Habichtswald-Klinik Kassel
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie
Vitamin C ist ein wasserlösliches Vitamin. Es stellt einen für den
menschlichen Körper lebensnotwendigen Stoff dar, der in vielen Nahrungsmitteln
vorkommt. Bei einer ausgewogenen gesunden mitteleuropäischen Kost ist der Gehalt
an Vitamin C für die Versorgung eines erwachsenen Menschen ausreichend.
Vitamin C wird in vielen Stoffwechselschritten im Körper benötigt, so unter
anderem zum Aufbau des Bindegewebsstoffes Kollagen, zur Bildung von
Eiweißstoffen (sog. Peptiden), zur Bildung des mit dem Energiestoffwechsel
zusammenhängenden Carnitins und von adrenalinähnlichen Verbindungen, den sog.
Katecholaminen. Vitamin C hat darüber hinaus starke antioxidative Eigenschaften.
Die empfohlene tägliche Aufnahmemenge liegt bei 75-175 mg pro Tag.
Überdosierungen können zu Magen-Darm-Beschwerden, Unterzuckerungen,
Blutdruckabfall und Bildung von Nierensteinen führen.
In zahlreichen Bevölkerungsuntersuchungen wurde untersucht, ob der Konsum von
Vitamin C mit der normalen Ernährung einen Einfluss auf die Entwicklung von
Tumoren hat.
Bisher konnte nicht gezeigt werden, dass eine erhöhte Zufuhr von Vitamin C
über das in einer gesunden Ernährung Hinausgehende zu einem zusätzlichen Schutz
vor der Entwicklung von Krebserkrankungen führt.
Auf der Ebene der einzelnen Zelle führt Vitamin C in hoher Dosierung zum
Zelluntergang, der sog. Apoptose.
Vitamin C beeinflusst außerdem verschiedene Stoffwechselwege in der
Tumorzelle und führt dadurch in Laborexperimenten zu einer Hemmung des
Zellwachstums bösartiger Zellen.
Es konnte aber auch gezeigt werden, dass Vitamin C die Schädigung von Zellen
durch Chemotherapiemittel unterdrücken kann, vermutlich beruht dies auf der
antioxidativen Wirkung. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass eine erhöhte
Vitamin-C-Aufnahme während einer Chemo- oder Strahlentherapie Nebenwirkungen
günstig beeinflussen kann, aber auch zu einer Wirkungsabschwächung führt.
Propagiert wird häufig die hochdosierte, nur über die Infusion in eine Vene
zu erreichende Gabe von Vitamin C.
Ein Laborexperiment zeigt, dass hochkonzentriertes Vitamin C selektiv
Tumorzellen, nicht jedoch normale Zellen zum Absterben bringt.
Unklar ist noch, welche Bedeutung dies für die Therapie von Tumorpatienten
hat. Bisher veröffentlichte Studien zum Einsatz von hochdosiertem Vitamin C
haben keinen Vorteil gegenüber einer Placebotherapie in Bezug auf
Tumorrückbildungen gezeigt.
Interessant ist eine andere Indikation: die Behandlung der Fatigue
(Tumorerschöpfung). Diese häufige Folgeerscheinung einer Tumorerkrankung oder
Therapie konnte in einer amerikanischen Studie mit Vitamin-C-Infusionen im
Vergleich zu Placebo deutlich gebessert werden.
Zusammenfassend muss man sagen, dass Vitamin C eine der interessanten
natürlichen Substanzen in der Tumortherapie darstellt, dass jedoch derzeit keine
ausreichenden Daten vorliegen, die einen Einsatz als alternative Therapie
begründen. Im Einzelfall kann in einer schwierigen Therapiesituation sicherlich
Vitamin C mit berücksichtigt werden, dabei sollte jedoch bedacht werden, dass
wir derzeit nicht wissen, ob Vitamin C die Wirksamkeit einer Chemotherapie (und
welcher Mittel) oder einer Strahlentherapie negativ beeinflusst.
Stand 26.08.08
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin Onkologie