden,
dass keine östrogenartige Stimulation erfolgt, in Laborexperimenten wurde auch
keine Stimulation des Wachstums von hormonabhängigen Tumoren gesehen.
Viele Experten halten deshalb dieses spezielle Präparat für sinnvoll bei
Patientinnen mit einem hormonrezeptorpositiven Brustkrebs, da die positive
Wirkung auf Hitzewallungen und Knochenstoffwechsel belegt ist, auch wenn die
Wirkweise (bei Abwesenheit von Phytoöstrogen) noch unklar ist.
Ein Wirkmechanismus in diesem Zusammenhang könnte eine Veränderung von
Neurotransmitterkonzentrationen im Zentralnervensystem sein.
Ergänzend gibt es Hinweise, dass Traubensilberkerzenextrakt eine den Knochen
stabilisierende Wirkung haben könnte.
5. Salbeiextrakt
Salbeiextrakte wirken direkt auf die Schweißdrüsen und haben keinen Ansatz an
Hormonrezeptoren. Sie sind deshalb auf jeden Fall als unbedenklich einzustufen.
Es kommt hier auf eine ausreichende Dosierung an, d. h. mehrere Tassen
medizinischer Tee täglich oder Einsatz von Tropfen oder Tabletten. Einige
PatientInnen empfinden vor allem im Sommer das Abreiben mit abgekühltem
Salbeitee als hilfreich.
6. Akupunktur
Einige Untersuchungen zeigen eine positive Wirkung der Akupunktur. Derzeit
läuft in Deutschland eine Studie zur Frage der Wirksamkeit. Bis zum Vorliegen
der Ergebnisse kann ein individueller Versuch unternommen werden. Der Vorteil
besteht in den geringen bis fehlenden Neben- und Wechselwirkungen.
Lokale Folgeerscheinungen
Bei Trockenheit der Schleimhäute kann ein Versuch mit Agnus castus
(Mönchspfeffer) unternommen werden. Auch beim Mönchspfeffer handelt es sich um
eine aus der tradierten Pflanzenheilkunde stammende Zubereitung. Sie wird gegen
Trockenheit im Bereich der genitalen Schleimhäute eingesetzt.
Die klassischen Indikationen sind jedoch das prämenstruelle Syndrom und
prämenstruelle schwellungsbedingte Schmerzen im Bereich der Brustdrüsen.
Studien zum Nachweis der Wirksamkeit im Rahmen der Hormonentzugssymptomatik
liegen nicht vor.
Häufiger zum Einsatz kommen deshalb Vaginalsuppositorien mit Keimen der
natürlichen Flora. Wir haben in unserer Klinik sehr gute Erfahrungen mit der
lokalen Anwendung von Vitamin-E-Öl. In Absprache mit dem Arzt können lokal
wirksame Östrogenzubereitungen (Suppositorien oder Creme verwendet werden.
Allerdings ist es noch nicht sicher geklärt, ob damit nicht doch im Blut
Hormonspiegel entstehen, die wachstumsstimulierend für Tumorzellen sind. ).
Dies kann auch gegen leichte Formen der Inkontinenz wirksam sein. Ergänzt
werden sollte es durch regelmäßiges Beckenbodentraining.
Bei Beschwerden beim Geschlechtsverkehr sollte ein Gleitmittel verwendet
werden.
Stand26.08.08