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Verfahrensanweisung Pleurodese

Betroffene MA-Gruppe:

Ärzte, Pflegepersonal

 

Definition:

Verödung des Pleuraraumes durch Obliteration der Pleurablätter. Palliative Therapieform.

 

Indikation:    

Mittel der Wahl zur Therapie eines symptomatischen, rezidivierenden malignen Pleuraergusses, bei dem kurative Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung nicht vorhanden sind.

 

Prinzip

Auslösung einer lokalen intrapleuralen Entzündungsreaktion mit Verklebung der Pleurablätter

 

Voraussetzungen

die Symptomatik (Dyspnoe) bessert sich nach Aspiration von Pleuraflüssigkeit

die Lunge entfaltet sich vollständig nach Pleuradrainage (Röntgenkontrolle)

intravenöser Zugang

 

 

Kontraindikation:    

Relative Kontraindikation

·         hämorrhagische Diathese

·         therapeutische Antikoagulation

 

Methode:

 

Technik der Pleurodese

 

Vorbereitung

bildgebende Verfahren (Röntgen-Thorax, Sonografie) zum Ausschluss von Ergusskammerungen

 

Anlage einer Bülau- oder Matthysdrainage

 

Position des Patienten

sitzend, z.B. mit Unterstützung am Bettrand

 

Punktionsort

·         posterior (s.B. hintere Axillarlinie)

·         Oberrand der Rippe (am Unterrand Verlauf von Gefäßen/Interkostalnerven)

·         sonografische Lokalisation, sonst Punktion im Interkostalraum unterhalb der Dämpfungsgrenze

 

Sklerosierung

·         Schmerztherapie vor Sklerosierung: systemische Analgesie (z.B. Temgesic® sublingual oder Dolantin® s.c.), intrapleurale Injektion eines Lokalanästhetikums (z.B. 10 ml Xylocain 2 %)

·         Injektion des sklerosierenden Agens, mit 20-50 ml NaCl nachspülen

·         Patient 2 Stunden lang bei abgeklemmter Drainage viertelstündlich umlagern

·         Erneute Drainage der Pleuraflüssigkeit über Saugpumpe für mindestens 24 h (meist 2-3 Tage notwendig) und bis die Drainageflüssigkeit < 150 ml/24 h beträgt. Hierbei wird die Gefahr eines Dekompressions-Lungenödems durch graduelle Steigerung des Saugdruckes vermindert (z.B. Anlagen der Saugpumpe ohne Unterdruck für 3 h, mit 2,5 cmH2O für weitere 3 h, danach Verdoppelung des Unterdruckes alle 3 Stunden bis 20 cmH2O Unterdruck erreicht werden).

 

Kontrolle

entfernen der Thorax-Drainage, erneute Röntgenkontrolle

Verlaufskontrolle mittels Sonografie/Röntgen-Thorax in den folgenden Wochen

 

 

Wahl des sklerosierenden Agens

 

Prinzip

Erzeugung einer chemischen Pleuritis durch Applikation von Substanzen mit antibiotischer, antineoplastischer, physikalischer oder biologischer Wirkung.

 

Talkum

·         prinzipiell das effektivste Agens (Erfolgsrate 90-95% )

·         Applikation meist als Insufflation (2.5-6 g, Thorakoskopie notwendig), alternativ als (wegen der Wasserlöslichkeit von Talkum allerdings weniger effektive) Suspension z.B. 2 g in 50 ml NaCl 0.9 %, über Thoraxdrainage möglich)

·         Vorteil: preisgünstig, hocheffektiv, bewährtes Verfahren, geringe Nebenwirkungen

·         CAVE: ARDS („Acute Respiratory Distress Syndrome“) als seltene Komplikation

 

Tetrazyklin

·         Effektivität 70-75 %

·         Applikation von 1 g absolut oder 20 mg/kg in 30-50 ml NaCl 0.9 %

·         Nebenwirkungen: Fieber, Schmerzen (10 % der Fälle)

·         Alternativ: Doxyzyklin (1 g absolut oder 10mg/kg KG, wiederholte Applikation häufig notwendig)

·         Vorteil: preisgünstig und effektiv, einfache Anwendung

 

Bleomycin

·         Effektivität 70 %

·         Applikation von 60 mg absolut

·         Nachteil: hoher Preis

 

Alternative

Vorstellung des Patienten zur thorakoskopischen Therapie in der Thoraxchirurgie, insbesondere bei gekammertem Prozess.

 

Komplikationen:      

Komplikationen sind insgesamt selten:

·         Pneumothorax (5-10 %, daher Röntgen-Thorax nach Punktion obligat)

·         Dekompressions-Lungenödem (bei Aspiration von > 1000-1500 ml Erguss)

·         ARDS: beschrieben in wenigen Fällen nach Talkum-Pleurodese

·         Hämatothorax

·         vasovagale Reaktion (Therapie z.B. 1 mg Atropin s.c.)

·         Weichteilverletzung, Infektion

 

Stand 10/07

Verantwortlich: Dr. Hübner

 

Druckvorlagen/Leitlinien/Pleurodese

Aktualisiert am 08.01.2009